Gepard Panzer der Bundeswehr

Waffen für die Ukraine: Wer liefert was?

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Waffen für die Ukraine: Wer liefert was?

Waffen für die Ukraine: Wer liefert was?

Nach massivem öffentlichen Druck hat Deutschland die Lieferung von Panzern an die Ukraine zugesagt. Bislang sollen nur einige wenige Nato-Staaten schwere Waffen geliefert haben. Nicht alles wird von den Ländern auch öffentlich gemacht.

Nach langer Debatte hat die Bundesregierung ihren Kurs geändert: Angesichts der russischen Invasion dürfen nun auch deutsche Panzer an die Ukraine geliefert werden. Die USA ist bislang Vorreiter bei der Lieferung schwerer Waffen. Bislang sollen wenige andere Nato-Staaten nachgezogen haben. Dabei wird aus taktischen Gründen nicht alles öffentlich gemacht. Was bislang bekannt ist - ein Überblick:

Paradigmenwechsel: Bundesregierung bietet Gepard an

Anlässlich eines Treffens auf der US-Militärbasis in Ramstein bei Kaiserslautern kündigte die Bundesregierung die Lieferung gebrauchter Panzer des Typs Gepard an die Ukraine an. Der Panzer Gepard dient der Flugabwehr. Dank seines Radarsystems mit einer Reichweite von 15 Kilometern ist er autonom einsetzbar und allwetterfähig bei Tag und Nacht. Konzipiert ist das 48-Tonnen schwere Gerät insbesondere zur Bekämpfung von Zielen in der Luft wie Kampfhubschraubern, Kampfjets und Drohnen. Aber nicht nur. Auch gegen Ziele am Boden kann der Panzer durchaus eingesetzt werden.

Der Gepard sei ein "mächtiges System", dessen zwei 35-Millimeter-Maschinenkanonen mehr Kampfkraft hätten als die eines Schützenpanzers etwa, sagen Militärexperten. Mit seinen Kanonen kann der Gepard unter anderem auch die Ketten von schweren Panzern zerstören und Ziele in bis zu sechs Kilometern Entfernung ins Visier nehmen. Seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 65 Stundenkilometern, seine Reichweite bei 550 Kilometern. Der Flugabwehrpanzer wurde noch in der Zeit des Kalten Kriegs entwickelt. Rund 570 Stück hat der Konzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) nach eigenen Angaben davon gebaut.

Gepard wurde bei der Bundeswehr ausgemustert

Vor zehn Jahren wurde der Gepard zugunsten anderer Systeme bei der Bundeswehr ausgemustert – durchaus zum Leidwesen der Truppe, wie es heißt. Seitdem stehen noch rund 50 ausrangierte Gepards bei KMW. Vor der Lieferung an die Ukraine müssten sie noch technisch überholt werden, heißt es. Die Standard-Besatzung eines Gepards besteht aus drei Personen: einem Fahrer, einem Kommandeur und einem Richtschützen, der die Ziele anvisiert. Die Ausbildung des Richtschützen dauert nach Bundeswehrangaben etwa sechs Wochen.

Wenn von schweren Waffen die Rede ist, dann oft im Zusammenhang mit Kampfpanzern. Dabei gehören auch Schützenpanzer, Haubitzen und andere Artilleriesysteme zu schweren Waffen dazu. Der Hauptunterschied zwischen Kampfpanzern zum Beispiel vom Typ Leopard oder T-72 und Schützenpanzern wie etwa Marder oder BMP liegt in der Bewaffnung und dem Verwendungszweck. Als Schützenpanzer werden in der Regel gepanzerte Kettenfahrzeuge bezeichnet, die in erster Linie für den Transport einer Infanteriegruppe konstruiert sind. Nach OSZE-Definition sind Kampfpanzer indes Kettenkampffahrzeuge, die mit einer um 360 Grad seitlich schwenkbaren Kanone mit einem Mindestkaliber von 75 Millimetern ausgerüstet sind.

Zwar sind Schützenpanzer im Vergleich zu Kampfpanzern wesentlich schwächer bewaffnet und gepanzert. Die Fahrzeuge können dennoch auch schwere Panzerabwehrlenkwaffen mit sich führen, die gegenüber Kampfpanzern eine nicht zu unterschätzende Bedrohung darstellen.

Kritik der Friedensforscher

Die Lieferung von gebrauchten Gepard-Flugabwehrpanzern an die Ukraine sei eher politisch bedeutsam als militärisch, vermutet der Projektleiter der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt am Main, Matthias Dembinski, in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das ukrainische Militär – so die Kritik – könnte mit den von der Bundeswehr längst ausrangierten Panzern, die vor allem in den 1970er und 1980er Jahren in Dienst gestellt wurden, nur etwas anfangen, wenn es diese auch zügig bedienen kann. Die Flugabwehr-Fahrzeuge seien jedoch mit ihrer Radarerfassung und Elektronik nicht einfach zu handhaben.

