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Ralf und Georg Nemetschek

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Warum gründen reiche Familien Stiftungen?

Viele Unternehmer haben es zu großem Reichtum geschafft. Doch wohin mit dem Geld, wenn man keine Erben hat, oder nichts vererben will? Gutes tun, sich ein persönliches Denkmal setzen und zum Beispiel eine Stiftung gründen. Von Reinhard Weber.

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Wir besuchen die Nemetschek-Stiftung in München, sie will politische Bildung fördern. Eine trockene Materie, doch die Stiftung macht das mit Pfiff. Gründervater der Familienstiftung ist Georg Nemetschek (81) ebenso umtriebiger wie erfolgreicher Unternehmer, für sein Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er ist Aufsichtsratsmitglied und Gründer der börsennotierten Nemetschek AG, die bereits in den 80er Jahren als Vorreiter Computer-Programme für Architekten zum Hausbau entwickelt hat und heute komplexe 3D-Software vertreibt. Gemeinsam mit Sohn Ralf hat Nemetschek 2007 seine Stiftung in München ins Leben gerufen und dafür 1,25 Millionen Euro Privatkapital investiert.

Das Motiv

Prof. Georg Nemetschek hat eine Mission.

"Ich bin in eine schreckliche Diktatur des Dritten Reiches hineingeboren worden, habe aber dann in Bayern in einem demokratischen Umfeld mein Leben aufbauen können frei, meine Lebensziele stecken, meine Lebensziele erreichen. Diese Demokratie zu schützen, zu stärken, zu fördern, ist der Zweck der Stiftung." Georg Nemetschek

Sein Sohn Ralf Nemetschek, Vorstand der Stiftung, meint:

"An sich ist es genauso, als wenn ich jetzt einen großen Geldbetrag nehmen würde und an Greenpeace oder Amnestie spenden würde, nur da habe ich natürlich weniger Einfluss drauf, was die machen." Ralf Nemetschek

Dient es nicht vielleicht auch als persönliches Denkmal? Georg Nemetschek kontert:

"Nein, dieses Denkmal habe ich mir eigentlich, wenn überhaupt, durch das Unternehmen gesetzt." Georg Nemetschek

Die Taten

Den Nemtschecks ist es wichtig, die Geschicke selbst in die Hand zu nehmen, eben das zu fördern, was sie für sinnvoll halten. Das fünfköpfige Stiftungsteam organisiert zum Beispiel eine Wanderausstellung zum Thema Freiheitsrechte oder veranstaltet Diskussionsrunden zu aktuellen politischen Themen. Traut sich aber auch auf ganz neue Wege. Seit einem halben Jahr bietet die Stiftung das inzwischen mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Handyspiel "Utopolis - Aufbruch der Tiere" kostenlos als App zum Download an. 

Der Spieler schlüpft in einen Tiercharakter und formt gemeinsam mit anderen eine Gesellschaft mit eigenen Gesetzen. Demokratie soll erlebbar gemacht werden. Das Spiel eignet sich auch für Schulklassen und Jugendgruppen. Utopolis ist ein wagemutiges Experiment. Ralf Nemetschek, der Vorstand der Nemetschek-Stiftung, gibt sich selbstbewusst:

"Wenn wir nicht dran glauben würden, hätten wir es nicht gemacht. Ich glaube, man muss bei der politischen Bildung immer wieder neue Wege gehen, weil allein der Begriff politische Bildung, der schreckt erst mal alle ab." Ralf Nemetschek

Neuste Idee: ein Dokumentarfilm mit dem Titel "Immer dienstags um Fünf". Er begleitete ein interaktives Projekt der Stiftung, das sich mit dem demografischen Wandel auseinandergesetzt hat. Immer dienstags haben sich Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen und Kulturen getroffen, um die jeweils anderen Lebenswelten kennen zu lernen.

Die bayerische Stiftungskultur

Ob Unternehmen oder Privatpersonen, stiften ist modern geworden. Ganz unterschiedliche Bereiche werden gefördert, die Siemens-Stiftung engagiert sich zum Beispiel in Afrika, die Burdastiftung klärt über Darmkrebs auf. Ernst Prost, der Chef von Liqui Moly Öl, will in Not geratenen Menschen helfen, vor allem Straßenkindern. Der Chef des Heizkesselimperiums Vießmann fördert Wissenschaft und Kultur. Oder die Stiftung des verstorbenen Flugingenieurs Willi Messerschmidt widmet sich der Denkmalpflege.

Die Zahl der Stiftungen stieg in den vergangenen Jahren auf jetzt Deutschland weit 20.800.
Bayern liegt unter den Bundesländern mit knapp 3.800 Stiftungen auf Platz zwei. Und Würzburg hat sogar die höchste Stiftungsdichte pro Einwohner in ganz Deutschland. Insgesamt verwalten alle deutschen Stiftungen geschätzt ein Vermögen von rund 100 Milliarden Euro.

Der Hintergedanke

Nicht immer ganz uneigennützig. Wir besuchen den Anwalt und Autor Johannes Fiala, der sich mit Geldanlagen für Stifter auseinandersetzt. Denn neben dem Gemeinnutzen gibt es meist auch steuerliche Aspekte, so Fiala.

"Die deutsche gemeinnützige Stiftung ist ein typisches Steuersparmodell, pro Ehegatte können bis zu einer Million Euro von der Steuer wie Sonderausgaben abgesetzt werden, die eine Millionen können Sie auch beliebig auf 10 Jahre verteilen. Das hat natürlich überhaupt nichts mit der kriminellen Steuervermeidungstiftung aus Lichtenstein zu tun in welcher Sie dann ihr Schwarzgeld horten für sich selbst und die nächsten Generationen." Johannes Fiala

Die Zinsklemme

Die Nemetschek-Stiftung finanziert all ihre Projekte aus den laufenden Kapitalerträgen des Stiftungsvermögens. Das bleibt unangetastet und muss konservativ angelegt werden, so gibt es das Stiftungsrecht vor. Nicht leicht bei den derzeit niedrigen Zinsen, meint Ralf Nemetschek, der Vorstand der Nemetschek-Stiftung.

"Sie können sich selber ausrechnen, für 0,1%, wenn sie ein Stiftungskapital von 1,25 Millionen Euro haben, da bleibt nicht viel übrig. Wir lösen das Problem einfach dadurch, indem wir von der Familie immer neues frisches Geld in die Stiftung einfließen lassen." Ralf Nemetschek

Die ehrlichen Stifter jedenfalls dienen dem Gemeinwohl.

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Ralf Nemetschek

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Die Nemetschek-Stiftung

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Georg Nemetschek

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Stiftungsschild

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Stiftungsband

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