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Was machen neue Medien mit unserer Gesellschaft? | BR24

© picture alliance/Fabian Sommer/dpa

Auf dem Bildschirm eines iPhones werden diverse Kommunikations-Apps angezeigt

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    Was machen neue Medien mit unserer Gesellschaft?

    Rezo ist das Paradebeispiel dafür, was in der Marketing Branche schon längst bekannt ist: seit der Erfindung der sozialen Medien hat sich Kommunikation grundlegend geändert. Auf Augenhöhe muss es sein, damit der Nutzer "abgeholt" wird.

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    Immer weniger funktionieren althergebrachte Muster. Mit dem erhobenen, vielleicht sogar moralisierenden Zeigefinger mit Usern, Followern und Lesern funktioniert die Interaktion heutzutage nur noch schlecht. In den Medien genauso wenig wie im Umgang der Politik mit ihren Wählern.

    "Jeder ist auf Social Media, zumindest annähernd jeder. Und von den ganz Jungen sowieso. Die sind vielleicht nicht auf Facebook, sondern auf Snapchat, auf Instagram. Dann werden die Nutzer älter. Facebook spielt für sie definitiv eine Rolle, vielleicht auch Twitter. Die Zielgruppe erreicht man durch sie definitiv. Es gibt fantastische Möglichkeiten die Zielgruppe zu erreichen, wenn man weiß, wer sie ist. Man könnte ja auch genau schauen, wer ist denn auf meiner Website ist und diese dann gezielt über Social Media ansprechen. Also gerade diese Tracking-Möglichkeiten sind enorm. Klar muss alles Datenschutzkonform sein, aber alles ist messbar." Collin Crome, Marketeer und Autor

    In der Werbebranche sind viele weiter als Journalisten oder Politiker. Wie so oft beobachtet Collin Crome, Marketeer und Autor von Büchern über Facebook und Co.. Und Crome meint, dass Medienhäuser hier durchaus etwas vom Marketing lernen könnten.

    "Marketing ist schnell. Marketing probiert viel aus und das ist vielleicht etwas, was sie lernen können. Einfach mal ausprobieren. In dieser schnelllebigen Welt passiert so viel Neues. Wenn man was Neues macht, was man noch nicht kennt, hat man meistens auch Erfolg." Collin Crome, Marketeer und Autor

    "Einfach mal ausprobieren" als Devise

    Neues ausprobiert und zwar tatsächlich mit Erfolg hat Duygu Gezen, Formatentwicklerin und Content Strategin bei funk, dem ARD-Jungendangebot, das nur in den sozialen Medien zu finden ist. Auch wenn die ganz junge Zielgruppe ab 16 fast nur auf neuen Kanälen wie Instagram unterwegs ist, beobachtet sie, dass es nicht nur eine Frage des Alters ist, wie offen man gegenüber diesen Medien ist.

    "Das hat sehr viel mit Sozialisation zu tun. Meine Mutter ist auf Instagram, aber die konsumiert natürlich ganz andere Inhalte und hat eine andere Rezeptionshaltung. Aber insgesamt habe ich das Gefühl, das viele Leute Angst haben, Angst vor Veränderung. Die Lösung ist, den Leuten die Angst davor zu nehmen. Über alle Altersgruppen hinweg gibt es spannende Sachen, die man sich über Instagram angucken kann." Duygu Gezen, Formatentwicklerin und Content Strategin bei funk

    Langsam aber trauen sich auch die großen Medienhäuser hier zu experimentieren - funk hat großen Erfolg auf Youtube mit Formaten wie dem Y-Kollektiv oder Deutschland3000, der BR experimentiert sehr erfolgreich mit dem Format News-WG auf Instagram, oder dem Kurt Eisner-Projekt auf WhatsApp. Aber auch traditionelle Medienhäuser wie Spiegel online sind mit Stories auf Snapchat oder Instagram unterwegs. Allen ist gemeinsam: Dass eben nicht nur kurze, kleine Häppchen mit Information oder Unterhaltung funktionieren, sondern sehr wohl auch lange, informative oder emotionale Stories - über das Schreddern von Küken etwa oder über die Krankheit Endometriose oder die Europawahl.

    Formate müssen crossmedial gedacht und angelegt werden

    Allen Online-Formaten ist aber auch gemeinsam, dass die Themen selten crossmedial "mitgedacht", also nicht auch in Radio oder Fernsehen umgesetzt werden. Da muss sich noch viel ändern, meint Duygun Gezen. Germany's Next Topmodel beispielsweise würde alle Ausspielwege mitdenken. Der Social Media-Auftritt sei von vorherein im Konzept angelegt. Alle Models hätten ihre eigenen Kanäle, die in dieses Gesamtkonzept einfließen. Auch beim Community-Management, dem Kontakt mit dem Nutzer, müsse man anders vorgehen als bei klassischen Medien, so die Formatentwicklerin.

    "Mein Eindruck ist, dass viele sehr naiv rangehen und sich denken, wir starten das jetzt. Instagram ist die gehypte Plattform. Da gehen jetzt alle hin und machen sich gar nicht viel Gedanken, was zum Beispiel auch Community Management angeht, wieviel Arbeit das ist. Das ist unglaublich. Selbst bei kleineren Kanälen, man möchte ja auch interagieren mit den Leuten, meine Erfahrung ist, dass das sehr unterschätzt wird." Duygu Gezen, Formatentwicklerin und Content Strategin bei funk