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Was bringt die Brückenteilzeit wirklich? | BR24

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Eltern können ab dem nächsten Jahr leichter von Teilzeit in Vollzeit wechseln. Der Bundestag brachte das sogenannte Brückenteilzeitgesetz auf den Weg. Vor allem Frauen profitieren von den Neuregelung. Es gibt aber auch Kritik.

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Was bringt die Brückenteilzeit wirklich?

Die Brückenteilzeit soll vor allem Frauen aus der Teilzeitfalle helfen. Die SPD hat lange dafür gekämpft. Doch das Gesetz sieht Ausnahmen vor. Kritiker sagen, dass viele deshalb gar nicht davon profitieren.

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Die Teilzeitfalle - das ist das Stichwort, um das sich die Experten streiten. Die Wirtschaft nämlich will davon nichts hören. Oder wie es Roland Wolf von der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände formuliert: „Die sogenannte Teilzeitfalle, wie sie von einigen behauptet wird, die gibt es nicht.“

Viele stecken in der Teilzeitfalle

Bei einem solchen Satz werden nicht nur Gewerkschaftsmitglieder unruhig, sondern auch Statistiker. Eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag vom Sommer belegt die Teilzeitfalle in Zahlen: Zehneinhalb Millionen Menschen in Deutschland arbeiten in Teilzeit. Und allein in Ostdeutschland sagt jeder vierte Teilzeitbeschäftigte: Ich arbeite unfreiwillig in Teilzeit, es geht aber nicht anders in meinem Betrieb.

Brückenteilzeit sieht viele Ausnahmen vor

Und ihnen soll jetzt also die Brückenteilzeit helfen. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, dass Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit für einen im Voraus zu bestimmenden Zeitraum von einem Jahr bis zu fünf Jahren verringern und dann in die ursprünglich vereinbarte Arbeitszeit zurückkehren können. Professorin Heide Pfarr ist trotzdem skeptisch. Die Arbeitsrechtlerin sollte Anfang der Woche im Ausschuss des Bundestags schildern, was sie vom Gesetz zur Brückenteilzeit hält.

Pfarrs Hauptproblem: Es sind zu viele Menschen davon ausgeschlossen. Unter anderem die, die heute schon Teilzeit arbeiten. „Dabei ist selbst die Bemerkung 'Rückkehrrecht' ja schon völlig fehl am Platze. Denn es gibt ja sehr viele Beschäftigte, die von Anfang an nur einen Teilzeitarbeitsplatz hatten. Worauf sollen die denn zurückkehren außer in die Erwerbslosigkeit?“, kritisiert die Arbeitsrechtlerin.

Anspruch erst bei Betrieben ab 45 Mitarbeitern

Aber auch wer künftig seine Arbeitszeit reduzieren will, steht vor einigen Hürden. Das Gesetz gilt grundsätzlich erst für Betriebe ab 45 Mitarbeitern - und hier auch nur eingeschränkt. Uneingeschränkten Anspruch gibt es in Unternehmen ab 200 Beschäftigten. Das Problem gerade für Frauen in Niedriglohnjobs ist, dass sie oftmals nicht in so großen Firmen arbeiten.

Über 14 Millionen Menschen arbeiten in einem Betrieb mit weniger als 45 Beschäftigten. Auch das ist in der Anfrage der linken Bundestagsabgeordneten Susanne Ferschl nachzulesen. Die Bundestagsabgeordnete aus Bayern kritisiert: „Über 14 Millionen Menschen haben nichts von der Brückenteilzeit. 70 Prozent der erwerbstätigen Mütter haben nichts von dem Gesetz und sind gezwungen, weiterhin familienbedingt ihre Arbeitszeit zu reduzieren.“

Arbeitgeber sehen nur Nachteile

Während die eine Seite beklagt, dass viele Menschen gar nichts von der Brückenteilzeit haben werden, der DGB noch dazu fordert, dass das Gesetz auch in kleinen Betrieben gelten müsste, laufen auf der anderen Seite die Arbeitgeber Sturm. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander sieht nur Nachteile für Unternehmen: „Kurze Ankündigungsfrist, nach einem Jahr ist der Antrag wieder stellbar. Man kann sagen, wie lange man wegbleibt. Und der Arbeitgeber muss an vielen Stellen immer sofort sagen: Ich versuche jetzt jemanden zu überzeugen, für diese paar Stunden, die ausfallen, jemanden zu finden.“

Unternehmen können betriebliche Gründe anführen

Dabei dürfen die Unternehmen laut Gesetzentwurf immer betriebliche Gründe anführen, wenn sie einem Arbeitnehmer den Antrag nicht gewähren. Der Beschäftigte könnte klagen, aber wer macht das? Und noch ein Problem gibt es laut der Geschäftsführerin des Interessennetzwerks „Die Führungskräfte“ Diana Nier. Ganz gleich, ob es in der Bäckerei, dem Metallbetrieb, oder im Start-Up ist: „Man darf nicht verkennen, dass es auch eine bestimmte Dunkelziffer gibt, die sich gar nicht erst trauen, einen Antrag auf Teilzeit zu stellen.“ Diana Nier sagt, immerhin das könnte der Gesetzentwurf ändern.