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Vor Geberkonferenz: Millionen Kinder im Jemen von Hunger bedroht | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Hani Al-Ansi

Carsten Kühntopp über die Hungersnöte der Kinder im Jemen

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Vor Geberkonferenz: Millionen Kinder im Jemen von Hunger bedroht

Laut Unicef sind 2,3 Millionen Kinder unter fünf Jahren im Jemen von akuter Mangelernährung bedroht. Rund 400.000 von ihnen kämpfen täglich ums Überleben. Heute soll die Geberkonferenz in Genf neue Hilfen für das Bürgerkriegsland beschließen.

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Von
  • Carsten Kühntopp
  • Regina Wallner
  • B5 aktuell

Vor der heutigen internationalen Geberkonferenz für den Jemen hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) auf die verheerende Lage in dem Bürgerkriegsland aufmerksam gemacht. "Heute geht es nicht nur darum, im Jemen eine akute Hungersnot abzuwenden. Neue blutige Kämpfe um Marib, Cholera- und Polio-Ausbrüche, Heuschreckenplagen - die Not der Menschen sprengt jede Vorstellungskraft", erklärte Maas. Er kündigte eine "substanzielle neue Hilfszusage" Deutschlands für das Land an.

Maas kündigt weitere deutsche Hilfen für den Jemen an

Deutschland ist bereits jetzt einer der wichtigsten humanitären Geber, betonte Maas. Bei der virtuellen Geberkonferenz in Genf, wird die Bundesregierung mit einer weiteren Hilfszusage vorangehen "und eindringlich dafür werben, dass andere es uns gleich tun".

Maas kritisierte, dass "einzelne Staaten sich ihrer Verantwortung" entziehen und Bürgerkriegsparteien die humanitäre Hilfe für die jemenitische Bevölkerung blockieren.

"Das Leid der Menschen im Jemen ist von Menschen gemacht. Hoffnung auf echte Besserung gibt es nur, wenn es endlich gelingt, die Kämpfe zu stoppen." Heiko Maas, Bundesaußenminister

Jemen-Konflikt hat jetzt Priorität in USA

Dass die neue US-Regierung von Präsident Joe Biden den Jemen-Konflikt zu einer Priorität gemacht hat und sich voll hinter die Vermittlung des UN-Sondergesandten Martin Griffiths gestellt hat, ist ein wichtiges Zeichen, erklärte Maas. Jetzt müssen alle mithelfen, damit die Diplomatie im Jemen einen Fuß auf den Boden bekommt.

Schwerste humanitäre Krise der Welt

Im Jemen herrscht seit fast sechs Jahren Krieg zwischen den von Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und den Huthi-Rebellen, hinter denen der Iran steht. Das führte am 26. März 2015 zur Intervention einer vom Nachbarn Saudi-Arabien geführten Militärallianz. Zehntausende Menschen wurden getötet, Millionen Einwohner mussten flüchten. Die Vereinten Nationen stufen die Lage im Jemen als schwerste humanitäre Krise der Welt ein.

Virtuelle Geberkonferenz in Genf: 3,18 Milliarden Hilfen

Am Montag richten die UNO, die Schweiz und Schweden in Genf eine virtuelle Geberkonferenz für die jemenitische Zivilbevölkerung aus. Insgesamt 3,18 Milliarden Euro an internationalen Hilfen sollen mobilisiert werden. Vergangenes Jahr waren 1,9 Milliarden Dollar für das Land zusammengekommen und damit nur halb so viel wie gefordert.

400.000 Kinder kämpfen täglich ums Überleben

Im Jemen sind Schätzungen zufolge 2,3 Millionen Kinder unter fünf Jahren von akuter Mangelernährung bedroht. Rund 400.000 von ihnen sind so schwer mangelernährt, dass sie jeden Tag um ihr Überleben kämpfen, wie die Unicef in Köln mitteilte. Anlass dieser Zahlen UN-Geberkonferenz. Fast alle der mehr als zwölf Millionen Kinder im Jemen benötigen humanitäre Hilfe. Unicef sprach von einer "lautlosen Tragödie der Kinder" in dem Land.

"Für Kinder im Jemen ist die Situation unerträglich geworden. Sie brauchen ein Ende der Gewalt. Wir müssen alles tun, um Leben zu retten, sie zu schützen und ihnen eine Perspektive für die Zukunft zu geben." Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen benötigt für 2021 rund 576,9 Millionen US-Dollar, um lebensrettende Hilfe für Mädchen und Jungen im Jemen zu leisten. Die Wirtschaft dort liegt in Trümmern. Auch grundlegende öffentliche Dienstleistungen, Schulen, sowie die Trinkwasser- und Sanitärversorgung sind vielerorts zusammengebrochen. Nur die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen ist noch funktionsfähig. Hinzu kommt die Covid-19-Pandemie. Mindestens zwei Millionen Kinder gingen schon vor Beginn der Pandemie nicht zur Schule, wie es heißt. Nun ist der Unterricht von 5,8 Millionen weiteren Kindern unterbrochen.

Gewalt, Hunger und Not prägten die Kindheit von Millionen Mädchen und Jungen. Seit Beginn des Konflikts wurden Unicef zufolge fast 3.200 Kinder getötet und über 6.200 verletzt - die tatsächlichen Zahlen sind vermutlich aber viel höher.

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