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Wahlen in Israel: Netanjahu will Premierminister bleiben | BR24

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Zwei Wochen vor Beginn eines Korruptionsprozesses gegen den rechtskonservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wählen Israels Bürger ein neues Parlament. Der 70-Jährige strebt trotz der Vorwürfe eine fünfte Amtszeit als Regierungschef an.

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Wahlen in Israel: Netanjahu will Premierminister bleiben

Zwei Wochen vor Beginn eines Korruptionsprozesses gegen den rechtskonservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wählen Israels Bürger ein neues Parlament. Der 70-Jährige strebt trotz der Vorwürfe eine fünfte Amtszeit als Regierungschef an.

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Benjamin Netanjahu sah etwas müde aus, als er vor zwei Wochen in einem Vorort von Tel Aviv vor seine Anhänger trat. Der mittlerweile dritte Wahlkampf innerhalb von nur einem Jahr hinterlässt auch bei Netanjahu Spuren. Er ist 70 Jahre alt und schon jetzt der Premierminister mit der insgesamt längsten Amtszeit in Israels Geschichte.

Die Anhänger seiner Likud-Partei nennen ihn nur "Bibi". Und fügen hinzu: Netanjahu sei der König von Israel. "Ich sehe, dass Spannung im Likud ist", sagt Netanjahu. "Elektrizität! Wir werden siegen! Es steht viel auf dem Spiel. Wir sind in Reichweite eines großen Sieges."

Das Land ist tief gespalten

Israel ist gespalten: in jene, die Netanjahu feiern und seine erbitterten Gegner. Die Anhänger des Premierministers attestieren Netanjahu, Israel das beste Jahrzehnt seiner Geschichte gebracht zu haben.

"Wir kennen die Qualitäten dieses Mannes", sagt ein Mann, Mitte 40 auf einem Markt in Jerusalem. "Er ist ein Anführer, der die Lage im gesamten Nahen Osten verbessert. Er hat große Bündnisse mit Weltmächten geschlossen. Israel ist seinetwegen im Aufwind."

"Etwas Gutes soll man nicht auswechseln"

Ein anderer Mann assistiert: "Für mich kommt nur Bibi in Frage", sagt er. "Die Dinge sind doch gut. Und etwas Gutes sollte man nicht auswechseln. Unsere Sicherheit und unsere Wirtschaft sind stark, es kommen Staatsmänner zu Besuch und das Land blüht. Es ist gut."

Loyalität seiner Anhänger trotz Gerichtsverfahren

Die Loyalität von Netanjahus Anhängern ist bemerkenswert. Denn natürlich wissen auch sie, dass der Premier angeklagt ist. Wegen Untreue, Bestechlichkeit und Betrugs. Laut Anklage nahm er teure Geschenke von Geschäftsleuten an und revanchierte sich mit politischen Gefallen.

Außerdem soll Netanjahu illegal versucht haben, die Berichterstattung von Medien über ihn zu beeinflussen. Der Premierminister weist die Vorwürfe zurück. Die Politikwissenschaftlerin Gayil Talshir von der Hebräischen Universität in Jerusalem beobachtet Netanjahu seit langem.

"Der Gerichtsprozess ist sehr wichtig für die Politik in Israel", sagt sie. "Wenn man Israel als Demokratie betrachtet und Netanjahu als korrupten Anführer, dann stellen sich das politische Zentrum und die Linke in Israel gegen Netanjahu. Seine eigene Anhängerschaft versammelt sich aber um ihn herum. Sie sagen: Das System tut unserem Anführer so etwas an!"

Trump verkündet Friedensplan zusammen mit Netanjahu

Ende Januar in Washington D.C. sah Benjamin Netanjahu überhaupt nicht müde aus. Er stand neben US-Präsident Trump, als der seinen sogenannten Friedensplan für den Nahen Osten vorlegte. Ein Plan, der mit den Prinzipien des Völkerrechts bricht und die israelische Besatzung des Westjordanlandes anerkennt.

"Herr Präsident", sagte Netanjahu zu Trump. "Ihr Deal des Jahrhunderts ist die Gelegenheit des Jahrhunderts. Seien Sie versichert, dass Israel diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen wird.“

"Sieht sich als einzigen Anführer Israels"

Benjamin Netanjahu macht mit jedem Auftritt deutlich, dass er noch nicht genug hat. Dass er Premierminister bleiben will - trotz der Anklage.

"Er sieht sich als einzigen echten Anführer des jüdischen Volkes", sagt die Politikwissenschaftlerin Talshir. "Er glaubt, dass Israel ohne ihn verloren ist."

Gefängnis - oder "König von Israel"

Die kommenden Monate dürften für Benjamin Netanjahu entscheidend werden. Die Fallhöhe für den Premierminister könnte kaum größer sein: Von "Bibi, dem König von Israel" zu einer möglichen Gefängnisstrafe wegen Korruption.

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