Ob Deutschland weitere Panzer an die Ukraine liefert, hänge vermutlich vom Verlauf des Krieges ab, meint der Friedensforscher. Hintergrund sind Berichte, wonach der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall der Bundesregierung gebrauchte Leopard-1-Kampfpanzer und Marder-Schützenpanzer anbieten soll. Wie es heißt, habe Rheinmetall bei der Bundesregierung dementsprechend beantragt, die Lieferung von 88 gebrauchten Leopard-Kampfpanzern zu genehmigen. Ein weiterer Rheinmetall-Antrag bezieht sich auf 100 Schützenpanzer vom Typ Marder. Nach Informationen der Zeitung "Die Welt" hat außerdem der Konzern Krauss-Maffei Wegmann beantragt, 100 Panzerhaubitzen vom Typ 2000 in die Ukraine liefern zu dürfen.

T-72-Kampfpanzer aus Slowenien, Tschechien und Polen

Vor der in Ramstein verkündeten Entscheidung, der Ukraine schwere Waffen zu liefern, hatte die Bundesregierung bereits einen Ringtausch mit mehreren Osteuropäischen Staaten in Aussicht gestellt. So soll die slowenische Armee den Schützenpanzer Marder sowie den Radpanzer Fuchs aus Deutschland bekommen. Im Gegenzug soll Slowenien aus seinen Beständen die noch in der Sowjetunion entwickelten T-72-Kampfpanzer an die Ukraine liefern.

Tschechien war laut Nato-Kreisen das erste Land, das Kampfpanzer sowjetischer Bauart lieferte. Polen soll neben Drohnen und Javelin-Panzerabwehrsystemen ebenfalls Kampfpanzer in die Ukraine geliefert haben. Medienberichten zufolge soll es sich dabei um 40 Kampfpanzer des sowjetischen Typs T-72 handeln. Allerdings gibt es dafür keine offizielle Bestätigung. Die Slowakei überließ der Ukraine zudem ihr aus Sowjet-Zeiten stammendes Flugabwehr-Raketensystem S-300. In Bratislava wird darüber hinaus auch über die Lieferung von MiG-29-Kampfjets an Kiew diskutiert.

USA gehen bei schweren Waffen voran

Die meisten schweren Waffen an die Ukraine liefern bisher die USA. Darunter sind Javelin-Panzerabwehrsysteme, Haubitzen, gepanzerte Fahrzeuge, Drohnen und Stinger-Raketen sowie Hubschrauber und gepanzerte Mannschaftstransporter. Außerdem haben die USA eine eigens auf die ukrainischen Bedürfnisse zugeschnittene Drohne mit dem Namen "Phoenix Ghost" entwickelt. Von Kampfpanzern ist indes – bislang zumindest offiziell nicht die Rede.

Seit Kriegsbeginn sagten die USA der Ukraine Waffen und Munition im Wert von mehr als 3,7 Milliarden US-Dollar zu oder lieferten diese bereits. US-Präsident Joe Biden hat Ende April zudem angekündigt, den Kongress um die Bewilligung von weiteren 33 Milliarden US-Dollar zu bitten. 20 Milliarden davon sollen für Militärhilfe genutzt werden. Etwa 8,5 Milliarden sind für wirtschaftliche Unterstützung vorgesehen. (Stand 29.04.2022)

Panzerabwehr-Systeme aus Großbritannien, Haubitzen aus Frankreich

Großbritannien hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 200.000 Waffen an die Ukraine geliefert, darunter 4.800 Panzerabwehr-Waffen vom Typ NLAW und eine kleine Anzahl vom Typ Javelin. Weitere Waffen sind angekündigt. Frankreich liefert zudem schwere Artillerie, darunter Caesar-Haubitzen, die für ihre einfache Handhabung bekannt sind. "Man kann an einem Vormittag lernen, wie sie funktionieren", erläutert der Militäringenieur Marc Chassillan. Im Gegensatz dazu seien die deutschen Gepard-Panzer mit ihrem "ausgeklügelten" und "höchst anspruchsvollen" radargesteuerten Waffensystem wesentlich schwieriger zu bedienen, erklärt Chassillan. Die Ausbildung erfordere mehrere Wochen.

Der Umgang mit deutschen Marder-Panzern, deren Entsendung ebenfalls in Betracht gezogen wurde, dürfte hingegen keine großen Probleme bereiten, heißt es. "Selbstfahrende Artillerie, Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge können den ukrainischen Streitkräften eine beträchtliche Schlagkraft verleihen und sogar einige Fähigkeiten wiederherstellen, die durch zwei Monate Krieg geschwächt sind", ergänzt Léo Péria-Peigné vom französischen Institut für internationale Beziehungen (Ifri).

