BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Was Trumps Therapie für Behandlungen bedeutet | BR24

© dpa-Bildfunk/Evan Vucci

Ärzte von Donald Trump

16
Per Mail sharen

    Was Trumps Therapie für Behandlungen bedeutet

    Die Coronavirus-Infektion von US-Präsident Donald Trump wird mit teilweise experimentellen Therapieformen behandelt. Sie könnten in Zukunft auch anderen Corona-Patienten helfen.

    16
    Per Mail sharen

    Remdesivir, Antikörper, Steroide, Zink, Vitamin D, Melatonin, Aspirin: Die Liste der Medikamente und Substanzen, mit denen das Ärzte-Team den am Coronavirus erkrankten US-Präsidenten behandelt, ist lang. Während Remdesivir als aussichtsreiches Mittel gegen das Virus schon länger bekannt ist, ließ vor allem ein sogenannter Antikörper-Cocktail aufhorchen. Das bislang nicht offiziell zugelassene Medikament gilt unter Medizinern, wie etwa dem deutschen Infektiologen Prof. Dr. Gerd Fätkenheuer von der Universität Köln, als vielversprechend im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

    Hinter dem experimentellen Präparat mit dem offiziellen Namen REGN-COV2 steht das US-amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Regeneron aus dem US-Bundesstaat New York. Die Firma hat sich auf die Herstellung von monoklonalen Antikörpern spezialisiert. Das sind künstlich im Labor hergestellte Antikörper, die im Erfolgsfall gezielt gegen ein Virus eingesetzt werden können.

    Hochwirksamer Antikörper-Cocktail

    Erkrankt ein Patient, bildet sein Körper eine Vielzahl unterschiedlicher Antikörper gegen das Virus. Die Forscher identifizieren die wirksamsten Antikörper-Typen und synthetisieren sie im Labor. Dieser hochwirksame Antikörper-Cocktail könnte dann einem Patienten verabreicht werden. Im Fall von US-Präsident Donald Trump geschah das offenbar schon.

    "Die Erwartungen sind hoch, dass diese neue Therapieform Erfolg hat", sagt Fätkenheuer. "Möglicherweise wäre die Wirksamkeit besser als die von Remdesivir, weil das Virus theoretisch gezielt ausgeschaltet werden kann." Ein weiterer Vorteil, so Fätkenheuer, sei die gute Verträglichkeit des Präparats, ein Nachteil dagegen die komplizierte Produktion.

    Keine ausreichenden Studien

    Grundsätzlich kritisch sieht Fätkenheuer den Einsatz der Antikörper-Behandlung zum jetzigen Zeitpunkt. Bislang lägen noch keine ausreichenden Studien zur Behandlung von Coronavirus-Patienten vor.

    In der Tat befindet sich REGN-COV2 laut Hersteller zumindest für die Behandlung von akut Erkrankten erst in der zweiten von insgesamt drei klinischen Testphasen, wobei die dritte Phase die bedeutendste ist. Nur für den Einsatz als Präventivmittel für gesunde Menschen, die in engem Kontakt zu infizierten Coronavirus-Patienten stehen, sei REGN-COV2 in der dritten klinischen Testphase angekommen.

    Behandlung mit Steroiden bei fortgeschrittener Krankheit

    Ausführliche Studien gäbe es dagegen für den Einsatz von Steroiden, betont Fätkenheuer. Sobald eine gewisse Krankheitsschwere erreicht sei, zum Beispiel wenn die Atmungsfunktion des Patienten gestört sei, würden Steroide auch an der Uniklinik Köln bei Coronavirus-Patienten eingesetzt. Je weiter die Krankheit fortgeschritten ist, desto wichtiger sei die Behandlung mit Steroiden, so Fätkenheuer.

    Der Antikörper-Hersteller Regeneron gab Mitte August eine Partnerschaft mit dem europäischen Pharmahersteller Roche bekannt. Sollten die klinischen Studien zu REGN-COV2 erfolgreich verlaufen, wolle Regeneron den amerikanischen Markt beliefern, Roche würde das Mittel außerhalb der USA und damit auch in Europa vertreiben. Wann die klinischen Studien abgeschlossen seien, wollte ein Roche-Sprecher auf tagesschau-Anfrage noch nicht sagen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!