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Elf Tage lang haben sich Hamas und Israel bekriegt. Dann einigten sich beide Seiten gestern Abend auf eine Waffenruhe. Die hält offenbar bis jetzt. Doch wie stabil ist diese Ruhe?

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Waffenruhe im Nahost-Konflikt: Die Lunte raucht noch

Nach tagelangen Kämpfen ist in der Nahost-Region wieder Ruhe eingekehrt. Dennoch ist eine dauerhafte Lösung des Konflikts noch nicht erreicht. Das spiegelt sich auch in den Meinungen der Menschen wieder - sowohl bei Israelis als auch Palästinensern.

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Von
  • Kilian Neuwert

Die Geschäfte sind geöffnet in der israelischen Stadt Ashdod, Menschen sitzen in Cafés. Bilder aus der Stadt zeigen, wie das normale Leben zurückkehrt. Zum ersten Mal seit Anfang vergangener Woche müssen die Menschen hier keinen Raketenalarm fürchten, nicht in Schutzräume rennen, weil militante Palästinenser Raketen auf Israel feuern. Die Waffenrufe – heute wichtiges Gesprächsthema.

Israelis uneinig über Waffenruhe

Die Ansichten darüber gehen nämlich stark auseinander. Ein Cafébesucher sagt, er sei gegen die Waffenruhe, man solle lieber weiterkämpfen. Solange bis die Hamas völlig besiegt sei. "Wir sitzen jetzt hier, trinken friedlich unseren Kaffee, essen ein Croissant, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Operation in Gaza ansteht. Jetzt hätten wir die perfekte Gelegenheit auch zu gewinnen", so der Israeli.

Einige Tische weiter sieht es ganz anders aus: Dort sagt ein Gast, er stehe hinter der Waffenruhe. Nach tagelangen Kämpfen hätte man das meiste im Gazastreifen erreicht, was ging. "Weiterkämpfen bringt jetzt weder die Hamas endgültig zu Fall noch tun wir noch mehr, um sie abzuschrecken. Und noch was: Heute ist mein Geburtstag. Also hoffe ich mal, dass sich alle an die Waffenruhe halten und ich feiern kann", so seine Meinung.

Diese zwei Israelis – Mitte und Ende Zwanzig – können stellvertretend stehen für eine gespaltene israelische Bevölkerung. Die einen sehnen sich nach Frieden, den anderen gehen die Angriffe noch nicht weit genug.

Gleiches Bild in palästinensischen Gebieten

Ein Blick auf die sprichwörtliche andere Seite: Aufnahmen aus dem israelisch besetzten Westjordanland und aus dem Gazastreifen zeigen feiernde Palästinenser. Viele, aber längst nicht alle wünschen sich Frieden. Manche feiern die Waffenruhe als einen Sieg der Hamas, schwenken ihre grüne Fahne. Ein Mann sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es sei die Befreiung. "Wir haben gewonnen gegen die Juden, ihren Stolz haben wir gebrochen. Ich hoffe, Gott beschützt den Aufstand auch weiterhin", der der Palästinenser. Auch offiziell reklamieren sowohl die Hamas als auch Israel den Sieg für sich.

Mehrere kleinere Zusammenstöße gemeldet

Die Waffenruhe hält nun seit zwei Uhr in der Nacht, Ortszeit. Und das nach elf Tagen Krieg. Doch wie lange, das ist offen – und wird wohl auch davon abhängen, was weiter in Jerusalem passiert. Noch am Nachmittag kam es auf dem Tempelberg zu Zusammenstößen. Aufnahmen zeigen, wie Palästinenser Steine werfen und Israelische Sicherheitskräfte Tränengasgranaten verschießen. Ähnliche Vorfälle zählen zu den Auslösern der jüngsten Eskalation.

Deutliche Worte von Israels Regierung

Israels Ministerpräsident Netanjahu warnte unterdessen die Hamas vor weiteren Angriffen auf Israel: "Wenn die Hamas denkt, wir würden hier und da eine Rakete hinnehmen, irrt sie sich." Ausdrücklich betonte Netanjahu auch, dass er zu einer Bodenoffensive im Gazastreifen bereit gewesen wäre – hätte die Notwendigkeit dazu bestanden.

Es sind deutliche Worte. Sie scheinen der Logik der Abschreckung zu folgen. Die Botschaft an die Führung der militanten Palästinenser: Legt euch nicht wieder mit Israel an. "Wer nicht eliminiert wurde, weiß heute, dass unser langer Arm ihn überall erreichen kann. Über der Erde und auch unterhalb der Erde", so der israelische Premier.

Während Israelische Militärs in diesem Zusammenhang bekräftigten, alles für den Schutz der Zivilbevölkerung in Gaza getan zu haben, hob Verteidigungsminister Benny Gantz den für ihn zentralen Erfolg der Armee hervor: "Wir haben von der Hamas einen sehr hohen Preis gefordert. Wir haben ihre Fähigkeiten um Jahre zurückversetzt."

Weltweit positive Reaktionen auf Waffenruhe

International stieß die Waffenruhe auf viel positives Echo. Der EU-Außenbeauftragte Borrell hob den Einsatz der Staaten hervor, die als Vermittler agiert haben: Ägypten, Katar, die USA. Auch die Vereinten Nationen nannte Borrell.

Das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge warnte – genau wie andere Akteure – vor übertriebenen Hoffnungen. Die eigentlichen Probleme löse auch die Waffenruhe nicht. Der Direktor des Hilfswerks sagte: "Es wird wieder ein Krieg ausbrechen, solange die fundamentalen Ursachen nicht angegangen werden."

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Bislang hält die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Doch wie stabil ist die Ruhe? Aus Israel berichtet BR-Korrespondent Mike Lingenfelser.

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