Schweiz verweigert Zustimmung zur Lieferung von Marder-Munition

Der Plan Deutschlands, Marder-Panzer an die Ukraine zu liefern, wurde indes durch die Abhängigkeit von Munition aus Schweizer Produktion durchkreuzt. Die Schweizer Regierung legte unter Berufung auf die Neutralität des Landes ihr Veto gegen die Lieferung von Munition über Deutschland an die Ukraine ein. Das sei kurzfristig weitaus gefährlicher als die Frage der Ersatzteile, meint der französische Wissenschaftler Péria-Peigné gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Außerdem sei die Ausbildung an den gelieferten Waffen nicht die einzige Herausforderung. Manche Fahrzeuge und Militärgeräte erforderten eine ganze Logistikkette, um im Falle von Pannen oder Gefechtsschäden Wartung und Ersatzteile bereitzustellen. Doch angesichts des "industriellen Potenzials der Ukraine" und ihrem "Know-how im Bereich der Militärfahrzeuge und der Schwerindustrie" hält der Rüstungsexperte Péria-Peigné diese Aufgabe für lösbar.

Keine Waffen mehr aus Griechenland

Wie es heißt, wolle Griechenland unterdessen keine weiteren Waffen mehr an die Ukraine liefern. "Die Ausrüstung, die wir in die Ukraine geschickt haben, stammt aus unseren Beständen. Es wird nicht in Betracht gezogen, mehr zu schicken", zitiert das Nachrichtenportal "Euracitv" den griechischen Verteidigungsminister Nikos Panagiotopoulos. Zuvor hat die griechische Regierung Kalaschnikows und Raketenwerfer in die Ukraine geschickt.

Defensivwaffen aus Spanien und Norwegen

Fast alle Bündnisstaaten der Nato hatten bisher eher leichtere, meist defensive Waffensysteme geliefert. Dazu gehören Panzerabwehrraketen sowie Luftabwehrgeschütze und Radarsysteme. "Damit war die ukrainische Armee sehr gut aufgestellt für die Verteidigung ihrer Städte", erläutert der Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom. Was in Kiew zum Scheitern der russischen Eroberungsversuche beitrug, sei jetzt allerdings bei den Kämpfen im Osten der Ukraine nicht mehr ausreichend. So liefert Kanada der Ukraine nunmehr auch Haubitzen. Bislang hatte sich Ottawa vor allem auf die Lieferung von Handgranaten und Munition beschränkt.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus ukrainischen Regierungskreisen erfuhr, soll Deutschland seit Beginn des Krieges unter anderem rund 2.500 Luftabwehrraketen, 900 Panzerfäuste mit 3.000 Schuss Munition, 100 Maschinengewehre, mehr als 16 Millionen Schuss Munition verschiedener Kaliber für Handfeuerwaffen vom Sturmgewehr bis zum schweren Maschinengewehr sowie 15 Bunkerfäuste mit 50 Raketen und 100.000 Handgranaten an die Ukraine geliefert haben. (Stand: 21.04.2022)

Militärausrüstung erhält die Ukraine auch aus Spanien. Allerdings bisher ausschließlich zu Verteidigungszwecken, so zumindest offizielle Informationen. Wie der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez bei seinem Besuch in Kiew ankündigte, habe sein Land 200 Tonnen moderner Munition sowie unterschiedliche Militärgerätschaften Richtung Ukraine auf den Weg gebracht. Darunter 30 Lastwagen, mehrere schwere Spezialfrachtfahrzeuge und zehn leichte Fahrzeuge. Norwegen kündigte zudem die Lieferung von 100 Flugabwehrraketen vom Typ Mistral sowie Anti-Panzer-Waffen an.

Nato-Staaten halten sich mit Informationen zurück

Wie viele und vor allem welche schweren Waffen an die Ukraine tatsächlich geliefert werden, lässt sich kaum ermitteln. Etliche Bündnispartner der westlichen Allianz halten sich mit diesbezüglichen Informationen äußerst zurück. Als Grund geben die betroffenen Staaten in der Regel Sicherheitsfragen an. So werden von Frankreich und Italien etwa so gut wie keine Details über Lieferungen von schweren Waffen an die Ukraine veröffentlicht. Auch aus Norwegen hieß es zuletzt, man denke zwar über schwere Waffen nach – geliefert werden aber erst einmal weiterhin Flugabwehrraketen. Etwas konkreter wurde Großbritanniens Premierminister Boris Johnson. Er lasse prüfen, Raketen für Angriffe auf Schiffe an die Ukraine zu liefern, kündigte Johnson an. Die Ukraine werde zusätzliche Artillerie als Hilfe benötigen, "das ist das, was wir ihnen geben werden", sagt der britische Regierungschef.

Auch der belgische Ministerpräsident Alexander de Croo erklärte: "Wir versuchen, so gut wie möglich auf die Wünsche der Ukraine einzugehen." Welche Waffen geliefert werden, wollte er nicht genau sagen, nur so viel: In Belgien schaue man jetzt "auf die Frage des schweren Militärmaterials". Ähnlich hört sich das auch bei Marc Rutte, Regierungschef der Niederlande, an. "Wir sind eigentlich vorsichtig mit Meldungen", sagt Rutte, kündigt aber an, der Ukraine schweres Material zu liefern. Darunter die aus deutscher Herstellung stammenden Artilleriegeschütze vom Typ "Panzerhaubitze 2000".

Bilder aus dem Kriegsgebiet.

Bildrechte: BR

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