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Wahl-Analyse: Kurz hat die Qual der Wahl | BR24

© pa/dpa/Askin Kiyagan

Sebastian Kurz gewinnt mit seiner ÖVP die Nationalratswahl in Österreich

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Wahl-Analyse: Kurz hat die Qual der Wahl

Sebastian Kurz hat mit seiner ÖVP die Wahl in Österreich klar gewonnen und steht kurz vor der Rückkehr ins Kanzleramt. Ihm bieten sich nun mehrere Koalitionsvarianten. Die Verhandlungen dürften aber schwierig werden. Eine Analyse von Till Rüger.

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Die große Frage nach der Parlamentswahl in Österreich: Wen wird der konservative Wahlsieger Sebastian Kurz von der ÖVP nun als Koalitionspartner erwählen?

Dass Kurz mit dem heutigen Ergebnis erneut zum Bundeskanzler ernannt wird, ist unumstritten. Daran können auch die Briefwahlstimmen, die traditionell erst am Montag ausgezählt werden, nichts ändern. Die Koalitionsverhandlungen in Wien dürften aber kompliziert werden, denn Kurz hat die Qual der Wahl.

Grüne wären ein starker, aber schwieriger Partner

Seine Volkspartei legte in der Wählergunst deutlich zu, kann mit einem Zuwachs von mehr als fünf Prozentpunkten auf über 37 Prozent vom FPÖ-Ibiza-Skandal profitieren und könnte nun sogar mit den Grünen eine stabile Mehrheit im österreichischen Nationalrat bilden.

Die Grünen sind der zweite Wahlsieger: Sie haben sich von unter vier Prozent auf über 14 Prozent gesteigert. Ob sich die beiden Parteien aber wirklich inhaltlich zusammenraufen, halten politische Beobachter für schwierig.

SPÖ schwächelt, schaffte es aber auf Platz zwei

Zur Auswahl für seine Regierungskoalition hätte Kurz auch noch eine der anderen Großparteien: Die Sozialdemokraten von der SPÖ oder seinen bisherigen Koalitionspartner, die rechtspopulistische FPÖ. Die österreichischen Sozialdemokraten schwächeln ähnlich wie die deutsche SPD und verloren diesmal erneut fast fünf Prozentpunkte, ein historisches Tief.

SPÖ-Parteichefin Pamela Rendi-Wagner hat es nicht geschafft, Themen wie soziale Gerechtigkeit oder Pflegenotstand im Wahlkampf zu platzieren. Es ging auch in Österreich "plötzlich" ums Klima. Dennoch reichte es für Platz zwei.

Ehemaliger Koalitionspartner FPÖ stark abgerutscht

Noch mehr verloren hat die FPÖ mit ihrem neuen Parteichef Norbert Hofer. Die Rechtspopulisten hatten sich schon vor Monaten festgelegt: Man wolle unbedingt eine Wiederauflage der gescheiterten schwarz-blauen Koalition.

Neben dem Ibiza-Video geriet der ehemalige FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache knapp eine Woche vor dem Wahltermin dann noch mit einer Spesen- und Steuer-Affäre in die Schlagzeilen. Er soll Parteigelder für rein private Ausgaben genutzt haben. Viele Stammwähler der FPÖ blieben wohl auch deshalb zu Hause, bescherten den Rechtspopulisten herbe Verluste und führten zum Abrutschen der Freiheitlichen auf etwa 16 Prozent. Angesichts der Verluste stellte FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky Koalitionsverhandlungen bereits in Frage.

Schon in den nächsten Tagen soll es nun erste Gespräche der Parteien untereinander geben. Wer aber am Ende mit Kurz eine Regierung bildet, darauf wollte sich am Abend in Wien noch keine Partei festlegen.

© BR24

Laut vorläufigem Endergebnis hat die ÖVP mit Ex-Kanzler Kurz die Nationalratswahl in Österreich gewonnen. Die FPÖ rutscht ab, die Grünen jubeln und die SPÖ ist enttäuscht.