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Völlig offener Ausgang der Landtagswahl in Brandenburg | BR24

© BR/Julio Segador

Bei den Landtagswahlen in Brandenburg werden knappe Ergebnisse erwartet, die zu schwierigen Koalitionsbildungen führen dürften.

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Völlig offener Ausgang der Landtagswahl in Brandenburg

Die Landtagswahl in Brandenburg am Sonntag könnte zu einer Zäsur werden. Seit der Wiedervereinigung war die SPD dort immer die mit Abstand stärkste Kraft. Doch nun liefert sich die AfD mit den Sozialdemokraten ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

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Die Landtagswahl in Brandenburg als offen zu bezeichnen, ist vermutlich noch untertrieben. Mit der SPD, der AfD, der CDU, der Linkspartei und den Grünen liefern sich gleich fünf Parteien einen Kampf im zweistelligen Bereich.

Für die seit der Wiedervereinigung regierende SPD droht der Absturz, die AfD könnte am Sonntag zum ersten Mal stärkste Kraft bei einer Landtagswahl in Deutschland werden. Diese spannende Ausgangslage führt dazu, dass über mögliche und vielleicht unmögliche Koalitionen maximal spekuliert werden kann.

Der Braunkohleabbau in der Lausitz als Top-Thema im Wahlkampf

Ein Wahlkampfthema, das alle Parteien bis zuletzt auf der Agenda haben, ist der Strukturwandel in Brandenburg - vor allem im Braunkohlerevier in der Lausitz im Süden des Landes. Was das Land nach dem anvisierten Ausstieg aus der Braunkohle-Verstromung im Jahr 2038 möglicherweise erwartet, kann man im brandenburgischen Lichterfeld sehen. Wie ein gigantisches stählernes Ungetüm steht hier die F60 in der Landschaft. Einen halben Kilometer lang, fast 80 Meter hoch, 13.500 Tonnen schwer. F60 ist die Serienbezeichnung der Förderbrücken im Lausitzer Braunkohletagebau. Die F60 hier im brandenburgischen Lichterfeld unweit von Cottbus ist stillgelegt. Sie dient als Besucherbergwerk.

Zwischen Hoffnung und Angst

Viele Brandenburger, die die F60 in Lichterfeld besuchen, kommen ins Grübeln, was die berufliche Zukunft der Menschen in der Region anbelangt.

"Ich denke, dass es eine Zukunft gibt für die Region. Man muss natürlich die Leute motivieren, dass sie sich auf was anderes konzentrieren. Aber natürlich wird es auch Verluste geben. Das ist für mich klar", findet ein Besucher. Und ein anderer meint: "Es wird bedeuten, dass sich Arbeitsplätze verlagern müssen. Wichtig wäre es aber, dass man dafür sorgt, dass erst der Ersatz da ist, bevor man das alte auflöst."

Parteien uneins über den Ausstiegstermin

Die Antworten der Parteien auf die Frage, wie dieser Strukturwandel gestaltet werden soll, ist unterschiedlich. Die Grünen, die Linkspartei und die CDU könnten sich einen Ausstieg sogar noch vor 2038 aus der Braunkohle vorstellen, die SPD will erst neue Industrien ansiedeln. Die AfD hält nichts vom Ausstieg aus der Braunkohleverstromung. Sie will an der Braunkohlegewinnung in der Lausitz festhalten.

AfD profitiert von der Unzufriedenheit der Bürger in ländlichen Gebieten

Die Alternative für Deutschland profitiert in den Umfragen von dem Gefühl vieler Menschen – vor allem in den ländlichen Regionen des Bundeslandes - abgehängt zu sein. Neben der Unsicherheit, was nach der Braunkohle kommen könnte – ist es die Unzufriedenheit über die schlechte Infrastruktur, die der AfD viele Wähler zutreibt. Marode Straßen, schlechte Zugverbindungen, tausende Funklöcher. Die AfD dient vielen als Protestpartei. "Die AfD ist die einzige Partei, die sich überhaupt mal dagegenstellt, die überhaupt mal was macht und sagt, so geht's nicht weiter", sagt ein Mann bei einer Veranstaltung in Cottbus.

Brandenburg hat wirtschaftlich aufgeholt

Die Unzufriedenheit vieler Brandenburger, die in ländlichen Gebieten leben, bildet einen Kontrast zur tatsächlichen Lage des Landes. Denn Brandenburg hat aktuell ein Rekordsteueraufkommen, die niedrigste Arbeitslosigkeit nach der Wiedervereinigung und die Wirtschaftskraft ist so hoch wie kaum zuvor.

Doch SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke profitiert davon nicht. In den Umfragen konnte seine Partei zuletzt noch einmal zulegen, doch es dürfte ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden mit der AfD um den ersten Platz.

Woidkes Wunschkoalition ist Rot-Rot-Grün. Ob es indes dazu reichen wird, ist noch unklar. Fazit: In Brandenburg ist alles offen und vieles möglich.