Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Warum Deutschland ein Problem mit Islamfeindlichkeit hat | BR24

© picture alliance/imageBROKER

Mann trägt ein Schild mit einer durchgestrichenen Moschee auf einer Demonstration.

Per Mail sharen
Teilen

    Warum Deutschland ein Problem mit Islamfeindlichkeit hat

    Islamfeindliche Terroranschläge wie in Christchurch gab es in Deutschland noch nicht. Doch Islamfeindlichkeit ist auch hier ein Problem, sagen Wissenschaftler und Aktivisten. Sie fordern einen Beauftragten gegen Islamfeindlichkeit.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Die Autoritarismus-Studie der Uni Leipzig aus dem Jahr 2018 zeigt, dass Muslime zu den am meisten abgelehnten Gruppen in Deutschland gehören. Fast die Hälfte der Befragten sagt, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden. Oft werde Islamfeindlichkeit aber nicht als Problem anerkannt, sagt Kai Hafez, Politikwissenschaftler an der Uni Erfurt. "In den politischen Parteiprogrammen finden sich erste Deutungen dieser Art, aber es gibt keinen nachhaltigen Diskurs über Islamfeindlichkeit."

    "Islamfeindlichkeit wird nicht als Problem anerkannt!"

    Immer wieder werden Muslime in Deutschland zum Ziel von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt. Erst vor zwei Wochen schlug ein Mann in Berlin einer schwangeren Frau wegen ihres Kopftuchs in den Bauch. Islamfeindliche Gewalttaten wie diese nähmen zu, sagt Kai Hafez. "Es ist so etwas wie eine Aktualisierung uralter Stereotype des gewaltsamen, intoleranten, frauenfeindlichen, despotischen und westfeindlichen Islams in unserer Gegenwart. Insofern ist Herr Seehofer da sehr schlecht informiert, wenn er sagt, es gebe keine Probleme in diesem Bereich in Deutschland."

    Der fanatisch-religiöse Muslim – dieses Bild überdecke die vielfältige Realität von Muslimen in Deutschland. Und es führe dazu, dass ein Teil der Gesellschaft Muslime nicht als Opfer, sondern immer auch als Täter wahrnehme.

    Braucht es einen Islam-Beauftragten?

    Mulla Cetin ist 25 Jahre alt und Jurastudent in Berlin. Er hat eine Petition ins Leben gerufen für einen Bundesbeauftragten gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit. "Nachdem der Antisemitismusbeauftragte im letzten Jahr auf den Weg gebracht wurde, wollte ich daran anknüpfen." Denn Menschenfeindlichkeit betreffe nie nur eine Gruppe. "Jemand, der etwas gegen Muslime hat, wird auch etwas gegen Juden und Sinti und Roma haben", sagt Cetin.

    Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, lehnt ein neues Amt jedoch ab. Stattdessen solle die Bundesbeauftragte für Integration, Annette Widmann-Mauz, noch mehr gegen die Ablehnung von Muslimen unternehmen. Denn auch Klein sagt, Islamfeindlichkeit sei ein wachsendes Problem: "Ich glaube, der Hass gegen Muslime ist ein Problem, dem wir uns stärker noch als bisher widmen sollten und systematischer widmen sollten."

    Das würden die großen Minderheiten einer Gesellschaft verdienen, findet auch Politikwissenschaftler Kai Hafez und sieht schon erste Fortschritte: "Ich sehe nach Christchurch in den deutschen Medien erstmals Anzeichen eines massiven Umsteuerns an diesem Punkt." Hin zu einem kritischeren Umgang mit Islamfeindlichkeit. Manchmal bedürfe es erst einer Krise für eine Veränderung, so Hafez.

    Sendung

    Religion und Orientierung

    Von
    • Nabila Abdel Aziz
    Schlagwörter