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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Naaman Omar

Im Nahen Osten ist in der Nacht eine Waffenruhe in Kraft getreten. Und bisher hält sie. Die Kämpfe der vergangenen Tage zwischen der radikal-islamischen Hamas in Gaza und der israelischen Armee hatten fast 250 Tote gefordert.

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Waffenruhe in Nahost hält über Nacht - Palästinenser feiern

Nach der brutalen Gewalteskalation zwischen militanten Palästinensern und Israel gilt seit dem frühen Morgen eine Waffenruhe. Tausende feierten in Gaza die erste Nacht ohne Angriffe. Aber die Bilanz ist verheerend und Frieden nicht in Sicht.

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Von
  • Kilian Neuwert
  • BR24 Redaktion

Autofahrer hupen, fahren teils Stoßstange an Stoßstange. Das Licht der Autoscheinwerfer ist das einzige, das die Straße erhellt. Die Gebäude rund herum sind dunkel. Es gibt keinen Strom.

Tausende feierten in Gaza-Stadt die erste Nacht ohne Angriffe, Freudenschüsse wurden gemeldet.

Um zwei Uhr Ortszeit trat eine Waffenruhe in Kraft. Zwischen Israel und militanten Palästinensergruppierungen im Gazastreifen. Elf Tage lang hatten sich beide Seiten zuvor bekämpft.

UN begrüßt Waffenruhe - Ernüchterung in Israel

Auch in Tel Aviv gingen Menschen in der Nacht auf die Straße. Einige sprachen mit Kamerateams. Die Meinungen eher skeptisch: "Ich denke, der Waffenstillstand hält keine acht Stunden", so ein Passant. "Die schießen wieder Raketen auf uns und werden versuchen, unsere Leute umzubringen."

"Ich denke es ist gut aus humanitären Gründen", erklärt ein anderer. "Damit die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten etwas zur Ruhe kommt. Aber ich denke nicht, dass Israel viel erreicht hat. Es gibt keine Vereinbarungen für die Zukunft. Nichts."

UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte die Waffenruhe. Er forderte alle Seiten auf, sich daran zu halten "Ich denke es wird sehr wichtig sein, die Waffenruhe nun aufrechtzuerhalten. Ich denke ein Programm für humanitäre Hilfe und Wiederaufbau in Gaza wird sehr wichtig sein. Und ich denke, es wird sehr wichtig sein, den Friedensprozess wieder mit Leben zu erfüllen, um eine Zweistaatenlösung zu erreichen."

Pünktlich um 2 Uhr kehrt Ruhe ein

Allen vorliegenden Informationen nach hält die Waffenruhe bislang. Kurz vor zwei Uhr in der Nacht hatten in südisraelischen Städten noch die Luftschutzsirenen geheult. Dann kehrte Ruhe ein. Pünktlich.

Über 4.300 Raketen haben militante Palästinenser seit Beginn der Eskalation auf Israel gefeuert, so die israelische Armee. Israel flog unter anderem Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen. Der Schlagabtausch kostete 232 Menschen im Gazastreifen und 12 Menschen in Israel das Leben.

US-Präsiden Biden dankt Ägypten für "entscheidende Rolle"

Dass nun eine Feuerpause eintritt – nach den heftigsten Gefechten seit Jahren – wird als Erfolg internationaler Vermittlungen gewertet. In einer Erklärung des Israelischen Ministerpräsidenten war von einer ägyptischen Initiative die Rede. Auch die USA hatten verhandelt.

US-Präsident Joe Biden dankte dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi und den "hochrangigen" ägyptischen Vertretern "die eine entscheidende Rolle gespielt haben."

Während international längst eine Waffenruhe gefordert wurde, hatte die Israelische Führung den Militäreinsatz in den vergangenen Tagen stets fortgesetzt. Man wolle die militanten Palästinensergruppierungen im Gazastreifen längerfristig schwächen, strategische Ziele erst erfolgreich bekämpfen – so lautete die Argumentation. Auch militante Palästinenser feuerten ungeachtet aller Aufrufe bis zuletzt weiter Raketen auf Israel.

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Der Nahost-Experte Stephan Stetter sieht momentan keine Chance auf einen dauerhaften Frieden. Es müsste ein wirklicher Friedensprozess gestartet werden - hier lägen viele Hoffnungen auf US-Präsident Joe Biden.

Hamas sieht sich als Siegerin

Ein Hamas-Sprecher sagte noch in der Nacht, das Palästinensische Volk habe den Aufstand unterstützt. Es wisse, dass es der Aufstand sei, der das Land befreien und die Heiligen Städten schützen werde.

Wie lange die Waffenruhe bei dieser Ausgangslage hält, muss sich erst noch zeigen. Denn so oft schwiegen die Waffen schon zwischen Israel und militanten Palästinensern. Zeitweise. Doch an den grundlegenden Problemen – am Konfliktszenario – hat sich wenig geändert.

Possoch klärt: Darum geht's beim Nahost-Konflikt

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