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Vor der Präsidentenwahl: Polnische Spaltung tiefer denn je | BR24

© picture alliance / NurPhoto

Polen steht vor einer Stichwahl.

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    Vor der Präsidentenwahl: Polnische Spaltung tiefer denn je

    Die erste Runde der Wahl zeigte altbekannte Muster auf, die die politischen Präferenzen in Polen zu bestimmen scheinen: Das Land wählt rechts, die Stadt liberal. Der Westen Trzaskowski, der Osten Duda. Wie lange hält ein Land das aus?

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    Der polnische Stand-Up-Comedian Abelard Giza aus Danzig hatte unlängst den Vorschlag, Polen wieder zu teilen: in ein konservatives Polen von Papst Johannes Paul II., und in eine liberale "Polen-GmbH".

    "Im Polen Johannes Pauls' überall Denkmäler zu Ehren derer, die gestorben sind, und derer, die noch nicht geboren sind. Polen-GmbH, klar, ohne Hymne, ohne Fahne, wer braucht das. Wenn ein Sportler irgendwo siegt, stellt er sich aufs Podium und singt seinen Lieblingspopsong." Abelard Giza

    Das Land wählt rechts, die Stadt liberal

    Was hier so leichtfüßig erheitert, hat Polen tiefernst im Griff: Die Spaltung des Landes vertieft sich immer mehr. Analysen nach der ersten Runde der Präsidentenwahl zeigten, dass einige westliche Verwaltungsbezirke liberal stimmten, der Osten hingegen geschlossen für den Konservativen Andrzej Duda. Herausforderer Rafal Trzaskowski hat seine Stammwähler in den Städten, Duda auf dem Land. Menschen mit höherer Bildung wählen tendenziell bürgerlich-liberal, die mit einfachem Abschluss eher konservativ.

    Polarisierung von Werten

    Politische Präferenzen, die in den 90er-Jahren noch flexibel waren, verschmelzen mit grundlegenden Lebenseinstellungen und Weltbildern, diagnostiziert Krystyna Skarzynska, Sozialpsychologin an einer Warschauer Privat-Uni: "Diese Polarisierung existiert. Verglichen mit Forschungsergebnissen von 2014 oder 15 sehen wir heute eine Polarisierung der Werte. Früher haben wir eine so starke Verbindung zwischen persönlich akzeptierten Werten und politischen Präferenzen nicht festgestellt. Und bei der Frage nach den Ursachen landet man meines Erachtens bei der politischen Narration. Politiker erschaffen die Polarisierung."

    Die politischen Lager festigen sich

    Die politischen Lager festigen sich und der politisch Andersdenkende wird zum Feind der eigenen Lebensart und Identität. Zwar versucht sich Duda-Herausforderer Trzaskowski im aktuellen Wahlkampf als Brückenbauer. Dies fällt jedoch schwer, da man ihm seine Zugehörigkeit zu der gebildeten, weltläufigen Warschauer Elite ansieht.

    Amtsinhaber Duda hingegen präsentiert sich als Mann des einfachen Volkes. Bei einem Auftritt in der Provinz versprach er "eine Politik, die für Menschen sorgt, nicht eine, die sich ausschließlich um die Elite kümmert".

    Medien leisten Beihilfe

    Beihilfe leisten auch die Medien. Das staatliche Fernsehen ist auf dem Land oft die einzige Quelle von Informationen. Es mobilisiert gegen Eliten, Oppositionelle, Ausländer – und für die Regierungspartei.

    Private Sender wiederum rückten selbst mehr ins Oppositionslager und zeigen zum Teil regierungsfeindliche Berichte. Dies fördert die Spaltung Polens in seine zwei Lager. Der Kabarettist Giza sieht voraus: "Vielleicht wären wir glücklicher, wenn wir in zwei Ländern leben könnten. Wenn wir endlich richtig geteilt wären, könnten wir uns auch offiziell den Krieg erklären."

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