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Ruanda: Memorial erinnert an den Völkermord von 1994

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    Völkermord in Ruanda: Hauptverdächtiger gefasst

    Im Jahr 1994 wurden bei Massakern in Ruanda mehr als 800.000 Menschen getötet. Nun wurde einer der mutmaßlich Hauptverantwortlichen des Völkermords, Félicien Kabuga, in der Nähe von Paris festgenommen. Nach ihm wurde seit 25 Jahren gefahndet.

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    • BR24 Redaktion

    Er galt als Finanzier des Völkermords an hunderttausenden Menschen in Ruanda im Jahr 1994: Seit 25 Jahren wurde nach Félicien Kabuga gefahndet, zuletzt auch mit internationalem Haftbefehl. Am Samstagmorgen wurde der 84-Jährige schließlich in der Nähe von Paris gefasst. Das teilten die französische Staatsanwaltschaft und die Polizei mit.

    Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen Dollar

    Er hatte unter falscher Identität in Asnières-sur-Seine bei Paris gelebt. Die USA hatten auf Kabuga ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Die Festnahme bereitet nun den Weg für eine Anklage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Bereits 1997 hatte ein UN-Tribunal Anklage gegen Kabuga erhoben und einen Haftbefehl ausgestellt.

    Kabuga soll die Interahamwe-Milizen gegründet haben - eine bewaffnete Gruppe, die hauptsächlich für die Ermordung der Tutsi verantwortlich gemacht wird. Zudem werden ihm die direkte Beteiligung am Konflikt und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. 2012 war bereits Kabugas Schwiegersohn Augustin Ngirabatware, der frühere ruandische Planungsminister, zu 35 Jahren Haft verurteilt worden.

    Immer noch Täter auf der Flucht

    Der 84-Jährige soll in Kürze von Frankreich an das Tribunal im tansanischen Arusha überstellt werden, wo ihm der Prozess gemacht wird. Seine Festnahme sei das Ergebnis einer umfangreichen Operation mit mehreren Durchsuchungen gewesen, teilte das UN-Tribunal mit. Es wurde 1994 vom Sicherheitsrat gegründet, um die Hauptverantwortlichen des Genozids verfolgen zu können.

    Seit der Eröffnung des Gerichts wurden 93 Personen angeklagt. Nach der Verhaftung von Kabuga sind noch sieben Männer auf der Flucht. "Die Verhaftung von Félicien Kabuga ist eine Mahnung, dass jene, die für Völkermord verantwortlich sind, auch 26 Jahre nach den Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden können", sagte der Chefankläger des Tribunals, Serge Brammertz, am Samstag.

    Kolonialisierung hatte ruandische Gesellschaft gespalten

    Der Völkermord in Ruanda hatte seine Wurzeln in der Kolonialisierung des Landes durch Deutschland und Belgien. Zwischen den sozialen Bevölkerungsgruppen der Hutu und Tutsi hatte es über Jahrhunderte Bindungen und gemeinsame Traditionen gegeben.

    Doch die Kolonialmächte schufen eine rassistisch begründete Ungleichbehandlung und spalteten damit die Gesellschaft. Die Hutu-Mehrheit wandte sich gegen die Tutsi-Minderheit, die lange als Elite galt, was schließlich zwischen April und Juli 1994 in die Ermordung von mehr als 800.000 Menschen mündete.

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