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Wahlentscheidend? Die unheimliche Macht der Social Media Kanäle | BR24

© dpa-Bildfunk

Tablet und Smartphones mit Social Media Apps wie facebook, WhatsApp und Twitter.

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    Wahlentscheidend? Die unheimliche Macht der Social Media Kanäle

    Wie mächtig sind die Social Media Plattformen, wenn es um Wahlen geht? Welche Lehren hat Facebook aus dem Cambridge Analytica Skandal und der russischen Wahleinmischung bei den US-Präsidentschaftswahlen 2016 gezogen? Eine Analyse.

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    Berkley-Professor Hany Farid bereitet sich mit seinem Team auf den Ernstfall vor. Der könnte wenige Tage vor den US-Wahlen eintreten, glaubt der Experte für digitale Forensik. Seine Sorge: Deep Fake Videos.

    "48 Stunden oder 24 Stunden vor der Wahl könnte solch ein Video erscheinen. Mit Aussagen eines Kandidaten, die so nie gefallen sind." Hany Farid

    Kurz vor der Wahl könnte solch ein Video verheerenden Schaden anrichten, befürchtet Farid. Vor allem, wenn es erst einmal auf den Plattform von YouTube oder Facebook zirkuliert, ist ein Einfangen in kurzer Zeit kaum möglich.Seit Monaten füttern er und sein Team ein Computersystem, das Deep Fake Videos binnen weniger Sekunden enttarnen kann.

    "Wir wollen unseren Dienst den Medien zur Verfügung stellen, damit diese gefälschte Videos authentifizieren können." Hany Farid

    Zuckerberg lässt Trump machen

    Auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht von San Francisco liegt das Silicon Valley. Dort, in Menlo Park hat Facebook seinen Sitz. Wenn es um den digitalen Wahlkampf geht, ist das soziale Netzwerk die wichtigste Plattformen - sowohl für Trump als auch seinen Herausforderer Joe Biden. Facebook-Chef Mark Zuckerberg weiß, dass ihn die Politik braucht. Er verfolgt seit dem Amtsantritt von Trump nur ein Ziel. Er will seinen Konzern, der mittlerweile 2,7 Milliarden Menschen erreicht, vor einer Zerschlagung bewahren.

    Der 36-jährige setzt auf Trump. Besonders dramatisch hat sich das vor zwei Wochen gezeigt, als der US-Präsident auf Twitter und Facebook damit drohte, die aufkeimenden Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt niederzuschlagen. Während Twitter einzelne Tweets mit Hinweisen versah, blieben sie bei Facebook unkommentiert stehen. Sein Unternehmen wolle sich nicht zum Richter der Wahrheit aufspielen, sagte Zuckerberg.

    Trump und Facebook - ein Traumduo

    Trump und Facebook sind in Wahlkampfzeiten ein Traum-Duo. Trump setzt auf Konfrontation, auf frustrierte, verärgerte Wähler, die er gegen das angebliche Establishment und die linken Demokraten loslassen kann. Facebook liefert ihm eine perfekte Echo-Kammer, wo radikale Meinungen sich schneller verbreiten, als eine ausgewogene Diskussion. David Kirkpatrik ist Tech-Journalist und beobachtet seit Jahren Zuckerberg und dessen Konzern.

    "Trump hat zwar Social Media kritisiert. In Wirklichkeit hat Facebook buchstäblich nichts getan, was ihm Anlass zur Beschwerde geben könnte. Sie tendierten eher dazu, seine Nachrichten zu bevorzugen, und sie haben alles getan, was er wollte. Wirklich herausragend aber ist: Bei Facebook dürfen die Politiker in ihren Werbeanzeigen lügen." David Kirkpatrik

    Bei Facebook folgen Trump mehr als 29 Millionen Menschen, bei Twitter sind es 82 Millionen. Strategisch ist Facebook aber deutlich wichtiger, weil über die Facebook-Werbeplattform sehr viel genauer potentielle Wählerinnen und Wähler angesprochen werden können. Immer wieder wurden in den vergangenen Monaten gefälschte Konten russischer und chinesischer Akteure gelöscht. Im Silicon Valley nimmt derzeit niemand Wetten an, die daraufsetzen, dass Zuckerberg sein Netzwerk von russischen Bots sauber halten kann.

    Biden führt kaum digitalen Wahlkampf

    Auch wenn in den Umfragen derzeit Joe Biden führt, im digitalen Wahlkampf gibt er ein eher trauriges Bild ab. Erst jetzt hat er begonnen, Fachleute einzustellen.

    Stefan Smith ist Digital-Experte bei den Demokraten. Er hat Pete Buttgiegs Digitalkampange verantwortet. Smith meint im NPR-Radio: Auch wenn Trump derzeit keine klare Strategie hat, eines funktioniert bei ihm:

    "Es geht darum, die Wähler von anderen Botschaften abzuschirmen. Wenn man die Basis aufwiegelt, sie aufgewiegelt hält, dann hält man sie auch beschäftigt." Stefan Smith

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