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Warum KKR bei Springer einsteigen will | BR24

© picture alliance/ZUMA Press

Für seinen Expansionskurs will Springer-Chef Mathias Döpfner KKR ins Boot holen.

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    Warum KKR bei Springer einsteigen will

    Springer-Chef Mathias Döpfner will international mitmischen. Dazu braucht das Verlagshaus Geld für Investitionen. Die will man sich beim Finanzinvestor KKR holen. Nicht alle finden das gut.

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    Mathias Döpfner ist ziemlich konsequent dabei, aus dem einst klassischen Springer-Verlag ein digitales Medienhaus zu machen. Das funktioniert in seinen Augen nur, wenn Springer mit seinen Anzeigen-Portalen und digitalen Nachrichtenangeboten nicht nur in Deutschland, sondern weltweit unterwegs ist. Dafür muss er Geld in die Hand nehmen. Das hat er sich durch den Verkauf von Anteilen an der Börse geholt, aber die Aktionäre wollen dafür jetzt mehr Dividende sehen. Das würde bedeuten, weniger in neue Geschäftsfelder zu investieren, was Döpfners Strategie zuwiderliefe. Daraus machte er auf der jüngsten Bilanzpressekonferenz keinen Hehl. Denn obwohl er gute Zahlen präsentierte, war die Börse nicht zufrieden, der Aktienkurs im Minus.

    Döpfner will international massiv investieren

    Für seinen Expansionskurs will Döpfner KKR (Kohlberg Kravis Roberts & Co.) ins Boot holen. KKR ist eine Beteiligungsgesellschaft aus New York, die selbst an der Börse ist; sie verwaltet weltweit ein Vermögen von knapp 150 Milliarden US-Dollar, ist also ein Schwergewicht. KKR investiert in Unternehmen mit der Strategie, ausreichend Anteile zu halten, um mitreden zu können.

    Jetzt hat KKR angekündigt, bei Springer einzusteigen, mit mindestens 20 Prozent. Schon diese Ankündigung hat den Aktienkurs nach oben getrieben, KKR legt als Angebot an die Aktionäre noch was drauf und bietet 63 Euro pro Aktie. Danach soll das Unternehmen von der Börse genommen werden.

    In einer Telefonkonferenz mit Journalisten hieß es kürzlich, dass KKR langfristig investieren wolle und dem Medienkonzern fünf, womöglich sogar acht Jahre Zeit geben werde. Dann allerdings will man Gewinne sehen. Döpfner begrüßt das, er hätte weiteres Spielgeld um zu investieren, aber weniger Druck, sofort Gewinne liefern zu müssen. KKR wolle, dass Springer investiert und daraus Gewinne schöpft.

    KKR kauft Mediengeschäfte in Deutschland

    Wie das funktioniert, hatte KKR bei der ProSiebenSAT.1 Media AG vorgemacht. Von 2006 bis 2014 hatte sich das Unternehmen gemeinsam mit dem Investor Permira bei der Sendergruppe in Unterföhring engagiert, dann verabschiedete man sich mit einem Gewinn von gut einer halben Milliarde Euro.

    Derzeit ist KKR erneut in Deutschland auf Einkaufstour: Anfang dieses Jahres hat man Günther Jauchs Produktionsfirma "I&U" übernommen, die u.a. "Stern TV" produziert, außerdem die Tele München Gruppe, die reichlich Programmvermögen hat in Form von Rechten an Spielfilmen und Serien. Auch Springer ist mit "Welt TV", früher N24, im Fernsehgeschäft engagiert. Da ist einiges in Bewegung, der deutsche Markt ist interessant, hat aber keine großen, internationalen Player.

    Bleibt Springer ein journalistisches Unternehmen?

    Der Vorstandsvorsitzende Döpfner hat den Konzern schon massiv umgebaut, das Digitalgeschäft mit Job-, Immobilien- und Auto-Portalen vorangetrieben. Print spielt keine große Rolle mehr, von seinen Regionalzeitungen und Zeitschriften hat sich das Verlagshaus getrennt. Allein die Fahnen von "Bild" und "Welt" – letztere dauerhaft defizitär – werden hoch gehalten. Aber auch hier geht es inzwischen vor allem um digitale Abos – mehr als eine halbe Million für beide Zeitungen zusammen wurden im März vermeldet.

    Die Mitarbeiter in den Redaktionen machen sich angesichts des bevorstehenden Einstiegs von KKR Sorgen um ihre Arbeitsplätze. Döpfner hält zwar in Reden, z.B. als Präsident des Verlegerverbandes BDZV, den Journalismus hoch. Dabei geht es ihm vor allem um digitale Medien und gleichzeitig werden nicht-journalistische Geschäftsfelder im einstigen Zeitungskonzern immer wichtiger.