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Was erben adoptierte Kinder? | BR24

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Schätzungsweise mehr als 60.000 Kinder und Jugendliche leben in Heimen, einige würden sich wohl über eine Adoption freuen. allerdings will so ein Schritt gut überlegt sein, denn er hat große Auswirkungen - auch bei adoptierten Erwachsenen.

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Was erben adoptierte Kinder?

Schätzungsweise mehr als 60.000 Kinder und Jugendliche leben in Heimen, einige würden sich wohl über eine Adoption freuen. Allerdings will so ein Schritt gut überlegt sein, denn er hat große Auswirkungen - auch bei Erwachsenen.

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Von
  • Gabriel Wirth
  • BR24 Redaktion

Nicht jeder darf jeden einfach so adoptieren. Das musste vor zwei Jahren auch der Kaffee-Patriarch Albert Darboven erfahren, als er den Erben der Bremer Kaffee-Dynastie Andreas Jacobs adoptieren wollte, um ihn so zu seinem Erben zu machen. Sein leiblicher Sohn war nämlich dagegen, zog vor Gericht und bekam Recht. Der Patriarch gab daraufhin im vergangenen Jahr seinen Plan auf.

Adoption soll kein Steuersparmodell sein

Über die Gründe der Ablehnung schwieg das zuständige Amtsgericht in Blankenese zwar, aber es könnte daran gelegen haben, dass man Zweifel an den Absichten des Kaffeerösters hatte. Adoptionen sind nämlich an gewisse Regeln gebunden.

Wenn dabei zum Beispiel Erbschaftssteuern gespart werden sollen, da Adoptierte einen Freibetrag von 400.000 Euro haben, ist das kein zulässiger Grund, sagt der Münchner Erbrechtsspezialist Anton Steiner: Denn das Gericht prüfe, ob ein Eltern-Kind-ähnliches Verhältnis besteht oder zumindest entstehen kann.

Erwachsenenadoption: Plötzlich vier Eltern

Wenn sich die alleinstehende Patentante danach sehne, auch juristisch gesehen ein Kind zu haben, und deshalb ein erwachsenes Patenkind adoptiert, bleiben die gesetzlichen Verbindungen zu den leiblichen Eltern bestehen. Mit zum Teil gravierenden Folgen, so Erbrechtsspezialist Steiner: Wer als Erwachsener adoptiert werde, bekomme neue Eltern und behalte gleichzeitig seine leiblichen Eltern, sofern sie noch leben. Der Adoptierte habe also vier Eltern, zu denen er sowohl erbschaftsberechtigt sei als auch unterhaltshaltspflichtig.

Auch die verwandtschaftlichen Verbindungen zu den leiblichen Geschwistern bleiben bestehen, etwaige Kinder der Adoptiveltern werden jedoch rechtlich keine Geschwister des erwachsen Adoptierten.

Minderjährigenadoption: Keine juristische Verbindung mehr zu leiblichen Eltern

Anders ist dies bei minderjährigen Adoptierten: Hier wird die juristische Verbindung zu den leiblichen Eltern gekappt. Denn es sei ja gerade das Ziel des Gesetzgebers, dass das adoptierte Kind in die neue Familie eingegliedert wird, so Steiner.

Also bestünden zu den leiblichen Eltern nach einer Adoption weder Unterhaltspflichten noch erbrechtliche Beziehungen. Das Kind erbt von den leiblichen Eltern also nur etwas, wenn diese ihr Kind extra im Testament bedenken. Allerdings wird das leibliche Kind dann wie ein fremdes behandelt, d.h. es gilt nur ein Freibetrag von 20.000 Euro und die schlechteste Steuerklasse.

Dafür hat ein minderjährig adoptiertes Kind möglicherweise auch neue Brüder und Schwestern und damit das gleiche Erbrecht wie sie.

Adoption nicht rückgängig zu machen

Eine Adoption sollte auf jeden Fall gut überlegt sein, rät Anton Steiner, der auch Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht ist. Eine Adoption sei nicht rückgängig zu machen - nur unter extremen Voraussetzungen, wenn die Adoption beispielsweise unter Zwang zustande kam. Falls Kind und Adoptiveltern sich unrettbar zerstreiten, können die Adoptiveltern ihr adoptiertes Kind nur noch enterben, wobei aber der Anspruch auf den Pflichtteil bestehen bleibt.

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