Wagner-Chef Prigoschin in Bachmut
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Wagner-Chef Prigoschin in Bachmut

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Wagner-Chef meldet Einnahme von Bachmut – Ukraine widerspricht

Nach monatelangen schweren Kämpfen um die ostukrainische Stadt Bachmut hat der russische Söldner-Chef Jewgeni Prigoschin deren Eroberung verkündet. Die Ukraine hingegen wies die Angaben als unwahr zurück - die Lage sei jedoch "kritisch".

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Der Chef der russischen Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, hat die komplette Einnahme der monatelang schwer umkämpften Stadt Bachmut in der Ostukraine verkündet. Eine Bestätigung von ukrainischer Seite oder offizieller russischer Seite gab es allerdings zunächst nicht.

"Heute um 12 Uhr mittags wurde Bachmut vollständig eingenommen", erklärte der Chef der Söldnergruppe in einem Video, veröffentlich im Onlinedienst Telegram. An seiner Seite sind bewaffnete Männer zu sehen, die mit ihm vor zerstörten Gebäuden stehen. "Wir haben die gesamte Stadt vollständig eingenommen, von Haus zu Haus", sagte Prigoschin.

Prigoschin will Bachmut an russische Armee übergeben

"Die Operation zur Einnahme von Bachmut hat 224 Tage gedauert", fügte der Wagner-Chef hinzu. Es sei nur Wagner dort gewesen, so Prigoschin, der sich in einem offenen Konflikt mit der russischen Militärhierarchie befindet. "Wir haben nicht nur mit der ukrainischen Armee gekämpft, sondern auch mit der russischen Bürokratie, die uns Steine in den Weg gelegt hat", sagte Prigoschin.

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  • Er warf Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow vor, die Offensive in "ihr eigenes Vergnügen" verwandelt zu haben: "Eines Tages in der Geschichte werden sie für ihre Handlungen bezahlen." Zugleich dankte er Präsident Wladimir Putin dafür, den Wagner-Kämpfern Gelegenheit gegeben zu haben, für Russland zu kämpfen. Das sei eine "große Ehre" gewesen, betonte Prigoschin, der als enger Vertrauter Putins gilt. Die Wagner-Truppe habe der "zerzausten russischen Armee geholfen, wieder zu sich zu finden".

    Prigoschin kündigte eine Übergabe der Stadt an das russische Militär an. Die Wagner-Kräfte zögen sich vom 25. Mai an aus Bachmut zurück.

    Ukraine bezeichnet Lage in Bachmut als kritisch

    Das ukrainische Militär erklärte, Bachmut sei nicht erobert worden. Prigoschins Angaben seien "nicht wahr", erklärte ein Sprecher der ukrainischen Streitkräfte. "Unsere Einheiten kämpfen in Bachmut." Auch das Verteidigungsministerium Russlands berichtete am Samstag erneut von Kämpfen in Bachmut.

    Das ukrainische Verteidigungsministerium bezeichnete die Lage in Bachmut gleichwohl als kritisch. "Schwere Kämpfe in Bachmut. Die Lage ist kritisch", erklärte die stellvertretende Verteidigungsministerin Hanna Maliar auf Telegram. Ukrainische Kräfte kontrollierten einige Industrie- und Infrastruktureinrichtungen in dem umkämpften Gebiet.

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    Bachmut seit Monaten schwer umkämpft

    Das einstmals von rund 70.000 Menschen bewohnte Bachmut ist Schauplatz der bisher längsten und schwersten Kämpfe seit der russischen Invasion der Ukraine vor 15 Monaten. Die Kontrolle über die Stadt gilt beiden Seiten als besonders prestigeträchtig.

    Die Ukraine will die Stadt nicht aufgeben, um einen Durchbruch der russischen Truppen weiter ins Landesinnere zu verhindern. Die Stadt ist der Hauptteil der nach der russischen Eroberung von Sjewjerodonezk und Lyssytschansk etablierten Verteidigungslinie zwischen den Städten Siwersk und Bachmut im Donezker Gebiet. Falls die Stadt fallen sollte, würde sich für die russischen Truppen der Weg zu den Großstädten Slowjansk und Kramatorsk eröffnen. Damit würde eine von Russland geplante vollständige Eroberung des Donezker Gebiets näher rücken.

    Mit Informationen von Reuters und AFP.

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