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Waffenruhe in Nordsyrien: Dauerhafte Lösung gefunden? | BR24

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Die Türkei hat überraschend eine dauerhafte Waffenruhe angekündigt. Der Friedensforscher Matthias Dembinski geht deshalb davon aus, dass der umstrittene Militär-Einsatz in Nordsyrien zu Ende ist.

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Waffenruhe in Nordsyrien: Dauerhafte Lösung gefunden?

Die Türkei hat überraschend eine dauerhafte Waffenruhe angekündigt. Der Friedensforscher Matthias Dembinski geht deshalb davon aus, dass der umstrittene Militär-Einsatz in Nordsyrien zu Ende ist.

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Der Friedensforscher Matthias Dembinski geht davon aus, dass der umstrittene Militär-Einsatz der Türkei in Nordsyrien zu Ende ist. Im Interview mit der Bayern 2-radioWelt sagte der Vize-Vorsitzende des Forschungsrats der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung zur nun verkündeten dauerhaften Waffenruhe:

"Das ist ganz offenbar das Ergebnis des Geschäftes oder der Verhandlungen, die der türkische Präsident Erdogan mit dem russischen Präsidenten Putin geführt hat, vor zwei Tagen. Danach wurde zunächst einmal die Waffenruhe verlängert, aber es sieht so aus, als sei eine dauerhafte Lösung gefunden." Matthias Dembinski, Friedensforscher

Während der türkische Präsident Erdogan eine dauerhafte Waffenruhe verkündete, sagte US-Präsident Trump, er werde die Sanktionen gegen die Türkei wieder aufheben.

Matthias Dembinski : "Es wird eine Schutzzone eingerichtet"

Nach dem Rückzug der kurdischen Kämpfer aus dem nordsyrischen Gebiet sei die gute Nachricht, dass jetzt die Möglichkeit geschaffen werde, mit diesem Abkommen die Kämpfe zu beenden und zumindest so etwas wie eine Friedhofsruhe in Syrien herzustellen. Doch es gebe auch eine Kehrseite: "Die schlechte Nachricht ist, dass dieser Frieden auf Kosten des schwächsten Konfliktteilnehmers geht und das sind wieder einmal die Kurden", sagt der Friedensforscher.

Vorstoß von Kramp-Karrenbauer

Vor dem Treffen der NATO-Verteidigungsminister sagte Dembinski zum Vorschlag von Bundesministerin Kramp-Karrenbauer, eine internationale Sicherheitszone einzurichten:

"Ich glaube, dieser Vorschlag hätte, wenn er früher gekommen wäre und wenn er richtig konsultiert worden wäre, vielleicht eine Chance gehabt. Mittlerweile haben Putin und Erdogan für klare Verhältnisse gesorgt. Ich glaube, die Sache ist gelaufen und damit ist auch dieser Vorschlag de facto vom Tisch." Matthias Dembinski, Friedensforscher

Putin und Erdogan hatten sich am Dienstag auf einen 10-Punkte-Plan für Nordsyrien geeinigt. Das sei ein wirklich zynisches und dreckiges Geschäft gewesen, so Dembinski. Erdogan ginge es darum, die kurdische YPG zu zerschlagen und die Bevölkerungsmehrheiten an der Grenze zu verändern. Putin habe ihm letztlich zugestimmt.

Der Kreml forderte die kurdischen Milizen unterdessen zum Rückzug auf. Den kurdischen Zivilisten sicherte Russland Schutz zu.