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Griechenland hat zum ersten Mal eine Frau als Staatsoberhaupt | BR24

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Die parteilose Juristin Ekaterini Sakellaropoulou ist zum ersten weiblichen Staatsoberhaupt des Landes gewählt worden. Im Parlament stimmten neben den regierenden Konservativen auch Sozialisten und Sozialdemokraten für die 63-Jährige.

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Griechenland hat zum ersten Mal eine Frau als Staatsoberhaupt

Mit großer Mehrheit hat das griechische Parlament die 63-jährige Juristin Ekaterini Sakellaropoulou zur neuen Staatspräsidentin gewählt. Zum ersten Mal hat damit eine Frau den Posten inne. Ursula von der Leyen lobte die Wahl.

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Mit 261 von 300 möglichen Stimmen ist die Juristin Ekaterini Sakellaropoulou zur ersten weiblichen Staatspräsidentin gewählt worden. 200 Stimmen wären für eine Wahl mindestens notwendig gewesen. 33 Parlamentarier enthielten sich, wie das Parlamentspräsidium mitteilte. Einen Gegenkandidaten gab es bei der namentlichen Abstimmung nicht.

Eines der besten Ergebnisse in der Geschichte des griechischen Parlaments

Die 63-Jährige erreichte damit im ersten Wahlgang eines der besten Ergebnisse in der Geschichte des griechischen Parlaments. Das Wahlergebnis ist nicht nur eine Besonderheit, da Sakellaropoulou eine Frau ist, sondern auch, weil sie keiner politischen Partei angehört. So vereinte sie bei der Wahl die regierenden Konservativen Nea Dimokratia, die größte Oppositionspartei Syriza und die sozialistische Partei Kinal.

Großer symbolischer Wert

Das griechische Staatsoberhaupt hat rein repräsentative Aufgaben, wie Regierungen oder Gesetze zu bestätigen. Griechische Präsidenten könnten zwar auch den Krieg erklären, allerdings nur in Abstimmung mit dem Parlament. Die Wahl hat trotzdem großen symbolischen Wert, da Frauen in Griechenland noch immer diskriminiert werden. "Wir verheimlichen nicht, dass die griechische Gesellschaft noch immer von Diskriminierung gegenüber Frauen geprägt ist", gestand Ministerpräsident Mitsotakis ein, der Sakellaropoulou im Januar für das Amt vorgeschlagen hatte.

Eurostat-Zahlen aus dem Jahr 2017 offenbaren für Griechenland eine Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern von mehr als zwölf Prozent beim durchschnittlichen Stundenlohn. Auch die Arbeitslosigkeit ist unter den Frauen höher als bei den Männern. Der Statistik zufolge ist in Griechenland eine von fünf Frauen arbeitslos.

Ursula von der Leyen lobte die Wahl in Griechenland

Auch die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Wahl von Sakellaropoulou gelobt. "Griechenland bewegt sich auf eine neue Ära der Gleichberechtigung zu", schrieb sie auf Twitter.

Staatspräsidentin ist Spezialistin für Verfassungs- und Umweltrecht

Sakellaropoulou hat mit derartigen Premieren Erfahrung: Im Oktober 2018 wurde sie bereits als erste Frau in der Geschichte des Landes Präsidentin des Staatsrats - des Verfassungs- sowie Obersten Verwaltungsgerichts in Griechenland. Ihre Spezialgebiete sind Verfassungs- und Umweltrecht. Als Tochter eines Richters des Obersten Gerichthofs studierte Sakellaropoulou in Athen und an der Pariser Sorbonne Universität Jura. Sie stammt aus Thessaloniki, hat ein Kind und ist geschieden.

Sakellaropoulou will das Bildungs-, Gesundheits- und Justizsystem verbessern

Sakellaropoulou gilt als Feministin, die sich auch für die Rechte von Flüchtlingen, Minderheiten sowie für bürgerliche Freiheiten einsetzt. Ihre Ziele seien die Verbesserung des Bildungs-, Gesundheits- und Justizsystems, sagte die designierte Staatspräsidentin nach ihrer Wahl am Mittwoch im griechischen Staatsfernsehen. Außerdem wolle sie sich verstärkt um die Rückkehr der ausgewanderten jungen Menschen und den Umweltschutz bemühen.

Sakellaropoulou wird am 13. März für eine Amtszeit von fünf Jahren vereidigt. Bisher hatte der Verfassungsrechtler Prokopis Pavlopoulos (69) den Posten des Staatspräsidenten inne.