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Was vom Mythos Martin Luther King bleibt | BR24

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Gedenken an Martin Luther King

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Was vom Mythos Martin Luther King bleibt

Am 4. April liegt die Ermordung von Martin Luther King 50 Jahre zurück. Die Ideen des schwarzen Baptistenpfarrers und Anführers des Civil Rights Movement aber sind heute noch genauso aktuell wie einst, meint die evangelische Theologin Margot Käßmann.

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Er ist 34 Jahre alt, als er die Rede hält, die ihn bis heute bekannt macht: "I have a dream" - "Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einem Land leben, in dem man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt. Ich habe heute einen Traum", heißt es darin unter anderem.

King hebt die Bürgerrechte ganz hoch auf die nationale Agenda

Sie ist eine der berühmtesten Reden des 20. Jahrhunderts. Gehalten von einem schwarzen Baptistenpfarrer, im August 1963 in Washington D.C.. 250.000 Menschen waren gekommen zum Marsch für Jobs und Freiheit. Dicht gedrängt standen sie in der Hitze vor Lincoln Memorial, um den charismatischer Führer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung zu sehen. In nur wenigen Jahren war es ihm und seinen Mitstreitern gelungen, die Bürgerrechte der Schwarzen ganz oben auf die nationale politische Agenda zu setzen. Durch gewaltlosen Widerstand und massiven zivilen Ungehorsam: ausgelöst durch die afroamerikanische Näherin Rosa Parks, die auf ihrem Bussitz einfach sitzen blieb - auch als der Fahrer sie aufforderte, diesen für einen weißen Fahrgast zu räumen.

In seinen Reden machte Martin Luther King von Anfang an klar, worauf er seinen Protest stützte. Auf eine doppelte Grundlage gewissermaßen. Zum einen berief er sich auf die Verfassung, die allen Amerikanern – egal ob schwarz oder weiß – Gleichheit vor dem Gesetz versprach. Zum anderen argumentierte er ganz grundsätzlich aus dem christlichen Glauben heraus, sagt Albert Scharenberg. Der Historiker ist Ko-Direktor des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in New York und hat eine Biografie Martin Luther Kings geschrieben. Martin Luther habe den Auftrag eines Pastors nicht nur als Versprechem im Jenseits verstanden, sondern als Aufforderung, dass die Kirche nicht zuschaue, wenn Menschen leiden.

Martin Luther King ist für Margot Käßmann ein echtes Vorbild

Für die evangelische Theologin und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) Margot Käßmann ist Martin Luther King in der Hinsicht ein echtes Vorbild. Bei Martin Luther King habe sie zum ersten Mal erfahren, dass man fromm und politisch sein könne. Zu Hause sei sie selbst mit der Einstellung aufgewachsen: "Die Kirche ist der kirchliche Raum und der Staat ist der staatliche Raum und die Kirche sollte eher nicht politisch sein." Martin Luther Kings Themen seien auch heute noch aktuell: Die Frage der Gerechtigkeit, die Frage des Rassismus auch die Frage von Krieg und Frieden. Er sei das Sprachrohr gegen den Vietnamkrieg gewesen. 

"Da wurde er auch angegriffen. Da wurde gesagt, was versteht schon ein Pfarrer vom Krieg. Und er hat gesagt: Ich weiß auf jeden Fall, dass die schwarzen Soldaten, die in Vietnam für Freiheit kämpfen sollen, für eine Freiheit kämpfen, die sie zu Hause in ihrem eigenen Land gar nicht haben." Margot Käßmann, Theologin und Buchautorin

Martin Luther King machte die schwarzen Kirchen zum Rückgrat der Bewegung, und bekam bald auch von Weißen Beifall. Das Civil Rights Movement wurde mit King zur Massenbewegung - und das mit Erfolg. 1964 unterzeichnete Präsident Lyndon B. Johnson den so genannten Civil Rights Act. Ein Gesetz, das die Rassentrennung für illegal erklärte. 1965 folgte mit dem Voting Rights Act ein Wahlrechtsgesetz, das die gleiche Beteiligung von Afroamerikanern an den Wahlen gewährleisten sollte - Meilensteine für die Bürgerrechtsbewegung.

Das Thema Rassismus ist weiterhin aktuell

50 Jahre nach seinem Tod Martin Luther Kings ist die politische Emanzipation der schwarzen Bevölkerung längst vollzogen. Es gibt seitdem große Fortschritte: Die Zahl der schwarzen Universitätsabsolventen hat sich verdreifacht. Und mit Barack Obama ist der erste nicht weiße Präsident ins Weiße Haus eingezogen. Dennoch: Die Unterschiede bei den Einkommens- und Vermögensverhältnissen sind nach wie vor groß. Besonders alarmierend: Eine Serie von Polizeigewalt und Übergriffen auf schwarze Bürger, die die USA in den letzten Jahren erschüttert hat.

Und dennoch: Kings Pazifismus und sein Mut zu kreativem und friedlichem Protest ist 50 Jahre nach seinem Tod nach Meinung von Margot Käßmann weiterhin aktuell und ebenso praktikabel wie damals. Auch King sei schon verlacht worden. "Pazifisten mussten sich schon immer fragen, ob Gewalt nicht die einzige Antwort auf Gewalt sein kann." Aber King werde gerade dafür bewundert, dass er den Ruf "keine Gewalt" durchgehalten habe.