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Abbrechendes Eis am Perito Moreno-Gletscher in Argentinien
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Autoren

Björn Dake
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Abbrechendes Eis am Perito Moreno-Gletscher in Argentinien

Im aktuellen ARD-Deutschlandtrend sagen fast 90 Prozent der Befragten, dass ihnen die Klimapolitik wichtig ist. Wichtiger als bezahlbares Wohnen oder die Flüchtlingspolitik. In unserem Alltag sieht es oft anders aus. Der Kaffee: aus dem Pappbecher. Der Urlaub: im Flugzeug. Das Mittagessen: Rindfleisch aus Argentinien. Für Umweltpsychologin Ellen Matthies ist das kein Widerspruch.

"Das macht man sich häufig nicht klar: Dass wir nicht absichtlich die Umwelt belasten, sondern dass wir ganz viele Ziele verfolgen in unserem Alltag. Diese Ziele sind am einfachsten zu erreichen, wenn wir die umweltschädliche Variante wählen."

Angst vor Veränderung

Matthies ist Professorin an der Universität Magdeburg. Sie berät die Bundesregierung wenn es um globale Umweltveränderungen geht. Für sie ist klar: Der Mensch ist träge – und er hat Angst vor Veränderung.

"Menschen sind so gestrickt, dass sie vorsichtig sind. Dass sie Risiken stärker bewerten als die Chancen, dass sie den Status-Quo höher bewerten als etwas Neues. Sie orientieren sich an dem, was alle anderen machen und ziehen daraus Sicherheit. Menschen sind leicht zu blockieren."

Beispiele und politische Signale helfen

Gefragt seien positive Beispiele und starke politische Signale. Zum Beispiel bei der Wärmedämmung. Wer sein Haus renoviert, müsse klar sehen, dass sich das auszahlt – nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell.
Solche starken Signale vermisst Matthies aktuell in der Klimapolitik. Weiter Braunkohle abzubauen, signalisiere den Menschen zum Beispiel: So schlimm kann es um das Klima ja nicht stehen.

Grüne sehen Politik in der Pflicht

Eine mutigere Klimapolitik wünscht sich auch Katrin Göring-Eckardt, die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag.

"Ich möchte, dass sich das System ändert und dass die Verbraucher es leicht haben. Dass die nicht jeden Tag darüber nachdenken müssen, das Kleingedruckte auf den Lebensmitteln zu lesen und sich mit alldem zu beschäftigen. Das ist der Job der Politik."

Dass sich Verbraucher durch die Politik bevormundet fühlen könnten, befürchtet Göring-Eckardt nicht. Ob der Strohhalm zum Trinken aus Plastik sei oder aus Papier, sei den meisten Menschen egal.

Umdenken durch Hitzewelle

Wie die Politik für mehr Klimaschutz sorgen kann, ist der Job von Brigitte Knopf. Sie ist Generalsekretärin beim Klimainstitut MCC und berät Politiker und Ministeriumsbeamte. Sie findet, die Politik hat den Verbrauchern das Verdrängen zu lange zu einfach gemacht. Aber das ändere sich gerade.

"Bisher hatte der Klimawandel irgendwas mit Dürre in Afrika zu tun. Ich glaube, wir merken jetzt, der Klimawandel kommt langsam nach Deutschland. Und nun kommt es darauf an, das nicht als großes, unbezwingbares Monster darzustellen. Sondern konkrete Schritte zu zeigen, wo Veränderung stattfinden kann."

Langer Atem gefragt

Zum Beispiel beim Fliegen. Momentan könne ein Passagier nicht sehen, was es koste, CO2 auszustoßen. Eine Steuer könnte das ändern. Doch Knopf weiß auch: Die Angst vor Veränderung macht das nicht leichter.

"Es ist halt einfach ein sehr, sehr dickes Brett, das wir bohren müssen. Deshalb ist es wichtig, nicht vor diesem riesigen Berg stehen zu bleiben und zu sagen: Naja, da müssen wir an so vielen Stellen anpacken, dann können wir es auch gleich bleiben lassen. Sondern eher, dass man sich zwei, drei Punkte sucht und sagt: Da müssen wir jetzt ran."

Und so hofft Knopf, dass die Hitzewelle nicht träge macht. Sondern dazu animiert, das Klima stärker zu schützen.