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Warum Israel so schnell impfen kann | BR24

© pa / dpa

Corona-Impfung in Jerusalem

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    Warum Israel so schnell impfen kann

    Während in Deutschland darüber diskutiert wird, warum die Impfkampagne gegen das Coronavirus so schleppend verläuft, hat in Israel schon jeder fünfte Einwohner beide Impfdosen erhalten. Wie machen die Israelis das? Die Antwort ist vielschichtig.

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    Von
    • Tim Aßmann

    Immer abends ist die Gelegenheit günstig. Dann stellen sich vor Israels Impfzentren diejenigen in die Schlange, deren Altersgruppe eigentlich noch nicht dran wäre. Sie hoffen auf angebrochene Bestände, die noch schnell weggeimpft werden müssen, bevor die Zentren zumachen. Häufig geht die Rechnung auf.

    Die Kampagne läuft im Rekordtempo

    Israel impft die Bevölkerung im Rekordtempo durch. Aktuell können sich alle impfen lassen, die 35 oder älter sind. 16-18-Jährige werden vorgezogen, damit sie schnell wieder in die Schule können. Bis zu 230.000 Menschen pro Tag bekommen entweder Dosis 1 oder 2. Mittlerweile haben 20 Prozent der neun Millionen Einwohner schon beide Impfungen erhalten. Die Nachfrage ist hoch, erzählt Sigal Dadon Levi von der Maccabi-Krankenkasse.

    "Noch nie hat es in Israel eine vergleichbare Impfkampagne gegeben. Beim ersten Termin vergeben wir auch gleich den zweiten. Die erste Impfung erfolgt dann sofort und die zweite nach 21 Tagen. Das sind die Vorgaben und wir schaffen es, sie einzuhalten." Sigal Dadon Levi, Maccabi-Krankenkasse

    Gesundheitssystem ist weitgehend digitalisiert

    Jeder Israeli ist bei einer der vier gesetzlichen Krankenkassen versichert. Sie verfügen über eigene Kliniken und medizinisches Personal und stellen nun, unterstützt unter Anderem von Reservisten der Armee, die Infrastruktur beim Massen-Impfen. Das Gesundheitssystem ist weitgehend digitalisiert. Das erleichtert Organisation und Durchführung. Den ersten Termin macht man online oder man geht einfach hin und der zweite Termin kommt dann per SMS.

    Ein ganz besonderer Deal

    Entscheidend aber ist natürlich der Impfstoff-Nachschub. Der kommt von Moderna, aber vor allem von Biontech-Pfizer. Israel übernimmt die Haftung bei der Impfkampagne und zahlt Medienberichten zufolge einen höheren Preis pro Impfdosis als die EU oder die USA. Dass Pfizer beständig nachliefert, liegt aber nach Darstellung der israelischen Regierung vor allem an einem besonderen Deal, den Premier Benjamin Netanjahu persönlich ausgehandelt hat, wie er sagt:

    "Man braucht persönliche Führungsstärke, aber unser Alleinstellungsmerkmal war, dass Israel als Testlabor für die Welt dienen kann, weil hier Herdenimmunität oder etwas, was ihr sehr nahe kommt, schnell erreicht werden können." Benjamin Netanjahu, israelischer Premier

    Wertvolle Daten für die Hersteller

    Israel stellt Pfizer die anonymisierten Gesundheitsdaten zur Impfkampagne und zum Pandemie-Verlauf im Land zur Verfügung. Im Gegenzug liefert Pfizer Impfstoff. Für das Unternehmen seien die Daten von großem Wert, erzählt Israels Gesundheitsminister Yuli Edelstein.

    "Pfizer wird sehen können welche Auswirkungen das Impfen hat – auf die Verbreitung des Virus, die Möglichkeit das öffentliche Leben und die Wirtschaft zu öffnen, auf das soziale Leben und auch ob es Nebenwirkungen gibt." Yuli Edelstein, israelischer Gesundheitsminister

    Geimpfte sollen Vorzüge genießen

    Impfskeptiker gibt es auch in Israel. Sie sollen mit Vorzügen motiviert werden. Für alle, die geimpft sind, plant die Regierung die Einführung eines sogenannten grünen Ausweises, mit dem dann zum Beispiel Reisen ohne Quarantäne-Pflicht nach der Rückkehr möglich sein soll.

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