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Wahlen in Israel: Likud filmt heimlich in Wahllokalen | BR24

© dpa-Bildfunk

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seine Frau Sara bei der Stimmabgabe in Jerusalem.

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    Wahlen in Israel: Likud filmt heimlich in Wahllokalen

    Bei den Parlamentswahlen in Israel haben am Dienstag in mehreren arabisch geprägten Orten Mitarbeiter von Ministerpräsident Netanjahus Likud-Partei heimlich gefilmt. Der israelische Wahlausschuss untersagte ihnen dies.

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    Ein Wahllokal in Israel. Ein arabischer Israeli spricht einen jungen Mann an, aus dessen Hemd eine kleine Kamera ragt. "Warum filmst Du hier?", fragt der arabische Israeli. "Ich weiß es nicht", sagt der junge Mann. "Mein Arbeitgeber hat mir gesagt, dass ich das machen soll. Der Likud."

    Wahlausschuss widerspricht Netanjahu

    Zu ähnlichen Vorfällen kam es am Wahltag in gleich mehreren arabischen Orten in Israel. Der Likud – die Partei von Premierminister Netanjahu, räumte ein, 1.200 Wahlbeobachter rekrutiert und mit versteckten Kameras ausgestattet zu haben. Man befürchte Wahlfälschungen in der arabischen Bevölkerungsgruppe. Auch Netanjahu meldete sich.

    "Versteckte Kameras gibt es überall. Sie stellen eine vorschriftsgemäße Wahl sicher." Benjamin Netanjahu, israelischer Ministerpräsident

    Der Vorsitzende des israelischen Wahlausschusses sieht das anders. Er untersagte den Mitarbeitern des Likuds, in den Wahllokalen zu filmen. Videoaufnahmen zeigen, wie Polizisten die Kameras entfernen. Arabische Parteien sprechen von einem Versuch der Netanjahu-Partei, arabische Israelis beim Wählen einzuschüchtern.

    Netanjahu kämpft gegen Korruptionsvorwürfe

    Am Vormittag hatte Premierminister Netanjahu mit seiner Frau in einer Schule in Jerusalem gewählt. Es geht um eine mögliche fünfte Amtszeit des erfahrenen Politikers. Im Sommer würde er dann David Ben Gurion als israelischer Premierminister mit der insgesamt längsten Amtszeit ablösen. Viel wird für Netanjahu davon abhängen, wie die Wähler die zahlreichen Korruptionsvorwürfe gegen den Premierminister bewerten. Israels Generalstaatsanwalt hat ihn angeklagt – allerdings unter Vorbehalt einer Anhörung.

    Umfragen: Wahlbündnis liegt vor Likud

    Der ehemalige Armeechef Benny Gantz hat von allen Kandidaten die besten Chancen, Netanjahu abzulösen. In mehreren Umfragen lag sein Wahlbündnis "Blau-Weiß" leicht vorn. Allerdings könnte Benny Gantz größere Schwierigkeiten haben, mit anderen Parteien eine Koalition zu bilden, als Netanjahu. Denn vor allem religiöse und rechtsnationale Parteien haben gute Chancen, in die Knesset einzuziehen. Und die haben sich vor der Wahl für eine Koalition mit Netanjahus Likud ausgesprochen.

    Im komplexen israelischen Parteiensystem könnte es eine Weile dauern, bis Gewissheit darüber herrscht, wer mit wem zusammenarbeitet. Und wer Premierminister wird. Die ersten Hochrechnungen werden am Abend erwartet.