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Wegen Doppelmord Verurteilter Söring kommt aus US-Haft frei | BR24

© picture alliance/AP Images/Steve Helber

Jens Söring kommt aus US-Haft frei und wird nach Deutschland abgeschoben.

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    Wegen Doppelmord Verurteilter Söring kommt aus US-Haft frei

    Überraschende Wende in einem der spektakulärsten transatlantischen Kriminalfälle der vergangenen Jahrzehnte: Der wegen Doppelmords in den USA verurteilte deutsche Diplomatensohn Jens Söring kommt nach Jahrzehnten im Gefängnis auf Bewährung frei.

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    Jens Söring sitzt seit drei Jahrzehnten im US-Bundesstaat Virginia in Haft. Er wurde für schuldig befunden, 1985 die Eltern seiner damaligen Freundin, Elizabeth Haysom, getötet zu haben. Er soll das Ehepaar Derek und Nancy Haysom mit Dutzenden Messerstichen erstochen haben. Nachdem Söring und Elizabeth Haysom in Verdacht geraten waren und sich zur Flucht entschlossen hatten, wurden sie 1986 in London gefasst und schließlich an die USA ausgeliefert. Der Diplomatensohn Söring war 1990 zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Seine damalige Freundin bekam wegen Anstiftung zum Mord zweimal 45 Jahre Haft.

    Laut US-Medien kommt Söring jetzt aus dem Gefängnis frei und wird abgeschoben. Dies habe das zuständige Gremium im Bundesstaat Virginia entschieden, berichteten mehrere Medien am Montagabend (Ortszeit) unter Berufung auf das Büro des Gouverneurs des Bundesstaats, Ralph Northam. Ein Bonner Anwaltsbüro, das Söring immer wieder vertreten hat, bestätigte die Entscheidung. Eine Begnadigung des Deutschen wurde dagegen erneut abgelehnt.

    Bundesregierung setzte sich für eine Überstellung nach Deutschland ein

    Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer (CDU), begrüßte die Entscheidung. "Das ist eine gute Nachricht", sagte Beyer laut Deutscher Presse-Agentur. Die Bundesregierung hatte sich schon seit längerem für eine Freilassung auf Bewährung und Überstellung nach Deutschland eingesetzt. Beyer hatte Söring zweimal persönlich im Gefängnis in Virginia besucht. "Bei unserem bislang letzten Treffen im Sommer dieses Jahres hat er einen geistig und körperlich fitten Eindruck auf mich gemacht. Und das, obwohl er sich jeden Tag der harten Realität in einem Südstaatengefängnis stellen muss, in dem Gangs, Drogen und Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind."

    Aber Sörings Freilassung stieß nicht nur auf Zustimmung. Er sei "schockiert und empört" darüber, sagte Ben Cline, republikanischer Kongressabgeordneter des Bundesstaats Virginia. "Die Entscheidung, die nicht auf Reue der Mörder für ihre Taten, sondern auf angeblichen Kostenvorteilen für Virginia basiert, ist eine Beleidigung der Familien der Opfer und des geltenden Rechtes."

    DNA-Untersuchungen sprechen gegen das Urteil

    Söring beteuerte in zahlreichen Interviews auch mit dem Evangelischen Pressedienst seine Unschuld. Viele Beweismittel aus dem Prozess wurden bereits entkräftet. Auch kürzliche DNA-Untersuchungen sprechen gegen des Urteil. Söring hatte die Morde zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen und erklärt, er habe lediglich seine Freundin vor der Todesstrafe bewahren wollen. Der deutsche Staatsbürger erklärte, er habe erwartet, dass er als Diplomatensohn Immunität genieße.

    Die Zeitung "Richmond Times-Dispatch" zitierte die Vorsitzende des für Begnadigungen in Virginia zuständigen Gremiums mit den Worten, jahrelange Untersuchungen hätten ergeben, dass Sörings Unschuldsbeteuerungen "unbegründet" seien. Eine Haftentlassung Sörings und Haysoms sei aber "angemessen", erklärte Adrianne Bennett demnach. Sie begründete dies mit dem jungen Alter der beiden zum Tatzeitpunkt und der langen bereits abgesessenen Haftstrafe. Auch komme eine Freilassung aus der Haft den Steuerzahlern zugute.

    Unterstützer aus Deutschland halten Söring für unschuldig

    Die Entscheidung, den 53-Jährigen freizulassen, sei "überraschend", schrieb die "Washington Post". Der brutale Doppelmord hatte jahrzehntelang in den USA und auch international Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In Deutschland setzt sich seit Jahren ein Unterstützerkreis für Söring ein. Die Mitglieder halten den Verurteilten für unschuldig. Auch in dem Dokumentarfilm "Das Versprechen" aus dem Jahr 2016 wurde das Urteil gegen Söring infrage gestellt.

    Von
    • Judith Hilebrand
    • BR24 Redaktion
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