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Wahl in Israel: Kann sich Gantz gegen Netanjahu durchsetzen? | BR24

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Zum zweiten Mal in diesem Jahr wählt Israel ein neues Parlament. Nach der Abstimmung im April war es Ministerpräsident Netanjahu nicht gelungen, eine neue Koalition zu schmieden.

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Wahl in Israel: Kann sich Gantz gegen Netanjahu durchsetzen?

Nach dem knappen Ergebnis im April wird auch bei der zweiten Parlamentswahl in diesem Jahr ein enges Rennen erwartet. Zentrale Frage: Kann sich der unter Korruptionsverdacht stehende Ministerpräsident Netanjahu seine fünfte Amtszeit sichern?

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Um kurz nach 10.00 Uhr kommt er ins Wahllokal, der Herausforderer Benny Gantz. Sein Ziel: Benjamin Netanjahu stürzen. Den Premierminister, der sich mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert sieht – und der sich möglicherweise durch seinen Posten vor Strafverfolgung schützen will.

"Wir wollen eine neue Hoffnung und stimmen heute für die Veränderung", sagt Gantz. "Uns allen gemeinsam wird die Veränderung gelingen - ohne Korruption und ohne Extremismus."

Wahlkampf bis zur Schließung der Wahllokale

Gantz und sein Bündnis Blau-Weiß, politisch eher in der Mitte, machen sich keine Illusionen. Sie wissen, dass es für eine Mitte-Links-Regierung höchstwahrscheinlich nicht reichen wird. Gut vorstellbar dagegen aus Sicht von Gantz: Eine Art "Große Koalition" – ein Bündnis mit dem Likud, nur ohne den Vorsitzenden Netanjahu. Der ist nach einem verhältnismäßig ruhigen Auftritt im Wahllokal in seinem Element: Dauerpräsent sein - auf Facebook, Twitter, auf der Straße – und, in Deutschland unvorstellbar, am Wahltag selbst Stimmung machen. Mit Blick auf die unerwartet hohe Wahlbeteiligung heute schon früh am Tag.

"Es ist bekannt, dass die Linken in den Morgenstunden wählen gehen. Das heißt: Es gab eine Rekordstimmenabgabe der Linken und eine geringe Wahlbeteiligung der rechten Wähler, der Wähler. Ich frage euch jetzt eine Sache: Wollt morgen Yair Lapid zum Premierminister? Wollt ihr eine linke Regierung verhindern? Dann geht wählen. Wählt den Likud." Benjamin Netanjahu, Premierminister

Ebenso unvorstellbar in Deutschland: Die Parteien schicken laufend SMS an Mobiltelefone – mit Last-Minute-Wahlwerbung. Diese Nachrichten bekommen die Israelis dann am Strand oder im Café – denn anlässlich der Wahl ist heute Feiertag. Bisher sieht es nach einer etwas höheren Wahlbeteiligung als bei der Wahl im April aus. Der Politik-Analyst Chanan Kristall will da aber differenzieren.

"Interessant wird es vor allem sein, die Wahlbeteiligung bei einzelnen Bevölkerungsgruppen anzuschauen. Zum Beispiel bei den Einwanderern der ehemaligen Sowjetunion. Dort wird um jeden einzelnen Wähler gekämpft. Es ist ein Derby zwischen Lieberman und Netanjahu um jede Stimme." Politik-Analyst Chanan Kristall

Die Rolle von Netanjahus alten Verbündeten

Avigdor Lieberman, der Chef von "Unser Haus Israel" kommt bei den russisch-stämmigen Wählern gut an. Früher war er Netanjahus Verbündeter, seit dem Streit über die Wehrpflicht für ultra-orthodoxe Juden ist das vorbei. Und Lieberman konnte danach in den Umfragen punkten und kam von fünf auf zuletzt knapp zehn Mandate. Ein wichtiger möglicher Koalitionspartner für beide Seiten also.

Eine erste Prognose gibt es um 21.00 Uhr deutscher Zeit. Mit dem amtlichen Ergebnis kann es jedenfalls noch dauern, sagt der Chef des Zentralen Wahlkomitees, Chanan Melzer.

"Durch die zusätzlichen Kontrollen, die wir eingeführt haben, wird sich das alles etwas hinziehen. Wenn es keine Überraschungen gibt, werden die ersten Ergebnisse morgen Mittag oder Nachmittag bekannt gegeben." Chanan Melzer, Chef des Zentralen Wahlkomitees

Angst vor Fälschung und Verzerrung

Die Kontrollen, von denen der Wahlleiter spricht, führen rund dreitausend Wahlbeobachter durch. Trotzdem gibt es schon mehrere Beschwerden der Parteien. Neben Fälschungsvorwürfen und unerlaubten Filmaufnahmen geht es dabei auch um verbotene Geschenke an die Wähler. Likud-Mitglieder hatten russische Kalender und kostenloses Eis verteilt. So werden auch Kleinigkeiten wichtig, denn in Israel zählt heute jede Stimme.

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Nach dem knappen Ergebnis im April hat sich bei der zweiten Parlamentswahl in diesem Jahr ein enges Rennen abgezeichnet. Zentrale Frage: kann sich der unter Korruptionsverdacht stehende Ministerpräsident Netanjahu seine fünfte Amtszeit sichern?