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Twitter-Debatte #vonhier: "Und woher kommst Du wirklich?" | BR24

© dpa/pa/Jens Kalaene

Sawsan Chebli

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    Twitter-Debatte #vonhier: "Und woher kommst Du wirklich?"

    "Und, wo kommst du her?" Wenn Menschen mit Migrationshintergrund dann Berlin oder Bayreuth antworten, kommen oft bohrende Nachfragen. Unter dem Hashtag #vonhier wird nun diskutiert, ob die Frage unschuldig oder ärgerlich, weil rassistisch ist.

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    Aus Sicht der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli wird noch oft an Äußerlichkeiten festgemacht, ob jemand aus Deutschland kommt.

    "Deutschsein wird immer noch stark mit einem bestimmten Aussehen verbunden. Und wenn man anders aussieht, muss man sich rechtfertigen, erklären und darum kämpfen, dazuzugehören." Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli, SPD

    Hashtag #vonhier auf Twitter

    Bei Twitter melden sich nun immer mehr Menschen unter dem Schlagwort #vonhier zu Wort, die aus Deutschland sind, wegen ihres Namens oder Aussehens aber oft gefragt werden, wo sie "denn eigentlich" herkämen. Das kennt auch Chebli, die als Kind palästinensischer Eltern in Berlin aufgewachsen ist. "Wo auch immer ich auftrete: Sehr schnell kommt die Frage, woher ich komme."

    Chebli: Oft einfach nur Interesse

    Chebli gehe stets vom Positiven aus, weil sie an das Gute im Menschen glaube. "In den meisten Fällen ist es einfach nur Interesse. Wer aber dreimal nachbohrt, der will mich bewusst in eine Schublade packen." Für sie stehe hinter der Frage ein Denken, "das in unseren Köpfen tief verankert ist, aus dem wir endlich ausbrechen müssen".

    Ferda Ataman spricht von "Herkunftsdetektiven"

    Auf Twitter wird nun diskutiert, ob die Frage nach der Herkunft eine unschuldige Frage ist oder einfach ärgerlich, verletzend und rassistisch. Die Journalistin Ferda Ataman spricht von "Herkunftsdetektiven". Sie bringt zum Thema ein Buch mit dem Titel "Ich bin von hier. Hört auf zu fragen!" heraus.

    Geteilt wird auch ein Auszug aus einer RTL-Show. So fragte Moderator Dieter Bohlen ein kleines Mädchen immer wieder, woher es denn komme, seine Eltern, seine Großeltern, obwohl das kleine Mädchen "Herne" sagte.

    Karamba Diaby: "Denkt nicht an meine Hautfarbe"

    Der Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby schrieb zu der Frage auf Twitter:

    "Wo ich herkomme? Denk bitte für eine Sekunde nicht an meine Hautfarbe, nicht an meinen Namen. Dann wirst Du erkennen, dass ich genauso #vonhier bin wie Du. Jemand, der manchmal lacht, tanzt und trauert und eben ein Mensch ist wie Du." Bundestagsabgeordneter Karamba Diaby, SPD

    Dunja Hayali: "Es kommt auf den Ton und die Haltung an"

    Die Journalistin Dunja Hayali findet das "pauschale Bashing der Frage falsch". Es komme auf den Ton und die Haltung an.

    Der Schriftsteller Ahmad Mansour äußerte sich auf Twitter deutlich kritischer:

    "Wer #vonhier sein will, sollte seine Eltern und Großeltern auch bitten, damit aufzuhören, den neuen #Generationen ausschließlich das Türkisch-, Arabisch-, Kurdisch-, Muslim-Sein aufzuzwingen. Hilfreich wäre es allemal, 'Deutsch-Sein' nicht mehr als Schimpfwort zu benutzen." Ahmad Mansour

    In Deutschland hat etwa jeder Vierte einen Migrationshintergrund. 2017 waren es laut Statistischem Bundesamt mindestens rund 19,3 Millionen Menschen. Damit meinen die Statistiker, dass Menschen selbst oder mindestens einer ihrer Elternteile nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurden.

    Soziologe empfiehlt Gelassenheit

    Was also tun? Lieber nicht mehr fragen? Der Soziologe Armin Nassehi empfiehlt Gelassenheit. Natürlich sei die Frage nach der Herkunft legitim. "Wir fragen uns das ja auch, wenn man beim anderen gar keinen Migrationshintergrund vermutet, ob man aus Hamburg, München oder Stuttgart kommt!", sagt der Wissenschaftler von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

    Andererseits hält er Sensibilität bei Menschen, die x-Mal erklären sollen, wo sie herkommen, für sehr nachvollziehbar: "Es geht um Menschen, die möglicherweise schon einiges an Ablehnung, Diskriminierung und Feindseligkeit erlebt haben. So eine Frage kann den anderen zwingen, sich zu legitimieren, obwohl er ein ganz selbstverständlicher Bestandteil dieser Gesellschaft ist." Auch gut gemeinte Fragen würden oft klingen wie: "Warum bist du denn jetzt eigentlich hier?"