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Volle Züge: Warum die Bahn keine Zwangsreservierungen plant | BR24

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Bildrechte: BR / Mathias Flasskamp

Fahrgäste steigen in einen ICE der DB.

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    Volle Züge: Warum die Bahn keine Zwangsreservierungen plant

    Zwar fahren seit der Corona-Krise deutlich weniger Menschen mit der Bahn. Dennoch kann es zu Stoßzeiten zu vollen Zügen kommen und Mindestabstände werden nicht mehr eingehalten. Ein Zwangsreservierungs-System wie in Frankreich lehnt die Bahn aber ab.

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    Von
    • Mathias Flasskamp

    Inzwischen sind Fernzüge wieder gut zur Hälfte gefüllt. In Hauptreisezeiten seien einige sogar komplett besetzt und sogar überfüllt, wie manche Fahrgäste klagen. Denn aufgrund der Corona-Pandemie und der Ansteckungsgefahr haben Mitfahrende oft in ungutes Gefühl und fordern Maßnahmen von der Bahn.

    Ein halbvoller Großraumwagen und viele Meinungen

    Unterwegs mit dem ICE Karwendel von Dortmund nach München. Die Plätze im Großraumwagen sind nicht ganz zur Hälfte belegt. Über den Köpfen der Reisenden befinden sich auffällig viele große Rucksäcke. Unter den Masken zeichnen sich vor allem jüngere Gesichter ab. Wir hören uns um. Sind den Fahrgästen die Züge manchmal zu voll?

    Eine junge Frau, die unterwegs nach München ist meint: "Gerade im Berufsverkehr kann es schon mal ziemlich eng werden. Beim Aussteigen wird dann teilweise sogar gedrängelt, das ist unangenehm." Eine Mutter mit zwei Kindern hat da andere Erfahrungen gemacht und sagt, sie hätten bisher immer Glück gehabt. "Die Züge waren meistens so leer, dass wir ohne Probleme einen Platz fanden, und die anderen Fahrgäste haben größtenteils auf Abstand geachtet", berichtet die Mutter. Einer Rucksacktouristin, die zum Tegernsee will, ist vor allem ein Unterschied aufgefallen: "ICE-Züge gingen besser als Regionalbahnen, da war‘s deutlich voller."

    Handyaufnahmen zeigen Fahrgäste auf dem Gang in übervollen Zügen

    Zumindest in Stoßzeiten sind manche Züge offenbar aber richtig voll: Das zeigen Handyfotos, die der Bayerische Rundfunk zugeschickt bekommen hat. Darauf ist unter anderem ein voller Großraumwagen zu sehen, alle Sitzplätze belegt und zusätzlich stehen noch Fahrgäste mit ihren Masken in den Gängen. Auf einer anderen Aufnahme sind diverse Reisende zu erkennen, die auf ihren Taschen oder direkt auf dem Boden sitzen.

    Wir konfrontieren die Bahn mit diesen Aufnahmen. Pressesprecher Michael-Ernst Schmidt räumt ein, dass es in Stoßzeiten schon mal etwas voller werden könne, betont aber, dass die momentane Auslastung der Züge bei 30 Prozent liege. Vor der Corona-Krise seien es 50 Prozent gewesen.

    Kein verpflichtendes Reservierungssystem in Deutschland geplant

    Die Forderung nach einem Zwangsreservierungssystem wie beim französischen TGV, das übervolle Züge verhindern würde, lehnt das Unternehmen ab:

    "Wenn wir dieses Thema Reservierungspflicht weiterdenken, dann kommen wir zu einer Limitierung dieses offenen Systems, das heißt: im Zweifelsfall muss immer der Falsche draußen bleiben. Übrigens auch, wenn Sie jetzt dringend einen Geschäftstermin haben, zum Beispiel nach Nürnberg müssen. Das geht aber nicht, wegen der Limitierung. Es wären vielleicht sogar noch Plätze frei, weil ein anderer nicht kommt, aber Sie können dann nicht mehr rein.“ Michael-Ernst Schmidt, Sprecher der Deutschen Bahn für Bayern

    Auch sei es aus Sicherheitsgründen nicht möglich, bei vollen Fernzügen einfach noch ein oder zwei Wagen anzuhängen, so der Unternehmenssprecher.

    App der DB zeigt die Auslastung der Züge

    Die Bahn setzt auf die Eigenverantwortung der Fahrgäste. Jeder Zug mit 50 Prozent Auslastung, wird in der Reservierungs-App der DB-AG mit einem roten Symbol versehen. Fahrgäste sollen, mit diesen Informationen ausgestattet, selbst entscheiden, ob sie trotzdem noch genau diesen Zug nehmen wollen, oder vielleicht auch eine andere, weniger stark frequentierte Verbindung möglich ist.

    Weil Abstandsregeln nicht einzuhalten sind, gilt die Maskenpflicht bei der Bahn

    Die Corona-Abstandsregeln von anderthalb Metern gelten in Massenverkehrsmitteln wie Bus oder Bahn nicht. Dafür ist die Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht. Nach einigen Beschwerden von Fahrgästen über Masken-Verweigerer will die Bahn bei diesem Thema jetzt härter durchgreifen, erklärt Michael-Ernst Schmidt. So werde die Bahn ihre "Präventionsstreifen von DB-Sicherheit noch mal deutlich ausweiten und stärker mit der Bundespolizei gemeinsam in den Zügen kontrollieren.

    "Wenn einer mit uns diskutieren will, muss er das nicht tun, er kann einfach am nächsten Bahnhof aussteigen, da bitten wir ihn dann darum, wenn er das nicht tun möchte, dann kann er mit der Bundespolizei darüber diskutieren, aber er steigt aus!“ Michael-Ernst Schmid, Sprecher der Deutschen Bahn in Bayern

    Last-Minute-Maskenkauf im Bordbistro möglich

    Wer sichs angesichts dieser Aussichten anders überlegt, für den hat das ICE-Bord-Bistro etwas Besonderes: Neben Spare-Ribs und Kokos-Curry-Cremesuppe ist auch eine Einmal-Maske für 1,50 Euro im Angebot.

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