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Kommentar: Warum Merz falsch liegt | BR24

© ARD-Hauptstadtstudio/Jens Müller

Warum Merz falsch liegt

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    Kommentar: Warum Merz falsch liegt

    Friedrich Merz irrt. Er sieht seine CDU vor einer "Richtungsentscheidung". Genau darum wäre er der falsche Vorsitzende, meint Achim Wendler.

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    Ein Tipp für ehrgeizige Hinterbänkler: Sagen Sie ein paarmal "Richtungswechsel", schon winkt der Parteivorsitz! Friedrich Merz macht das sehr geschickt. Die Christdemokraten sollten sich aber genauer anschauen, was Merz mit ihnen vorhat. Er will die CDU auf Rechtskurs trimmen, um AfD-Wähler zurückzuholen. Sein Argument: So viele Grüne könne man gar nicht verlieren, wie man auf der anderen Seite gewinnen könne. Was für ein Irrtum!

    Verluste nach links wie rechts

    Die Union hat bei der jüngsten Bundestagswahl eine Million Wähler an die AfD verloren. Bei der Europawahl verlor sie eine Million an die Grünen. So einfach, wie Merz es gern hätte, ist die Sache also nicht.

    Kein Richtungsproblem!

    Was der CDU fehlt, ist Wirkung in der Breite. Sie muss beide Wählergruppen ansprechen, die der AfD und der Grünen. Dafür muss sie flüchtlingspolitisch ebenso überzeugen wie klimapolitisch. Beides hat die CDU-Spitze lange versäumt. Das war kurzsichtig, es sind die Verschleißerscheinungen am Sensorium eines ermüdenden Machtapparats. Was darin gewiss nicht zum Ausdruck kommt, ist ein Richtungsproblem. Im Gegenteil, wer jetzt das Steuer nach rechts reißt, wird die Partei endgültig ins Schlingern bringen.

    Volkspartei oder nicht?

    Erfolgreich sein wird nur ein CDU-Chef, der nicht von vornherein alles links der Mitte abschreibt. Denn die klassische Mitte schrumpft, und mit ihr das klassische Potenzial der CDU. Der neue Chef muss über die alten Zielgruppengrenzen hinaus wirken, also auch rein in die großstädtischen Milieus, die Milieus der Globalisierungsgewinner. Friedrich Merz strebt das nicht an. Er versucht ja nicht einmal, skeptische Parteifreunde zu begeistern. Die CDU hat die Wahl: Volkspartei oder nicht. Darum geht es. Noch muss sie den Anspruch nicht aufgeben.