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Vor der Nationalratswahl in Österreich: SPÖ tut sich schwer | BR24

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Umfragen zufolge könnte es nach der Wahl in Wien eine Neuauflage der schwarzblauen Koalition geben. Das klingt so, als bliebe alles beim Alten. Aber stimmt das? Was bewegt die Österreicher? Eine Reportage von Andrea Beer und Clemens Verenkotte

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Vor der Nationalratswahl in Österreich: SPÖ tut sich schwer

Umfragen zufolge könnte es nach der Wahl in Wien eine Neuauflage der schwarz-blauen Koalition geben. Die Sozialdemokraten weinen besseren Zeiten nach.

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Im Innenhof der Arbeiterkammer von Jennersdorf im südöstlichen Burgenland sitzen an diesem sonnigen Septembernachmittag schätzungsweise 100 Menschen an langen Biertischen zusammen: Freunde, Parteimitglieder der SPÖ, Gewerkschaftler, Familienangehörige. Die meisten kennen sich gut.

Gastgeber ist Edmund Artner, der Regionalsekretär des österreichischen Gewerkschaftsbundes für Güssing und Jennersdorf – ein großer, humorvoller Mann, der unter den Gästen auch seinen Vater begrüßt, der lachend in die Runde winkt. Dann richtet Edmund Artner, den alle Jimmy nennen, den Blick auf das Wesentliche:

"Am 29. September werden über 6,4 Millionen Österreicherinnen und Österreicher den Nationalrat wählen. Das heißt, es ist für uns im Südburgenland wichtig, dass genau diese Anliegen der Bürgerinnen und Bürger in Wien gehört werden." Edmund Artner, Regionalsekretär des österreichischen Gewerkschaftsbundes für Güssing und Jennersdorf

In Umfragen gleichauf mit der FPÖ

Bis zur Bildung der schwarzblauen Koalition 2017 hat die SPÖ jahrzehntelang fast durchgehend Regierungsverantwortung getragen. Doch mit den vorgezogenen Neuwahlen tun sie sich schwer.

Das ist an den Umfrageergebnissen abzulesen: Vom Ibiza-Skandal haben die Sozialdemokraten in der Wählergunst nicht profitieren können. Etwa gleichauf mit der FPÖ liegen sie seit Wochen bei rund 20 Prozent.

"Wenn man den Umfragen Glauben schenken darf, dass die Türkis-Schwarzen, wenn man das so nennen darf, extrem zulegen, und eigentlich aus diesem Skandal, Ibiza Skandal und aus der Sprengung der Koalition gar nichts verloren haben, und der Kurz eigentlich machen kann, was er will – also, ich persönlich glaube diesen Umfragen nicht. Umfragen müssen sich erst bestätigen." Edmund Artner, Regionalsekretär des österreichischen Gewerkschaftsbundes für Güssing und Jennersdorf

Christian Six, ein Gewerkschaftsfunktionär, der aus Hartberg in der Steiermark mit seiner Frau nach Jennersdorf gekommen ist, spricht aus, was viele langgediente Sozialdemokraten hoffen: Dass das Wahlergebnis die nicht sehr guten Umfragewerte Lügen strafen wird.

"Ja liebes, tolles Publikum. Wenn man da reinschaut, das können nicht die Hendl sein, die gut sind. Es kann nicht das Wetter sein, es muss der Jimmy sein und sein Team, dass er es bringt, dass Ihr immer wieder herkommt." Christian Six, Gewerkschaftsfunktionär, aus der Steiermark

Zu viele Kompromisse, zu wenig eigenes Profil

Christian Drobits, der Spitzenkandidat der burgenländischen SPÖ für die Nationalratswahl, kennt viele Gesichter im Publikum: Seit über 20 Jahren ist der 51-jährige Jurist bei der Arbeiterkammer tätig, vertritt Arbeitnehmer und Angestellte in Rechtsstreitigkeiten gegenüber Firmen und Unternehmen. Dem burgenländischen Landtag, in dem die Sozialdemokraten mit der FPÖ koalieren und die Regierung stellen, gehört Christian Drobits seit 2015 an. Ausgestattet mit einem gut entwickelten politischen Wahrnehmungsvermögen analysiert er die aktuelle Situation seiner Partei am Rande der Kundgebung so:

"Ich denke mir, es hat eine Vorgeschichte gegeben, wo die SPÖ mit der ÖVP jahrelang eine Kompromisspolitik betrieben hat, die dazu geführt hat, dass die Gruppen der Arbeiter und der Pensionisten, wenn es um das Einkommen gegangen ist, meiner Meinung nach immer wieder Schritt für Schritt verloren hat gegenüber den Anderen. Und diese Gruppe der Arbeiter und der Pensionisten hat sich dann halt anderen Parteien zugewandt, aber jedenfalls nicht mehr der SPÖ." Christian Drobits, Spitzenkandidat der burgenländischen SPÖ

Dieser Artikel ist einer Serie, die sich vor den Wahlen in Österreich am 29. September, mit den Parteien befasst.