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Was blieb von den Zeitschriften der DDR? | BR24

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Die Wendezeit war eine turbulente Zeit auch für die Medien in der ehemaligen DDR. Aus dem Monopol einer Partei wurden regionale Monopole der bundesdeutschen Konzerne. Die Chance zur Etablierung einer eigenständigen Medienlandschaft wurde vertan.

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Was blieb von den Zeitschriften der DDR?

Die Wendezeit war eine turbulente Zeit auch für die Medien in der ehemaligen DDR. Aus dem Monopol einer Partei wurden regionale Monopole der bundesdeutschen Konzerne. Die Chance zur Etablierung einer eigenständigen Medienlandschaft wurde vertan.

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Als die Mauer fiel, dauerte es nicht lange, bis auch die bundesdeutschen Zeitschriftenverlage ihre Chance erkannten. Anders als bei den Tageszeitungen ging es ihnen weniger um die Übernahme der Ost-Magazine, erklärt Christoph Links, einer der ersten unabhängigen Verleger in der DDR: "Zunächst ging es darum, neue Leser im Osten zu binden für die Westangebote, weshalb viele der großen Medienkonzerne schon im Frühjahr 1990, also lange vor der Währungsunion, ihre Produkte im Osten verkauft haben, und zwar 1:1 für DDR-Mark. Das war ein Verlustgeschäft, aber das war eine frühzeitige Leserbindungsaktion."

Westdeutsche Verlage teilen sich Gebiet auf

Springer, Burda, Bauer sowie Gruner+Jahr teilten das Verbreitungsgebiet von Rostock bis Zwickau flugs unter sich auf, errichteten einen eigenen Pressevertrieb und überschwemmten den Markt mit ihren Boulevardtiteln und Hochglanzmagazinen. Kommunikationswissenschaftlerin Mandy Tröger urteilt in ihrer Studie "Pressefrühling und Profit": "Das Vertriebssystem wird immer rausgelassen, wenn man über die Transformation des Pressemarktes und des Zeitschriftenmarktes redet, dabei war es der Schlüssel. Es war die Hintertür, wie die ganze Transformation passiert ist. Und da hat die Lobbyarbeit von zum Beispiel Gruner + Jahr im November 89, Springer dann ab Dezember, schon ganz früh angesetzt."

Zwar gab es dafür keine Rechtsgrundlage, aber der Markt im Frühjahr 1990 war offen und unkontrolliert. Gegen die Wucht, mit der die Westverlage auf dem ostdeutschen Markt expandierten, war das veraltete Vertriebssystem der DDR-Post hoffnungslos unterlegen. Im Mai 1990 klagte DDR-Medienminister Gottfried Müller, Mitglied im Kabinett von Lothar de Maizière:

"Es ist wohl wirklich nicht ganz selten so, dass an Kiosken, die Pakete mit den grauen DDR-Produkten gar nicht mehr ausgepackt werden, weil man ja auch allen Platz zur Präsentation der bunten Westtitel braucht." Gottfried Müller, DDR-Medienminister

Ostdeutsche Verlage wurden zahlungsunfähig

Horst Röper, Leiter des Dortmunder Medienforschungsinstituts "Formatt", erklärt das Interesse so: "Damals ist es an vielen Stellen auch außerhalb des Medienbereichs ja so gelaufen, dass ein Teil der DDR-Bürger sich nur noch für westdeutsche Produkte interessierte. Das galt auch im Zeitschriftenmarkt." Nach der Währungsunion wurde ein Großteil der ostdeutschen Verlage schnell zahlungsunfähig. Die meisten wurden mitsamt ihren Produkten abgewickelt. Einige wenige fanden westdeutsche Eigentümer so Röper: "Die aber ein großes Interesse daran hatten, ihre eigenen Produkte im Markt zu lancieren, dann eben auch im neuen Verbreitungsgebiet Ostdeutschland, und weniger daran interessiert waren, die alten Titel zu erhalten, die ja mit ihren alten Westprodukten hätten konkurrieren müssen.“

Zu wenig ostdeutsche Journalisten in Redaktionen

Das Filetstück der DDR-Hauptstadtmedien war seinerzeit der Berliner Verlag, mit der Berliner Zeitung und einem Dutzend populärer Zeitschriften. Dazu zählten unter anderem der Frauentitel "Für Dich", die Fernsehzeitschrift "ff dabei" und die "Wochenpost". Nach ein paar halbherzigen Reanimierungsversuchen wurden sie vom neuen Eigner Gruner + Jahr allesamt eingestellt. Nur eine Handvoll der 543 in der DDR lizenzierten Zeitschriften überlebte: zum Beispiel das Satireblatt "Eulenspiegel", das einst für seine freizügigen Erotikfotos bekannte "Magazin" und das Verbrauchermagazin "Guter Rat".

Auf wenig Resonanz stießen in den neuen Ländern zunächst westliche Flaggschiffe wie "Stern", "Spiegel" oder "Bunte". Das hing auch mit der geringen Präsenz ostdeutscher Journalisten in den dortigen Redaktionen zusammen, so der Verleger Christoph Links: "Das waren ein, zwei Kollegen, und die Themen über den Osten wurden aus der Perspektive der mehrheitlich im Westen lebenden Leser aufbereitet, und so klang's dann oft auch. Sodass sich viele Ostler da nicht wiedergefunden haben und dann auch dem Blatt oder dem einen oder anderen neuen Angebot wieder den Rücken gekehrt haben."

"Superillu" erfolgreich

Nur die ZEIT versucht aktuell, mit ihrer wöchentlichen Beilage "Zeit im Osten" ein wenig gegenzuhalten. Einzige erfolgreiche Zeitschriften-Neugründung mit einer Verkaufsauflage von einer knappen Viertelmillion Exemplaren ist das Wochenblatt "Superillu", ein Digest mit hohem Ost-Nostalgiekonzentrat aus dem Hause Burda.

Selbst der stellvertretende "Stern"-Chefredakteur Hans-Ulrich Jörges fand von Anfang an: "Dass sie einen besonderen Ton trifft, nämlich den Ton und den kulturellen Horizont ausmisst, den die Ostdeutschen haben. Das sage ich jetzt ohne Häme, sondern ganz ernst gemeint. Die Zeitschrift hat dort eine Funktion und sie findet ihre Leserschaft. Und das zeigt uns als westdeutschen Medien immer wieder, warum wir umgekehrt auch Ostdeutsche nicht erreichen."