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Vor 20 Jahren: Bin Laden-Vertrauter in Oberbayern festgenommen

Festgenommen wurde der damals 40-Jährige Salim am 16.9.1998 bei einem Autohändler im Landkreis Freising. Er soll sich häufiger in Deutschland aufgehalten haben. Warum, wurde nie genauer hinterfragt.

Die USA warfen ihm unter anderem vor, für die Terroranschläge wenige Wochen zuvor auf die US-Botschaften in Tansania und Nairobi verantwortlich zu sein. Mehr als 200 Menschen waren bei den Anschlägen ums Leben. Zudem sei Salim einer der engsten Vertrauten des Al Kaida-Anführers Osama Bin Ladens gewesen. Auch hätte Salim versucht, an Nuklearmaterial heranzukommen, um eine sogenannte "schmutzige Atombombe" zu bauen.

Schnelle Auslieferung in die USA

Wenige Wochen nach seiner Festnahme in Bayern wurde er an die USA ausgeliefert. In München herrschte eine große Verunsicherung, weil Racheakte von Al Kaida befürchtet wurden, wie etwa ein Anschlag auf das bevorstehende Oktoberfest.

Die damals von den USA erhobenen Terrorvorwürfe gegen Salim sind gerichtlich bis heute nicht geklärt worden. Nach seiner Auslieferung an die USA war Salim in ein Bundesgefängnis nach New York gebracht worden, ein Terrorprozess gegen ihn wegen der Anschläge auf die US-Botschaften war in Vorbereitung. In dieser Zeit - im November 2000 - griff er gemeinsam mit seinem Zellengenossen einen Justizbeamten an und verletzte ihn schwer. Das Opfer erlitt durch eine massive Kopfverletzung bleibende Schäden am Gehirn, erblindete auf einem Auge und ist seither auf Pflege angewiesen.

Der Terrorprozess gegen Salim wurde nicht weiterverfolgt, stattdessen kam es zum Prozess wegen des Angriffs auf den Bundesbeamten. Dafür erhielt Salim im Mai 2004 zunächst eine Haftstrafe von 32 Jahren wegen versuchten Mordes. Ein Gericht hob dieses Urteil jedoch auf und ordnete ein erneutes Verfahren an, weil zusätzlich zum versuchten Mord eine terroristische Tat in das Strafmaß einfließen müsse. Ziel des Angriffs sei gewesen, den Aufseher als Geisel zu nehmen, um die Freilassung zu erreichen. Auf dieser Grundlage wurde Salim wegen des Angriffs zu lebenslanger Haft ohne Aussicht auf Begnadigung verurteilt.

Einzelzelle im umstrittenen Hochsicherheitsgefängnis

Seine Haftstrafe sitzt er im "Florence ADMAX" ab, einem Hochsicherheits-Gefängnis in Colorado, das dem US-Justizministerium unterstellt ist. Dort werden als besonders gefährlich eingestufte männliche Insassen unter massiven Sicherheitsbedingungen verwahrt.

Laut einem Bericht von Amnesty International aus dem Jahr 2014 verstoßen die Haftbedingungen gegen Internationales Recht. Die Gefangenen seien jahrelanger Isolationshaft ausgesetzt mit entsprechenden psychischen Folgen. Die Haftzellen sind sieben Quadratmeter groß, einschließlich Dusche und Toilette. Bett, Tisch und Stuhl sind betoniert. Die einzige Abwechslung bietet ein Fernsehgerät, das aber nur Gefängniskanäle ausstrahlt. Tageslicht fällt durch einen zehn Zentimeter breiten und einen Meter hohen Spalt.

Insassen dürfen die Zellen für eine Stunde pro Tag verlassen - allerdings nur, um diese Stunde in einem anderem Raum zu verbringen. Dort können sich Gefangene etwas freier bewegen. Frische Luft schnappen ist im Innenhof möglich, aber nur eingesperrt in einem engen Käfig. Die Insassen werden orientierungslos gehalten, um etwaigen Fluchtversuchen vorzubeugen. Kein Gefangener darf wissen, in welchem Teil des Gebäudes er sich befindet. Durch die schmalen Fenster ihrer Zellen sehen sie nur einen Teil des Innenhofs und des Himmels.

Keine Chance auf Freilassung

Weil mit der Verurteilung eine Begnadigung ausgeschlossen wurde, dürfte der heute 60-jährige Salim bis zu seinem Tod in diesem oder später einem anderen Gefängnis eingesperrt bleiben. Gefangene, die sich konform verhalten und dafür Bonuspunkte sammeln, können in eine weniger strenge Anstalt verlegt werden. Frühestens nach drei Jahren soll dies möglich sein. Mamdouh Mahmud Salim klagte 2013 erfolglos dagegen, dass am Ende eines jeden Jahres seine Bonuspunkte gestrichen wurden. So sitzt er seit mehr als 15 Jahren im ADX Florence.