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Virus-Mutanten: RKI fürchtet Wendepunkt bei Corona-Bekämpfung | BR24

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Trotz sinkender Infektionszahlen mahnt Bundesgesundheitsminister Spahn zur Vorsicht. Das Virus gebe nicht auf und es gebe eine besorgniserregenden Anstieg von Virus-Mutationen. RKI-Chef Wieler spricht von einem Wendepunkt.

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Virus-Mutanten: RKI fürchtet Wendepunkt bei Corona-Bekämpfung

Das Robert-Koch-Institut ist alarmiert: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen sinkt nicht mehr richtig weiter. Wissenschaftler und die Politik betrachten das mit Sorge. Möglichweise wird das Personal in Schulen und Kitas deshalb jetzt früher geimpft.

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Von
  • Anita Fünffinger

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, spricht so gut wie immer in der derselben Tonlage. Ruhig und fest in der Stimme, aber klar und deutlich im Inhalt. Wenn er die Entwicklungen der vergangenen Tage und Wochen auswertet, sieht er Deutschland an einem Wendepunkt: Die Infektionszahlen stagnierten auf einem Niveau, das "immer noch zu hoch" sei.

Gleichzeitig steige der Anteil der britischen Virus-Mutation massiv. Das mache die Bekämpfung der Pandemie noch schwieriger. All das berichtet Wieler in sachlichem Ton, und doch macht er die Gefahr, die von den Virus-Mutanten ausgeht, deutlich.

Besorgniserregende Entwicklung – AHA Regeln weiterhin wichtig

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), sieht den steigenden Anteil der britischen Virus-Variante mit Sorge, die Seitwärtsbewegung der Fallzahlen mahne zur Vorsicht, sagt Spahn. Man dürfe Erreichtes nun nicht verspielen, warnt der Gesundheitsminister, auch wenn das Ende des Lockdowns greifbar erscheine:

"Das Virus gibt nicht einfach auf." Jens Spahn, Gesundheitsminister

Jede unbedachte Lockerung könne Deutschland in der Bekämpfung der Pandemie zurückwerfen.

Der RKI-Präsident springt dem Gesundheitsminister bei, indem er die Bürgerinnen und Bürger miteinbezieht. Lothar Wieler spricht von "wir" und appelliert an die Bevölkerung, dass an den Verhaltensregeln weiterhin nicht zu rütteln ist: "Wir tragen Masken in Räumen – aber bitte über Mund und Nase. Wir befolgen die AHA plus L Regeln. Wir schränken unsere Kontakte ein."

Holetschek: Impfung ist kein Wunschkonzert

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), der heute bei der Pressekonferenz mit Lothar Wieler und Jens Spahn in Berlin dabei war, hat zu Kritikern des AstraZeneca-Impfstoffs eine eindeutige Meinung: "Impfen ist kein Wunschkonzert", sagt Holetschek über Menschen, die eine Impfung mit dem Wirkstoff von AstraZeneca ablehnen.

Bundesgesundheitsminister Spahn macht angesichts des knappen Impfstoffs deutlich, Impfen sei ein Privileg. Er könne nur jedem raten, das Angebot wahrzunehmen. Wer eine Impfung mit AstraZeneca ablehne, könne zu diesem Zeitpunkt nicht geimpft werden. Ob sich die Skeptiker dann wieder hinten in der Schlange anstellen müssen, wollte Spahn so nicht beantworten. Der CDU-Minister machte aber sehr deutlich, dass sich keiner den Impfstoff aussuchen kann. Der Wirkstoff von AstraZeneca ist lediglich für 18- bis 64-Jährige empfohlen, ältere Menschen werden nicht damit geimpft.

Personal in Kitas und Schulen früher impfen

Kitas und Schulen sollen so schnell wie möglich wieder geöffnet werden. Das ist überwiegender Konsens in der Politik. Wegen der Virus-Mutanten sind die Bundesländer aber weitaus vorsichtiger geworden, auch weil sich die Debatte um die Impf-Priorisierungsgruppen dadurch verschärft hat. Der bayerische Gesundheitsminister Holetschek befürwortet, Lehrerinnen und Lehrer, sowie Erzieherinnen und Erzieher bei der Impfreihenfolge in die Stufe 2 vorzuziehen. Sie sind bislang im Stufenplan der STIKO in Stufe 4.

Die Fachminister der Länder wollen am kommenden Montag darüber beraten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass bei einem Konsens zwischen den Ländern eine Priorisierung von Lehrern und Erziehern zügig umgesetzt werden kann. Spahn betonte, gerade in Kitas und bei kleinen Kindern seien Abstands- und Hygieneregeln schwieriger durchzusetzen.

Zu Beginn vermutlich Engpässe bei kostenlosen Schnelltests

Jens Spahn bleibt dabei, dass es ab 1. März kostenlose Schnelltests für alle geben wird. Gleichwohl rechnet er in den ersten Tagen mit Engpässen, die aber bald behoben sein werden. Es gebe keinen Mangel, versichert Spahn. Die Hersteller könnten 50 bis 100 Millionen Schnelltests pro Monat und mehr bereitstellen.

Für die angekündigten Laientests, die dann jeder zuhause machen kann, gibt es noch keine Zulassung. Seinem Ministerium lägen viele Anträge vor, berichtet Spahn, aber nicht alle Hersteller hätten auch die erforderlichen Prüfunterlagen eingereicht.

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