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Ziemlich beste Feinde: So war Amerikas Freundschaft zu China | BR24

© pa/dpa/Christian Ohde

Dollarnote und chinesischer Yuan-Schein auf den Fahnen von USA und China.

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    Ziemlich beste Feinde: So war Amerikas Freundschaft zu China

    Die Beziehungen zwischen China und den USA sind so schlecht wie seit 40 Jahren nicht mehr. Und die Konfrontation wächst. Experten sind sich einig: Egal, wer die US-Präsidentenwahl gewinnt - dieser Konflikt wird sich weiter hochschaukeln.

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    Sie waren schon mal besser, die Beziehungen zwischen Washington und Beijing. Exemplarisch dafür ist etwa der Besuch des heutigen chinesischen Staatschefs Xi Jinping in der Kleinstadt Muscatine im US-Bundesstaat Iowa. Xi Jinping, zu dieser Zeit regionaler Parteichef in der Provinz Hebei, war 1985 in Muscatine zu Gast. Unter seiner Leitung reiste eine Delegation nach Iowa, um sich über Landwirtschaft und Viehzucht zu informieren. Der ökonomische Abstand zwischen China und den USA war riesig. Was den damals 32-jährigen Xi - wie in Muscatine erzählt wird - sichtlich zum Staunen brachte.

    Erinnerungen an bessere Zeiten

    Ein chinesischer Geschäftsmann hat das Haus der Gastfamilie in ein Freundschaftshaus verwandelt. An einer Wand im Wohnzimmer des Hauses, in dem Xi Jinping übernachtete, hängen heute Fotos von seinem Besuch.

    Mit dem Aufstieg des Genossen zum Staatschef stieg in den folgenden Jahren auch das Ansehen des Bundesstaates Iowa. Lokale US-Firmen investierten in der Volksrepublik. Und Iowa bemühte sich gleichzeitig um Direktinvestitionen aus China. Unternehmer Dan Stein erzählt: "Es gab einen großen Studenten-Austausch, Studierende reisten hin und her. Außerdem gab es einen kulturellen Austausch mit Musik, Chören, Orchestern und so weiter."

    Ideologisch-politischer Konflikt

    Heute, sagt Dan Stein, sei es ganz anders. Delegationen, die häufig von der chinesischen Regierungsseite angeführt worden waren, blieben jetzt aus. Überhaupt gebe es viel weniger Austausch. Es sind Folgen einer veränderten China-Politik. Deren prominenter Vertreter in Washington ist US-Außenminister Mike Pompeo. Bei einer Grundsatzrede im Juli in der Richard-Nixon-Gedenkbibliothek warf Pompeo der Kommunistischen Partei Chinas vor, Patente gestohlen zu haben, Lieferketten zu zerstören, Menschenrechte zu missachten und den internationalen Handel auf den wichtigsten Wasserstraßen zu gefährden.

    "Präsident Richard Nixon sagte einmal, er befürchte, er habe einen "Frankenstein" geschaffen, indem er die Welt für die Kommunistische Partei Chinas geöffnet habe. Und an dem Punkt stehen wir. Was auch immer der Grund sein mag, China ist heute im Inland zunehmend autoritär und in seiner Feindseligkeit gegenüber der Freiheit überall aggressiver." Mike Pompeo, US-Außenminister

    Der US-Außenminister wird in China als einer der härtesten Kritiker der Staats- und Parteiführung wahrgenommen. Was diese ganz offensichtlich besonders ärgert, ist, dass Pompeo immer wieder betont, die Politik der US-Regierung richte sich gar nicht gegen das Land China oder gegen die Bevölkerung, sondern ausschließlich gegen die regierende kommunistische Partei. Aus Sicht der chinesischen Staatsführung ist das eine Provokation. Denn sie versucht nach innen und außen das Bild zu vermitteln, das Land, die Bevölkerung, die Staatsführung und die Kommunistische Partei seien ein einheitliches, untrennbares Gebilde.

    Ambivalentes Verhältnis

    UN-Generalsekretär António Guterres warnt angesichts zunehmender Spannungen zwischen Washington und Peking vor einem neuen Kalten Krieg. Doch anders als im Konflikt mit der Sowjetunion geht es dieses Mal um zwei Staaten, die wirtschaftlich voneinander abhängig sind. Es gebe deshalb kein Interesse, sich wieder vollständig von einander zu lösen, sagt der Unternehmer Dan Stein.

    Also kein "Decoupling" – keine Entkopplung der beiden Gesellschaften - und schon gar nicht kurzfristig. Dan Stein findet: "Jenseits des Handels geht es um weltweiten Einfluss und wie man ihn nutzt. Amerika hält sich für eine große, außergewöhnliche Nation, die Menschen gerecht behandelt. Ich bin mir nicht sicher, ob die Geschichte uns dabei immer Recht gibt. Aber da China jetzt an Macht gewonnen hat, fragen wir uns, wie werden sie die Macht einsetzen? Und wie immer: Wenn einer so wie wir Macht verliert, möchte er trotzdem den Einfluss behalten. Und diesen Konflikt erleben wir gerade."

    Amerikanisch-chinesische Abhängigkeit bleibt

    An der Basis der chinesisch-amerikanischen Beziehungen und daran, dass beide Seiten wirtschaftlich voneinander abhängig sind, ändere die derzeitige Krise eigentlich nicht viel, sagt Shen Dingli vom Zentrum für Amerikastudien an der Shanghaier Fudan-Universität: "Die USA wollen nach wie vor von engen Beziehungen zwischen den beiden Ländern profitieren. Auch China will von engen Beziehungen profitieren. Das Problem ist nur, dass es ein Ungleichgewicht gibt, denn China profitiert in viel größerem Ausmaß. Aus Sicht der USA zieht man also zu wenig Nutzen daraus."

    Auch US-Demokraten kritisch gegenüber China

    Mittlerweile stehen auch die US-Demokraten um Präsidentschaftskandidat Joe Biden der chinesischen Führung kritisch gegenüber. Was wiederum dazu führt, dass selbst ein potentieller Machtwechsel im Weißen Haus die drohende Konfrontation beider Großmächte nicht ohne weiteres lösen kann.

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