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Warum anderswo weniger Lebensmittel in der Tonne landen | BR24

© pa / dpa / Photoshot

Lebensmittel in Mülltonnen

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    Warum anderswo weniger Lebensmittel in der Tonne landen

    20 Prozent aller Lebensmittel in der EU werden weggeworfen. Die Mitgliedsländer verfolgen unterschiedliche Ansätze, um dieser Verschwendung zu begegnen - ein Vergleich.

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    Dänemark ist europäischer Spitzenreiter im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung: Innerhalb von fünf Jahren konnte das Land seine Essensabfälle um 25 Prozent senken. Der Grund hierfür ist allerdings kein Gesetz oder eine staatliche Initiative. Der Erfolg geht vor allem auf eine Einzelperson zurück: Selina Juul. Die 39-Jährige hat ihr Leben dem Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln gewidmet.

    Erfolgreiche Initiative in Dänemark

    Zunächst gab sie auf Facebook Tipps, wie man Essensabfälle vermeiden kann. Aus ihrer Seite "Spot Spild Af Mad" - "Stoppt die Essensverschwendung" - wurde inzwischen eine anerkannte Hilfsorganisation. Einer ihrer größten Erfolge: Sie überzeugte Dänemarks größte Discounter-Kette, Aktionen wie "3 für den Preis von 2" einzustellen. Nun werden einzelne Lebensmittel reduziert. Laut einem Händler werden deshalb in seinem Laden heute nur noch zehn statt hundert Bananen täglich weggeworfen.

    Motiviert durch den Erfolg entstanden viele weitere Projekte in Dänemark, wie die App "Too Good To Go" eines Start-Up-Unternehmens. Mit der App kann man überschüssige Brote, Kuchen und zu viel zubereitete Speisen von Bäckereien, Restaurants und Hotels günstiger kaufen. Die App funktioniert inzwischen auch in Deutschland.

    Frankreich hat Gesetz gegen Verschwendung

    Frankreich hat ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung. Allerdings war hierfür auch das Engagement einer Einzelperson notwendig: Ohne Arash Derambarsh wäre es dazu wohl nie gekommen. Der 39-Jährige hatte während seiner Studienzeit selbst ein Problem, über die Runden zu kommen. 400 Euro habe er monatlich zur Verfügung gehabt. Mehr als eine richtige Mahlzeit am Tag habe er sich nicht leisten können.

    Derambarsh versuchte, auf den Missstand aufmerksam zu machen. 2014 sammelte er abends in einem Supermarkt im Norden von Paris die übrig gebliebenen Lebensmittel und verteilte sie an Bedürftige. Die Medien interessierten sich dafür und so konnte Derambarsh 2015 eine Online-Petition starten, die später zu einem Gesetz wurde. Seitdem ist es großen Supermärkten offiziell verboten, noch Genießbares in den Müll zu werfen.

    Seit dem 11. Februar 2016 müssen französische Supermärkte ab 400 Quadratmetern Größe nicht verkaufte Lebensmittel an ehrenamtliche Organisationen spenden. Die Strafen sind allerdings relativ milde. Hält sich ein Supermarkt nicht daran, muss er maximal 3.750 Euro Strafe bezahlen.

    Tschechien verhängt hohe Strafen

    Tschechien greift da härter durch. Auch hier sind Supermärkte verpflichtet, unverkaufte Lebensmittel an Wohltätigkeitsorganisationen weiterzugeben. Verstößt ein Supermarkt gegen das Gesetz, sollen dort allerdings bis zu 390.000 Euro fällig werden.

    Italien versucht es mit Steuererleichterungen

    Auch in Italien gibt es ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung. Anders als Frankreich oder Tschechien will Italien aber keine Strafen verhängen. Hier gibt es stattdessen Anreize wie Steuererleichterungen, die Unternehmen dazu bewegen sollen, Lebensmittel nicht wegzuwerfen. In Restaurants gibt es Kampagnen mit dem Ziel, die Gäste zu ermutigen, nicht gegessenes Essen mitzunehmen. Eigentlich ist das in Italien verpönt.

    Deutsche Regierung setzt auf Freiwilligkeit

    Die deutsche Regierung hat sich das Ziel gesetzt, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren, hat dafür aber keine konkreten Maßnahmen, geschweige denn ein Gesetz geplant. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) setzt auf Aufklärung: Vorgesehen sei unter anderem, mit Unternehmen, Verbänden, Ländern und Wissenschaft konkrete Maßnahmen auf freiwilliger Basis zu erarbeiten.

    Auch passendere Portionsgrößen in Restaurants und Kantinen sollen dabei helfen, dass weniger Nahrungsmittel im Müll landen. Vor allem Jugendliche und junge Familien sollen mit Informationen über das Internet stärker sensibilisiert werden. Strafen wie in anderen europäischen Ländern sind hier aber nicht geplant.