BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: Julian Stratenschulte/dpa

Gut 300 Corona-Tote pro Tag werden derzeit in der Spitze an das RKI gemeldet. Eine immer noch hohe Zahl. Aber was passiert eigentlich mit den Covid-19-Toten, welche Vorschriften und Auflagen gibt es? Ein Besuch in der Pathologie und beim Bestatter.

31
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Was passiert mit den Corona-Toten?

Gut 300 Corona-Tote pro Tag werden derzeit in der Spitze an das RKI gemeldet. Eine immer noch hohe Zahl. Aber was passiert eigentlich mit den Covid-19-Toten, welche Vorschriften und Auflagen gibt es? Ein Besuch in der Pathologie und beim Bestatter.

31
Per Mail sharen
Von
  • Mathias Flasskamp

Langsam schieben die Pfleger den Blechsarg durch die Kellergänge des Klinikums Rechts der Isar in München. Über den Sargdeckel huschen helle Lichtreflexe von den Neonröhren an der Decke. Ihr Ziel: die Pathologie. Gregor Weirich, der leitende Oberarzt, öffnet die Schleusentür und wirft einen Blick auf den Totenschein: Todesursache Covid-19-Pandemie. Weirich bestätigt mit einem Nicken. Alles ist schon für die anstehende Obduktion vorbereitet. In Zeiten einer Pandemie sei diese Arbeit noch wichtiger als sonst, meint der Pathologe:

"Wir brauchen neue Erkenntnisse, gerade angesichts der Tatsache, dass so viele Menschen an Covid-19 sterben. Wir wollen versuchen, das zu verhindern. Durch die Erkenntnisse, die wir hier gewinnen, helfen wir dabei, die Krankheit besser zu verstehen." Gregor Weirich, Pathologe

Der Leichnam wird in den Sektionsraum gefahren. Gleich drei Ärzte in Vollschutzmontur mit FFP-3-Maske und Geschichtsschild untersuchen den Toten.

Neues Obduktionsverfahren mit Ultraschalltechnik

Im Klinikum Rechts der Isar haben sie dafür ein neues, minimalinvasives Verfahren entwickelt: Die Untersuchung des Verstorbenen findet mithilfe eines speziellen Ultraschallgerätes statt. Die Gewebeentnahme erfolgt per Metallsonde ohne den Körper sichtbar zu beschädigen. Ein paar Gramm Milz-, Leber- oder Lungen-Gewebe würden genügen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, sagt Internist Konrad Stock, der die Obduktion am Ultraschallmonitor überwacht. "Wir punktieren Leber, Milz und Nieren routinemäßig. Jetzt haben wir das ausgebaut und machen ein Ganzkörper-Biopsie-Protokoll, bei dem wir nur ganz wenig Gewebe benötigen, um dem Mythos Covid mehrere Geheimnisse auf molekularer und histologischer Ebene zu entlocken."

Obduktion selten erwünscht

Allerdings stimmen bisher nur etwa 8 Prozent aller Angehörigen einer Obduktion zu. Viel zu wenig findet Oberarzt Dr. Weirich. Eigentlich müssten es um die 30 Prozent sein, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Er hofft, dass gerade angesichts des neuen, minimalinvasiven Verfahrens deutlich mehr Angehörige einer Obduktion zustimmen. "Das wäre eminent wichtig", seufzt der Pathologe.

Arbeit in Vollschutzmontur

Nach der Obduktion legen die Ärzte den Toten in einen sogenannten Bodybag. Ein luftdichter Leichensack aus Kunststoff. Zwischenlagerung bei 4 Grad Raumtemperatur in der Kühlkammer des Klinikums. Nur das Rasseln des Kühlgenerators durchbricht die Stille. Bis die Bestatter kommen. Auch sie arbeiten, wie die Pathologen, in Vollschutzkleidung.

Die beiden Mitarbeiter der Firma Hanrieder holen den Bodybag aus der Kühlkammer und fahren in mit einer Bahre nach oben in den Innenhof, wo schon der weiße, überlange Mercedes-Kombi wartet. Dann geht’s auf die vorletzte Fahrt in die Zentrale des Unternehmens nördlich von München.

Während die Corona-Pandemie in anderen Unternehmen Kurzarbeit ausgelöst hat, sorge sie in seiner Firma seit einem Jahr für Überstunden sagt Geschäftsführer Ralf Hanrieder: "Wir sind jetzt nicht unbedingt an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen, aber wir hatten einen Umsatzzuwachs von 10 Prozent."

Im Bestattungsinstitut erfolgt dann die sogenannte Umbettung: Die Mitarbeiter legen den Bodybag behutsam auf ein Kissen in einem hölzernen Sarg, der mit weißer Spitze ausgeschlagen ist.

Bayerisches Infektionsschutzgesetz verbietet Aufbahrung von Covid-19-Toten

Aus Infektionsschutzgründen dürfen Covid-19 Tote in Bayern nicht mehr aus dem Bodybag genommen werden. Eine schwierige Situation für Bestatter und Angehörige gleichermaßen. Gewisse Wünsche, wie zum Beispiel das Ankleiden, dürfe man nicht mehr erfüllen, erklärt Ralf Hanrieder bedauernd: "Die offene Abschiednahme ist hier in Bayern untersagt und das ist eine zusätzliche, schwere psychische Belastung für Hinterbliebene."

Die Mitarbeiter schließen den Sargdeckel. Am Fußende bringen sie gemäß der Infektionsschutzverordnung ein Warnschild an. Corona-Tote müssen mitsamt Bodybag bestattet werden. Die letzte Fahrt wird entweder Richtung Friedhof oder Krematorium gehen, je nachdem was der Verstorbene zu Lebzeiten verfügt hat. In diesem Punkt gibt es keinen Unterschied zwischen Covid-19-Toten und Verstorbenen mit natürlicher Todesursache.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!