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Diese Landtagswahl war der letzte Stimmungstest vor der Bundestagswahl. Im Superwahljahr 2021 wird auch in Berlin gespannt auf den Wahlausgang in Magdeburg geschaut. Erste Reaktionen aus Sachsen-Anhalt.

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Wahl-Analyse zu Sachsen-Anhalt: Haseloff triumphiert über AfD

Nach ersten Hochrechnungen siegt die CDU von Reiner Haseloff mit rund 36 Prozent und liegt damit weit vor der AfD, die auf knapp 23 Prozent kommt. Die Persönlichkeit des Ministerpräsidenten scheint den Ausschlag gegeben zu haben. Eine Analyse.

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Von
  • Susanne Betz

Eher bieder und blass im Auftreten und als Rhetoriker auch kein Überflieger, dafür aber für viele der Inbegriff von Redlichkeit: Mit diesen Werten und Eigenschaften hat Reiner Haseloff um das Vertrauen der 1,8 Millionen wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger von Sachsen-Anhalt gekämpft.

Haseloff hat die CDU-Stammwähler mobilisiert

Es ist ihm gelungen – und zwar in einem Ausmaß, das viele Beobachter überrascht hat. Vor allem konnte Haseloff, der seit 2011 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt ist, die Stammwähler der CDU mobilisieren. Offensichtlich hatten viele Angst bei der Vorstellung, dass die rechtspopulistische AfD, die als gesamt Partei unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht, stärkste Kraft werden könnte. Der Imageschaden für das Bundesland auch im Hinblick auf internationale Investoren wäre fatal gewesen.

Sachsen-Anhalt galt lange Jahre als das "Land mit der roten Laterne", weil es im Vergleich zu den anderen ostdeutschen Ländern deutlich höhere Schulden und Arbeitslosenzahlen und ein geringeres Bruttoinlandsprodukt hatte. Jetzt wollte man offensichtlich nicht den Verdacht bestätigen, Probleme mit der Demokratie zu haben, da gegen Ende des Wahlkampfes auch eine Diskussion über die Wertschätzung von Demokratie und ihrer Institutionen durch Ostdeutsche aufgeflammt war.

Haseloff konnte mit Macher-Image überzeugen

Der CDU-Spitzenkandidat Haseloff hat wahrscheinlich auch unentschlossene Wählerinnen und Wähler davon abgehalten, ihre Stimme der AfD zu geben und konnte sie offenbar doch für die CDU mobilisieren. Dabei hat ihm geholfen, dass er sich in den letzten Monaten als entschlossener Macher emanzipiert hat. Ende vergangenen Jahres schmiss er kurz entschlossen seinen langjährigen Innenminister Holger Stahlknecht aus dem Kabinett, weil dieser zu heftig mit der Idee einer von der CDU geführten und von der AfD geduldeten Minderheitsregierung geflirtet hatte.

Haseloff hat sich Respekt verschafft

Stahlknecht, der als Nachfolger Haseloffs gegolten hatte, ist seitdem auch nicht mehr CDU-Landesvorsitzender. Haseloff zeigte sich gegenüber der Bundesregierung als aufmüpfig und kritisierte mehrmals die rigiden Corona-Maßnahmen. Das hat ihm zweifelsohne Respekt bei der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt eingebracht. Sein Mantra während des Wahlkampfes lautete: keine Zusammenarbeit weder mit AfD noch Linken. Die Summe dieser Aktionen brachte ihm den Sieg.

Die AfD hat ihren Zenit auch im Osten überschritten

Zwar lobte der Co-Vorsitzende und Co-Spitzenkandidat der Bundes-AfD, Tino Chrupalla, das Ergebnis seiner Parteifreunde im Magdeburg: "Wir sind sehr zufrieden damit." Die AfD ist ebenso wie vor fast zwei Jahren auch in Sachsen zweitstärkste Kraft geworden. Aber sie hat Prozentpunkte verloren und ihr Zenit ist auch im Osten überschritten.

Der überalterten Linken laufen die Mitglieder davon

Die große Verliererin ist mit knapp elf Prozent die Linke. Ganz offensichtlich findet sie nicht mehr den Ton ihrer Klientel und ihr laufen gerade in Ostdeutschland die Mitglieder weg. Ihre Kampagne "Nehmt den Wessis das Kommando" hatte stark spalterische Tendenzen. Die Verzwergung der SPD schreitet dramatisch voran. Sie hat – ebenso wie 2019 in Sachsen – ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren und kommt gerade mal auf acht Prozent.

Die FDP ist die zweite Siegerin des Abends

Zehn Jahre waren die Freien Demokraten nicht mehr im Magdeburger Landtag. Jetzt schafften sie den Sprung zurück mit rund sechs Prozent. Möglicherweise haben sie auch Chancen auf eine Regierungsbeteiligung. Ministerpräsident Haseloff betonte zwar immer wieder, dass die schwarz-rot-grüne Kenia-Koalition gut funktioniert habe, aber viele Christdemokraten an der Basis und in der Fraktion haben große inhaltliche wie ideologische Probleme mit den Grünen und würden lieber mit der FDP regieren. Laut einem CDU-Landesparteitagsbeschluss vom März müssen die Parteimitglieder auch die neue Regierung absegnen.

Für die Grünen gibt es zu wenige urbane Milieus

Während die Grünen im Westen sehr erfolgreich sind, wachsen für sie im Osten die Bäume nicht in den Himmel. Sachsen-Anhalt ist sehr ländlich ausgerichtet, dort stößt die Politik der Grünen eher auf Ablehnung, obwohl die verdorrten Felder und Wälder während der drei letzten Trockensommer die Menschen durchaus hellhörig für das Thema Klimawandel gemacht haben. Nur in den beiden Großstädten Halle und Magdeburg gibt es grüne Hochburgen – das erklärt die moderaten Stimmengewinne von 5,2 Prozent im Jahr 2016 auf 6,5 Prozent.

Signal von Magdeburg nach Berlin?

Gleich nach dem sich der Wahlerfolg der CDU bei der ersten Prognose abzeichnete, sagte Reiner Haseloff: Die Union habe "als Union geschlossen gekämpft und war als Union siegreich, das ist die Botschaft nach Berlin." Armin Laschet, der Unions-Kanzlerkandidat, wird es mit Freuden gehört und gelesen haben.

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