BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

"Vogelschiss": Bundesregierung kritisiert Gauland scharf | BR24

Video nicht mehr verfügbar

Dieses Video konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© BR

Seibert: "Es ist beschämend, sich damit befassen zu müssen."

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

"Vogelschiss": Bundesregierung kritisiert Gauland scharf

AfD-Chef Gauland hat die NS-Zeit als "Vogelschiss" in der deutschen Geschichte bezeichnet. Steffen Seibert erklärte dazu, die Bundesregierung weise jede Relativierung und Verharmlosung des Nationalsozialismus "ganz entschieden zurück". Von C. Steiner

Per Mail sharen
Teilen

Gauland hatte am Samstag in einem Grußwort beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach laut Berichten gesagt, Hitler und die Nazis seien "nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte" gewesen. Dafür erntete er von zahlreichen Politikern scharfe Kritik.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Verbrechen des Holocaust seien singulär und "ein wirkliches Menschheitsverbrechen". Nur indem Deutschland sich zu dieser Verantwortung bekenne, sei Deutschland überhaupt in der Lage gewesen, "wieder ein guter Partner in der Welt zu werden". Aus dieser Verantwortung heraus, sei die Unantastbarkeit der Würde jedes einzelnen Menschen im Grundgesetz verankert. Die Bundesregierung weise jede Relativierung und Verharmlosung der NS-Verbrechen zurück. Dies sei auch die Haltung des überwiegenden Teils der deutschen Bevölkerung, so Seibert.

Knobloch: Gaulands Haltung ist "deutschlandfeindlich"

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, betonte, Gaulands Haltung zeuge "von einer menschenverachtenden Ideologie, die in Wahrheit deutschlandfeindlich ist". Die Anschauung des Politikers verriete und zerstöre "alles, was das Fundament von Einigkeit und Recht und Freiheit bildet".

Ruf nach Verfassungsschutz

Unterdessen forderte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, die AfD mittels Verfassungsschutz zu beobachten. Dieser Schritt sei überfällig, erklärte der Zentralratsvorsitzende Romani Rose in Heidelberg. Er warf der AfD vor, den "Kernbestand unserer Demokratie" anzugreifen und rechtsextreme Parteimitglieder und Mitarbeiter in den Bundestags- und Landtagsfraktionen zu tolerieren. Die jüngsten Äußerungen des AfD-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Alexander Gauland bezeichnete der Zentralrat als widerwärtig und verantwortungslos.

Gauland relativiert seine Aussage

Angesichts der Empörung über seine Äußerung ruderte AfD-Chef Gauland inzwischen zurück: "Es war nicht meine Absicht, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu bagatellisieren", sagte Gauland. Er habe seine "tiefste Verachtung" für den Nationalsozialismus mit dem Begriff "Vogelschiss" zum Ausdruck gebracht. "Vogelschiss ist und bleibt für mich der letzte Dreck, ein animalischer Auswurf, mit dem ich den Nationalsozialismus verglichen habe." Er müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass viele in dem Begriff eine unangemessene Bagatellisierung gesehen hätten. Die entstandene Wirkung bedauere er.

Kritik kam auch aus den eigenen Reihen: Die Alternative Mitte in der AfD hatte Gauland zu einer Entschuldigung aufgefordert. "Als Politiker und Mitglieder der AfD entschuldigen wir uns öffentlich bei allen Opfern des Naziregimes sowie deren Familien für die als unglaubliche Bagatellisierung der Nazizeit empfundene Äußerung unseres Parteivorsitzenden", hieß es in einer Erklärung.