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Frankreich kommt nicht los vom Atomstrom | BR24

© dpa-Bildunfk/Jean-Francois Badias

Blick durch ein Sicherheitszaun auf das Atomkraftwerk Fessenheim. Das betriebsälteste Atomkraftwerk Frankreichs wird endgültig abgeschaltet.

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    Frankreich kommt nicht los vom Atomstrom

    Frankreich erzeugt seinen Strom überwiegend in Atomkraftwerken. Wind und Sonne kommen gerade mal auf zehn Prozent - obwohl die natürlichen Voraussetzungen dafür sehr günstig wären. Warum in Frankreich die Energiewende stockt? Ein Hintergrund.

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    Auf der deutschen Seite des Rheins feiern die Atomkraftgegner, auf der französischen Seite schimpfen die Einwohner der elsässischen Gemeinde Fessenheim sarkastisch über ihre deutschen Nachbarn: "Danke an die deutschen Ökos!" heißt es da. "Jetzt werden wir auch Kohlekraftwerke bekommen wie in Deutschland!" So unterschiedlich die Abschaltung des AKW Fessenheim wahrgenommen wird, so unklar scheint aktuell auch eine grenzübergreifende europäische Energiepolitik zu sein.

    Frankreich: Nur noch 50 Prozent Atomstrom bis 2035

    Das französische AKW Fessenheim ging jetzt vom Netz, nachdem immer wieder Bedenken über die Sicherheit geäußert wurden aus der Schweiz sowie eben auch aus Deutschland. In dem Kraftwerk sind häufiger Störfälle aufgetreten, außerdem herrscht am Oberrhein ein Erdbeben- und Überschwemmungsrisiko. Das Aus in Fessenheim wurde in Paris beschlossen, wo die Regierung sich ein Ziel gesetzt hat: Bis zum Jahr 2035 soll Frankreich nur noch die Hälfte seines Energiebedarfs mit Atomstrom decken. Im Moment sind es gut 70 Prozent.

    Wind- und Solaranlagen weniger gefördert als in Deutschland

    In Frankreich sind nach dem Aus für Fessenheim noch 56 Atomkraftwerke in Betrieb. Wind und Sonne haben einen Anteil von unter 10 Prozent im französischen Energiemix. Zum Vergleich: Deutschland deckt rund 35 Prozent seines Energiebedarfs mit Sonne und Wind. Dieses Ungleichgewicht sollte sich jetzt zwar ändern, aber sind die Voraussetzungen dafür auch gegeben? Bei der Windkraft scheint das nicht der Fall zu sein: Zwar gibt es an der französischen Atlantikküste viel Wind und damit gute Voraussetzungen für Windkraftanlagen.

    Doch die Genehmigung solcher Anlagen kann in Frankreich bis zu neun Jahre dauern. Das ist doppelt so lange wie in Deutschland. Es gibt auch finanzielle Anreize für die Errichtung von Wind- und Solaranlagen, aber sie belaufen sich nur auf ein Drittel der deutschen Fördersummen. So haben es Wind und Sonne schwer, sich auf dem französischen Energiemarkt durchzusetzen.

    Deutschland auf Atomstrom aus Frankreich angewiesen

    Und auch Deutschland kommt ins Spiel bei der zukünftigen französischen Energiepolitik: Denn die Bundesrepublik ist auf Atomstrom aus Frankreich angewiesen. Der Abschied von Atom und Kohle wurde in Berlin schon beschlossen. Solange Sonnen- und Windenergie nicht zuverlässig gespeichert werden können, muss Strom aus dem Ausland importiert werden: Aus Frankreich oder aber auch zukünftig als Kohlestrom aus den Ländern Polen und Tschechien.

    Somit nehmen die gegenseitigen Abhängigkeiten in der europäischen Energiepolitik zu. Dennoch ist der politische Wille europäischer Länder auf diesem Gebiet enger zusammenzuarbeiten unterschiedlich ausgeprägt.

    Grenzübergreifender Austausch möglich?

    In Fessenheim zeigt sich auch noch ein weiteres Problem, das bei Abschaltungen von AKWs immer wieder eine Rolle spielt: Wo werden die Arbeitskräfte weiter beschäftigt? In diesem Punkt fühlt sich Claude Brender, Bürgermeister von Fessenheim, von seiner Regierung im Stich gelassen: "Es wurden keine Lösungen entwickelt, was aus der regionalen Wirtschaft und aus den Arbeitsplätzen hier werden soll." Auch in diesem Punkt könnte ein grenzübergreifender Austausch Sinn machen.

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