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Waldbrände: Bolsonaro beschuldigt Umweltschützer | BR24

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Für Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist die Zerstörung des Regenwaldes eine Art Konjunkturprogramm. Nun beschuldigt er Umweltschutz-Organisationen, die ausufernden Brände am Amazonas selbst gelegt zu haben.

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Waldbrände: Bolsonaro beschuldigt Umweltschützer

Für Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist die Zerstörung des Regenwaldes eine Art Konjunkturprogramm. Nun beschuldigt er Umweltschutz-Organisationen, die ausufernden Brände am Amazonas selbst gelegt zu haben.

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Pfiffe und Buhrufe für Brasiliens Umweltminister: Ricardo Salles war als Redner nach Salvador de Bahia gekommen. Dort findet aktuell die lateinamerikanische Klimawoche statt - und Jair Bolsonaros Minister wollte die Amazonas-Politik seiner Regierung verteidigen. "Der Amazonas steht in Flammen", steht auf den Plakaten, die im Publikum hochgehalten werden.

Brasilien erlebt derzeit die schlimmsten Waldbrände seit Jahren. Große Teile des südlichen Amazonasbeckens und des Pantanal-Feuchtgebietes stehen in Flammen. Auch in Bolivien und Paraguay brennt der Wald bis hinein in die Grenzregion zu Argentinien, dem Gran Chaco. Doch nirgends werden so viele Feuer gemessen wie in Brasilien. Das geht aus den neuesten Zahlen des Weltrauminstituts INPE und Satellitenaufnahmen der NASA hervor.

Ursache: Gefährlicher Mix aus Menschen und Dürre

Allein in der ersten Augusthälfte seien 9.500 Brände registriert worden, seit Anfang des Jahres 72.000. Das entspricht einer Zunahme von mehr als 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Verschärft wird die Situation durch die anhaltende Dürre: In manchen Regionen hat es seit Wochen nicht geregnet. Ein kleiner Funke reicht und schon steht alles in Flammen. Doch die Ursache der Brände, die Feuer, würden von Menschen gelegt, erklärt Marcio Castrini von Greenpeace Brasilien.

"Eine Form, den Wald zu vernichten, ist das Unterholz in Brand zu stecken und so Flächen zu roden. Das ist eine beliebte Methode, es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Bränden und der massiven Zunahme der Abholzung am Amazonas. Und die aktuelle Regierung von Bolsonaro heizt die Abholzung weiter an." Marcio Astrini, Greenpeace Brasilien

Holzfäller, Siedler, Goldgräber, die Agrarindustrie: Brasiliens Präsident Bolsonaro will Wachstum statt Waldschutz. Die Abholzung des Amazonas für Landwirtschaft, Bergbau und Infrastruktur ist für ihn eine Art Konjunkturprogramm. Am 10. August haben Landbesitzer im Amazonas-Bundesstaat Pará einen "Tag des Feuers" ausgerufen. Kurz darauf registrierte das INPE-Weltrauminstitut einen sprunghaften Anstieg von Bränden in der Region. Folgen hatte das für die Brandstifter nicht.

"Die Botschaft der Regierung ist: Umweltverbrechen werden nicht bestraft, und gleichzeitig hat sie die Mittel des Staates eingeschränkt, gegen Umweltverbrechen vorzugehen. Das ist eine Ermächtigung für diejenigen, die immer weiter in den Urwald eindringen." Marcio Astrini

Bolsonaro beschuldigt Umweltschutz-Organisationen

Wer das kritisiert, wird zum Feind. Beispielsweise Deutschland oder Norwegen, die Fördergelder für den Regenwald-Schutz auf Eis legten. Nun beschuldigt Bolsonaro Umweltschutz-Organisationen, die Brände selbst verursacht zu haben - aus Rache dafür, dass seine Regierung ihnen die Mittel kürzte:

"Es könnte eine kriminelle Aktion dieser NGOler sein, um Aufmerksamkeit gegen mich zu lenken und gegen die brasilianische Regierung. Das ist der Krieg, dem wir uns gegenübersehen." Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro

Beweise dafür habe er allerdings keine. Ein absurde Behauptung, sagt Marcio Astrini von Greenpeace:

"Was die Regierung damit bezweckt, ist vor der eigenen Verantwortung abzulenken. Denn Verantwortung für die Brände, die Abholzung, die Umweltverbrechen am Amazonas, haben Namen und Adresse: Die Regierung Bolsonaro." Marcio Astrini, Greenpeace

Nun will der Präsident Soldaten in die vom Feuer betroffenen Regionen schicken. Effektivstes Mittel gegen die Brände wäre Regen. Doch mit dem September steht Brasilien der erfahrungsgemäß trockenste Monat erst noch bevor. Die Brände könnten in diesen Wochen noch zunehmen.