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Coronavirus: Warum ein Immunitätsausweis problematisch wäre | BR24

© dpa-Bildfunk/Frank Rumpenhorst

Warum ist ein Immunitätsausweis problematisch?

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Coronavirus: Warum ein Immunitätsausweis problematisch wäre

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn überlegt, Immunitätsausweise einzuführen. Die Idee wirkt auf den ersten Blick bestechend: Wer nachweislich immun ist, könnte zurück ins normale Leben. Aber das brächte auch einige Probleme mit sich. Eine Analyse.

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Eine Corona-Immunitäts-Bescheinigung will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einführen, sobald wissenschaftlich gesichert ist, dass Menschen, die Covid-19 überstanden haben, auch wirklich immun sind. So steht es in einem Gesetzesentwurf, den das Kabinett am Mittwoch beschlossen hat.

Derzeit ist allerdings noch völlig unklar, ob und wie lange ein Ex-Corona-Patient immun ist, warnt zum Beispiel die WHO. Außerdem seien die Antikörpertests noch fehlerhaft.

Endlich ohne Kontaktbeschränkungen!

Auf den ersten Blick ist es eine bestechende Idee: Wer einen Ausweis bei sich trägt, der bescheinigt, dass er die durch das Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 überstanden hat und deshalb immun ist, könnte ohne Einschränkung wieder seiner Arbeit nachgehen. Vor allem Krankenpfleger, Ärzte, Polizisten, Restaurantbedienungen und andere Berufsgruppen, die viel Kontakt mit Menschen haben, würden dann nicht mehr riskieren, sich anzustecken und könnten deshalb ohne Vorsichtsmaßnahmen eingesetzt werden.

Großeltern besuchen: Kein Problem

Privatpersonen müssten sich nicht mehr an die Kontaktbeschränkungen halten, da sie ja nicht mehr angesteckt werden und auch niemanden anstecken können. Sie sind ja immun. Also problemlos die vereinsamten Eltern oder Großeltern besuchen, ohne Maske einkaufen, Zug fahren oder ab in den Urlaub. Außerdem: kein Mindestabstand mehr und auch keine Quarantäne bei Risikokontakten.

Erste Folge: Zweiklassengesellschaft

Allerdings bringt das geplante Immunitätsdokument einige Probleme mit sich. Die Gesellschaft würde sich spalten: Eine Gruppe darf wieder alles und eine andere muss sich weiter an die Beschränkungen halten. Wer keinen Ausweis hat, wird demnach ausgegrenzt und benachteiligt: Fußballspiele ja, aber nur mit Ausweis. Arbeitgeber würden im Zweifel möglicherweise Bewerber mit Covid-19-Bescheinigung einstellen - die anderen hätten das Nachsehen. Nicht umsonst sind laut dem im Grundgesetz verankerten Gleichheitsgrundsatz alle Menschen gleich.

Zweite Folge: Coronapartys

Während die eine Gruppe die Vorteile der Bescheinigung genießt, muss sich die andere Gruppe dafür bestraft fühlen, dass sie die Hygiene- und Kontaktvorschriften bisher erfolgreich beachtet hat. Neid wäre die Folge. Die Vorzüge des Ausweises könnten also zahlreiche Menschen dazu verführen, sich bei Coronapartys mit Covid-19 anzustecken, damit sie bald auch zur ersten Gruppe gehören. Das würde für die Ausbreitung des Coronavirus sorgen.

Dritte Folge: Datenschutz in Gefahr

Der Gesetzesentwurf des Gesundheitsministeriums sieht vor, dass im Impfpass nicht mehr nur die verabreichten Impfungen vermerkt werden, sondern auch der Immunstatus, also ein medizinischer Befund. Folglich könnten dann bald auch andere Krankheiten wie Hepatitis oder HIV im Impfpass vermerkt sein. Nach dem Gesetzesentwurf sollen sogar Arbeitgeber Einblick in alle übertragbaren Krankheiten des Mitarbeiters bekommen.

Da schreien Datenschützer auf: Denn ein solcher Immunitätsausweis widerspräche der im Grundgesetz verankerten informationellen Selbstbestimmung und den Grundsätzen, nach denen medizinische Daten verarbeitet werden dürfen.

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Die medizinischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Aspekte zu einem Immunitätspass