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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Risto Bozovic

In Montenegro stehen die Sozialisten von Präsident Djukanovic mit 35 Prozent vor ihrem schlechtesten Wahlergebnis seit 1991. Grund zum Jubeln bei den Oppositionsparteien: Sie kommen auf insgesamt 50,5 Prozent der Stimmen.

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Wahlen in Montenegro: Das ist das vorläufige Endergebnis

In Montenegro stehen die Sozialisten von Präsident Djukanovic mit 35 Prozent vor ihrem schlechtesten Wahlergebnis seit 1991. Grund zum Jubeln bei den Oppositionsparteien: Sie kommen auf insgesamt 50,5 Prozent der Stimmen.

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Von
  • Clemens Verenkotte

Jubel bei den Oppositionsparteien. Vor der Wahlkampfzentrale der kleinen Bürgerrechtsbewegung URA stiegen Feuerwerksraketen in den Himmel. Das Wahlergebnis in Montenegro hatte dem Lager der Oppositionsparteien, zum ersten Mal seit 1991, die Perspektive eines Regierungsmandats eröffnet.

"Wir haben gesagt, dass wir Geschichte schreiben werden. Und wir haben das gemacht. Wünsche allen Glück, auch den Menschen, die trotz allem, für DPS (von Djukanovic) gestimmt haben. Sie sind keine Staatsfeinde. Aber die Mafia wird nicht mehr Montenegro regieren." Dritan Abazovic, Vorsitzender der Bürgerbewegung Vereinte Reformaktion URA

Jubel bei Opposition, Niederlage für DPS

Wie die staatliche Wahlkommission nach Auszählung von über 98,5 Prozent der Stimmen am Vormittag in der Hauptstadt Podgorica bekanntgab, erreichte die "Demokratische Partei der Sozialisten DPS" von Milo Djukanovic nur noch 35 Prozent - das schlechteste Ergebnis seit 1991. Das Lager der drei Oppositionsparteien kam auf insgesamt 50,5 Prozent der Stimmen.

So erhielt die stärkste Oppositionsgruppierung, das pro-serbische Bündnis "Für die Zukunft Montenegros" 32,5 Prozent, das Bündnis um die Demokraten "Frieden ist unsere Nation" 12,5 Prozent und die Bürgerbewegung URA 5,5 Prozent. Noch in der Wahlnacht versicherte der Vorsitzende Zdravko Krivokapic, Chef der stärksten oppositionellen Koalition "Für die Zukunft Montnegros", ein Universitätsprofessor und politischer Neuling:

"Unser erstes Ziel lautet, dass wir die Hand der Versöhnung reichen. Die Hand der Versöhnung soll die Grundlage unserer Koexistenz sein. Das bieten wir allen an. Denn ohne die Hand der Versöhnung gibt es kein qualitatives Montenegro. Dieses Mal bieten wir das, was selbstverständlich ist: dass alle nationalen Minderheiten dem Sieger beitreten." Zdravko Krivo-kapic, Chef der stärksten oppositionellen Koalition "Für die Zukunft Montnegros"

Djukanovic will offizielles Wahlergebnis anerkennen

Sollten sich diese politisch heterogenen Oppositionsgruppierungen auf ein gemeinsames Koalitionsprogamm einigen können, wäre die knapp 30-jährige Regierungsmacht der Partei von Staatspräsident Djukanovic beendet. Djukanovic versicherte bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag, dass seine Partei und er das offizielle Wahlergebnis anerkennen würden. Zugleich betonte er:

"Wie auch immer morgen unsere Position im montenegrinischen Parlament sein wird, bleibt die Demokratische Partei der Sozialisten ein unerschütterlicher Kämpfer um die europäische Zukunft Montenegros. Wir sind der Meinung, dass wir in all den vergangenen Jahren einen ernsthaften Schritt in dieser Richtung gemacht haben." Staatspräsident Milo Djukanovic, Demokratische Partei der Sozialisten (DPS)

Montenegro sei auf gewisse Weise zu einem Leuchtturm auf dem europäischen Weg geworden, wenn es um die Region des westlichen Balkans geht, so Djukanovic.

Innenpolitisches Erdbeben in Montenegro

Das offizielle Wahlergebnis kommt in der rund 600.000 Einwohner großen ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik, die sich 2006 von Serbien getrennt hat und seit 2017 NATO-Mitgliedsland ist, einem innenpolitischen Erdbeben gleich.

Kirche ergriff Partei für Opposition

Erstmals hatte die einflussreiche Serbisch Orthodoxe Kirche vor den Wahlen eindeutig Partei ergriffen und zur Wahl der Opposition aufgerufen. Sie sah sich durch das umstrittene Kirchengesetz bedroht, das die Besitztümer der Kirche in Montenegro nationalisieren werden. Monatelang hatten Tausende von Menschen gegen dieses Gesetz demonstriert.

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