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Vorstellungsgespräch per Videokonferenz: Tipps für Bewerber | BR24

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In Video-Vorstellungsgesprächen kommen Bewerber oft schlechter weg

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  • Artikel mit Video-Inhalten

Vorstellungsgespräch per Videokonferenz: Tipps für Bewerber

Wegen Corona boomt die Nachfrage nach Online-Vorstellungsgesprächen. Der digitale Bewerbungsprozess hat Vorteile, doch es zeigt sich: In digitalen Jobinterviews kommen Bewerber oft deutlich schlechter weg als im persönlichen Vorstellungsgespräch.

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Von
  • Ilanit Spinner

Digitale Jobinterviews gewinnen an Bedeutung – gerade wenn es um ein erstes Kennenlernen geht. Die Nutzerzahlen bei Programmen für Videotelefonie wie Skype oder Zoom explodieren. Bei Video-Recruiting-Plattformen haben sich die Anfragen von Unternehmen verdreifacht. Damit verstärkt das Coronavirus einen Trend, der ohnehin zu beobachten war.

Digitale Vorstellungsgespräche bringen viele Vorteile

Und das bringt viele Vorteile. Sowohl Bewerber als auch Personaler erlangen durch die virtuellen Interviews mehr Flexibilität und sparen Zeit. Zudem fallen Reisekosten weg und viele Menschen sind in der vertrauten Umgebung weniger nervös als im persönlichen Gespräch vor Ort. Auch inhaltlich gibt es kaum Unterschiede zum bisherigen Prozedere.

Doch organisatorisch kommt einiges auf die Bewerber zu, weiß Karrierespezialistin Carin Pawlak von der Hamburger Personalberatungsfirma Hapeko mit Beratungsstellen in ganz Deutschland. In der Datenbank des Unternehmens sind eine halbe Million Profile von Kandidaten hinterlegt, jedes Jahr werden dort 1.200 Stellen in Deutschland vermittelt. "Es ist wichtig, sich beim Vorstellungsgespräch um eine begehrte Stelle von der besten Seite zu zeigen," sagt Pawlak. Doch das ist in der virtuellen Welt gar nicht so einfach, denn am Bildschirm geht das Zwischenmenschliche eher verloren und das gesprochene Wort rückt viel stärker in den Mittelpunkt.

Bewerber schneiden digital schlechter ab

In einer aktuellen Studie der Universität Ulm haben Psychologen herausgefunden, dass Bewerber in digitalen Gesprächen deutlich schlechter abschneiden als im persönlichen Interview. Und das liegt vor allem an der nonverbalen Kommunikation. Blickkontakt, Körperhaltung oder Gestik finden im Online-Bewerbungsgespräch weit weniger statt als im analogen Treffen.

Der Effekt: Die digital interviewten Personen werden im Hinblick auf ihre Leistung negativer bewertet als diejenigen, die persönlich interviewt wurden. Arbeitnehmer müssen sich also rüsten für das neue Auswahlinstrument. Wer folgende Dinge beachtet, hat gute Chancen, auch online einen bestmöglichen Eindruck zu hinterlassen, meint Karrierecoach Walter Feichtner und gibt Tipps für ein gelungenes digitales Bewerbungsgespräch.

Tipps vom Karrierecoach für einen gelungenen Online-Auftritt

1. Technik

Ein Technikcheck ist unumgänglich, denn eine funktionierende Schalte ist die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Videointerview. Dazu gehört auch, sich mit den Tools oder der Software auseinanderzusetzen, die später gebraucht werden. Zu spät kommen, weil noch schnell ein Account angelegt oder Kamera- und Mikrofon-Tests absolviert werden müssen, macht in jedem Fall keinen guten Eindruck.

2. Der Testlauf

Das Videointerview muss immer geprobt werden. Auf diese Weise lassen sich etwaige Fehlerquellen aufspüren und man geht optimal vorbereitet in das Gespräch. Ideal ist es, das Szenario aufzunehmen und einem Freund oder Bekannten zu schicken. So erhalten sie ehrliches Feedback von jemandem, der Sie kennt und nicht nur beurteilen kann, was Sie sagen, sondern auch, ob die Körpersprache und die Stimme gut rüberkommen.

3. Der Ton macht das Gespräch

Nicht nur visuelle Eindrücke können irritieren. Schon im Vorfeld sichergehen, dass zum Zeitpunkt des Gesprächs möglichst kein Lärm herrscht. Wichtig ist zudem eine ruhige Atmosphäre, so dass die Konzentration im Gespräch nicht gestört wird. Bedeutet: Küchenradio aus, auch wenn Sie im Wohnzimmer sitzen und Waschmaschine nicht nebenher laufen lassen. Zudem am besten die Klingel und das Handy stumm stellen.

4. Die Umgebung

Eine ansprechende Umgebung ist wichtig. Der Wäscheberg, der offene Kühlschrank oder die schmutzige Topfsammlung – alles Alltagsdinge, die jeder von uns aus den eigenen vier Wänden kennt. Nur muss das bei einem Bewerbungsgespräch den zukünftigen Vorgesetzten ja nicht unbedingt unter die Nase gerieben werden. Also neutraler Hintergrund, wie zum Beispiel ein Bücherregal oder das Arbeitszimmer, so bleibt das Wesentliche im Fokus.

5. Kleidung

Kleidung verstärkt nicht nur unseren Eindruck nach außen, sondern auch unser Selbstempfinden. Es lohnt sich deswegen, auch den Teil des Körpers zu stylen, den der Interviewpartner gar nicht zu Gesicht bekommt. Also keine Jogginghose tragen, nur weil man diese im Bildausschnitt nicht sieht, sondern sich genauso kleiden, als würde man zu einem klassischen Bewerbungsgespräch gehen. Und ein bisschen Puder kann dabei helfen, unerwünschten Glanz aus dem Gesicht zu nehmen.

6. Die Vorbereitung

Am besten schon etwa eine Stunde vor Interviewbeginn mit den Vorbereitungen starten. Rechner hochfahren, alle wichtigen Unterlagen bereithalten. Ein Stichwortzettel kann darüber hinaus im Gespräch unterstützend wirken. Falls Sie beim Sprechen einen trockenen Mund bekommen, lohnt es sich, ein Glas Wasser bereitzustellen.

Zum Schluss noch ein letzter Tipp vom Karrierecoach: die Webcam unbedingt auf Augenhöhe ausrichten. Denn dieser Winkel kommt dem natürlichen Augenkontakt am nächsten und lässt den Bewerber auf Anhieb sympathischer wirken. So klappt dann auch die nonverbale Kommunikation mit dem zukünftigen Arbeitgeber.

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Corona wirkt sich auch auf die Jobsuche aus. Bewerbungsgespräche finden immer häufiger online statt. Das erfordert besondere Sorgfalt bei der Vorbereitung.

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