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Papst Franziskus
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Papst Franziskus

Auch bei seiner Reise nach Irland wird den Papst ein Thema begleiten, dass die katholische Kirche nicht loswird. Dabei hat Irland seinen Missbrauchsskandal schon durchgemacht. Schon vor neun Jahren listete der so genannte Murphy-Bericht einer staatlichen Untersuchungskommission zahlreiche Fälle auf. Priester, auch Ordensschwestern, werden darin als Täter genannt. Detailliert wird darin beschrieben, wie die Kirchenleitung sie gedeckt hat.

Missbrauch von Kindern durch Kirchenobere: Ein globales Problem

Die Wunde ist immer noch tief, viele in Irland haben sich von der Kirche abgewandt. Und so wird es auch in Dublin Proteste geben von Opfern, Überlebenden und Menschen, die empört sind, wie die katholische Kirche jahrelang mit den Verbrechen umgegangen ist. Auch Marie Collins wird dann dabei sein. Die Irin wurde selbst als Kind im Erzbistum Dublin sexuell missbraucht. Und sie will, dass das Problem nicht nur als irisches, sondern als globales Problem verstanden wird:

"Es gibt genügend Untersuchungsberichte aus der ganzen Welt, aus vielen Ländern. Immer wieder das Gleiche: Kirchenobere haben Missbrauchstäter gedeckt, das hat schon der Murphy-Bericht festgestellt, wie auch die anderen. Erst letzte Woche gab es einen Untersuchungsbericht aus England. Die Kirchenoberen haben den Schutz ihres Rufs, den Schutz der Kirche über den Schutz von Kindern gestellt. Das ist ein systematisches Problem, kein Einzelfall. Das ist in vielen Ländern passiert." Marie Collins, vormals Mitglied der Missbrauchskommission in Rom

Marie Collins ist ein prominenter Fall - sie ist an die Öffentlichkeit gegangen, und: Sie war drei Jahre lang Mitglied der vom Papst eingesetzten Missbrauchskommission in Rom. Im März 2017 aber hat sie das Gremium im Frust verlassen. Man habe konkrete Vorschläge erarbeitet, wie sich künftige Fälle besser verhindern lassen. Der Papst habe diese auch angenommen, doch dann hätte die Vatikan-Verwaltung blockiert.

Der Papst näherte sich dem Thema nur langsam an

Tatsächlich gibt und gab es deutliche Worte von Papst Franziskus. Zum Thema Missbrauch sagte er schon vor Jahren:

"Ein Priester, der das macht, verrät den Leib des Herrn, denn er muss diesen Jungen, dieses Mädchen zur Heiligkeit führen, und die Jungen und Mädchen haben Vertrauen. Und er missbraucht sie. Das ist sehr schlimm." Papst Franziskus

Doch nicht immer ist Papst Franziskus mit den Fällen angemessen umgegangen. Zum Beispiel in Chile. Opfer beschuldigen dort Bischof Juan Barros Madrid, er habe einen Priester gedeckt, der inzwischen wegen seiner Taten verurteilt wurde. Doch was sagte der Papst in diesem Januar?

"Ich werde etwas dazu sagen, wenn es Beweise gibt. Es gibt keinen einzigen Beweis. Das ist alles Verleumdung. Ist das klar?" Papst Franziskus

Erst lange nach der Chile-Reise kam der Sinneswandel. Papst Franziskus hat sich seitdem mit Missbrauchsopfern von dort getroffen und einen Untersuchungsbericht erstellen lassen. Bischof Barros hat seinen Rücktritt angeboten. Der Papst hat ihn angenommen.

Nach wie vor schützt die Kirche Täter aus ihren Reihen

Doch Marie Collins kritisiert dieses Vorgehen: Bischöfe, die sich schuldig gemacht haben, dürften nicht einfach zurücktreten. Sie müssten auch vor einem kirchlichen Gericht zur Rechenschaft gezogen werden, ihr Amt, ihren Titel verlieren. Bischof Barros ist immer noch emeritierter Bischof. Trotzdem sieht Marie Collins aus Irland, dass Papst Franziskus zumindest das Richtige will, aber:

"Er hat das Richtige gesagt. Er scheint Missbrauch und was er den Opfern antut, besser zu verstehen. Er hat sich hart zu den Tätern geäußert und sich entschuldigt. Aber das sind nur Worte, wir brauchen Taten. Jetzt muss etwas passieren. Er müssen Mechanismen einsetzen, die die Kirchenoberen davon abhalten, diese Männer zu schützen. Es gibt da etwas in der Kultur der Kirche, in ihrer Struktur, das dazu führt, dass der eigene Klerikalismus geschützt wird. Kleriker werden über die Sicherheit von Kindern gestellt. Und das muss aufhören. Er muss dieses Thema härter angehen." Marie Collins, vormals Mitglied der Missbrauchskommission in Rom

Dunkelziffer vermutlich hoch

Papst Franziskus hat immerhin vor seiner Reise nach Irland versucht, in einem Brief an, so wörtlich, "das Volk Gottes", noch einmal klare Worte zu finden. Darin bezeichnete er die Taten als "Verbrechen", sagte, in der Kirche müsse eine "Null-Toleranz-Haltung" verbreitet werden.

Doch weitere Fälle werden hochkommen, in weiteren Ländern werde es Skandale geben, sagt Marie Collins. In Australien steht gerade Kardinal George Pell vor Gericht. Im Vatikan war er bis vor kurzem eine Art Superminister für Wirtschaft und Finanzen. Und im US-Bundesstaat Pennsylvania hat in der vorletzten Woche ein Untersuchungsbericht rund 1.000 Fälle dokumentiert, in denen katholische Geistliche Minderjährige missbraucht haben.

Der Vatikan entschuldigte sich und sagte, dass es in letzter Zeit nur wenige Fälle gab, weil die katholische Kirche etwas verändert habe. Das mag in den USA stimmen. Auch in Irland gab es nach dem Murphy-Bericht Konsequenzen und doch bleibt weltweit noch viel zu tun, sagen Opfer, sagen Überlebende.

Papst Franziskus wird das Thema nicht los.