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In Paris werden Schaufenster mit Verschalungen geschützt
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Barbara Kostolnik
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In Paris werden Schaufenster mit Verschalungen geschützt

Normalerweise würde sich der Einzelhandel in Paris über einen verkaufsstarken Samstag in der Vorweihnachtszeit freuen - doch derzeit ist kein Wochenende normal. Erneut werden Proteste der "Gelbwesten" erwartet - befürchtet werden schwere Ausschreitungen wie am vergangenen Wochenende.

Vor den Protesten hat sich Premierminister Edouard Philippe am Freitagabend mit gemäßigten Vertretern der "Gelbwesten" getroffen. Ein Sprecher der Gruppe sagte danach, dass Philippe versprochen habe, deren Forderungen an Präsident Emmanuel Macron weiterzuleiten. "Jetzt warten wir auf Herrn Macron." Die sieben Aktivisten gehören allerdings zu den "freien Gelbwesten", die sich gegen eine Beteiligung an der Demonstration ausgesprochen haben.

Zehntausende Polizisten mobilisiert

Der Präsident selbst traf am Abend in einem Vorort der französischen Hauptstadt Polizisten, die auf dem Boulevard Champs-Elysées eingesetzt werden sollen. Medienvertreter waren bei dem einstündigen Termin nicht dabei; nach Mitteilung von Macrons Büro dankte der Präsident den Polizisten.

Allein in Paris werden nach Angaben der Regierung 8.000 Polizisten eingesetzt, landesweit wurden etwa 89.000 Sicherheitskräfte mobilisiert. Sie sollen schwere Ausschreitungen wie am vergangenen Samstag verhindern. Erstmals seit 2005 sind spezielle gepanzerte Fahrzeuge im Einsatz, die Barrikaden durchbrechen können.

Eiffelturm geschlossen, Stadien bleiben leer

Aus Angst vor Zerstörungen und Plünderungen bleiben viele Läden und Sehenswürdigkeiten in Paris geschlossen. So werden der Eiffelturm, die Pariser Oper, zahlreiche Denkmäler und Museen - darunter auch der weltbekannte Louvre - und das Ausstellungsgebäude Grand Palais nicht zugänglich sein. Zahlreiche Geschäfte versuchen, sich mit Holzplatten gegen Zerstörungen zu wappnen.

Auch mehr als die Hälfte der geplanten Fußballspiele wurden abgesagt. Dazu zählen auch das geplante Topspiel zwischen Paris Saint-Germain und dem HSC Montpellier sowie die Partie zwischen Toulouse und Lyon. Offenbar werden die Polizisten, die normalerweise die Partien absichern, an anderen Orten eingesetzt.

"Gelbwesten" und Bauern auf den Straßen

Die "Gelbwesten" fordern den Rücktritt Macrons sowie allgemeine Steuersenkungen, höhere Renten und Löhne. Die bisherigen Zusagen der Regierung reichen den Aktivisten nicht aus. Die Proteste entzündeten sich vor vier Wochen an Macrons Plänen, die Kraftstoffsteuern anzuheben. Für Pendler bedeutet das eine Erhöhung ihrer monatlichen Kosten. Viele Durchschnittsverdiener werfen Macron vor, ein Präsident der Reichen zu sein.

Nicht nur die "Gelbwesten" wollen demonstrieren. Auch die Landwirte haben Proteste angekündigt. Ein Grund für die Wut der Bauern sei "Agri-Bashing" - also pauschale Angriffe auf den Berufsstand der Bauern, hieß es von der Bauerngewerkschaft. Die Landwirte fühlten sich gedemütigt.

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Barbara Kostolnik

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B5 Nachrichten vom 08.12.2018 - 06:45 Uhr