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Testen, Impfen und noch konsequenter auf die AHA+L-Regeln achten - diese Kombionation sei in der dritten Corona-Welle besonders wichtig.

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Virologen warnen vor Scheinsicherheit nach Corona-Tests

Testen, Impfen und noch konsequenter auf die AHA+L-Regeln achten – dies sei in der dritten Corona-Welle besonders wichtig. Das sagten die Virologen Keppler und Protzer im BR extra. Zudem warnten sie vor einer Scheinsicherheit nach Tests.

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Von
  • Claudia Steiner

Virologen haben die umfassende Teststrategie im Kampf gegen die Corona-Pandemie begrüßt, aber vor einer "Scheinsicherheit" gewarnt. Bei infizierten, aber asymptomatischen Personen hätten Selbst- und Schnelltests eine Trefferquote von nur 58 Prozent, sagte der Münchner Virologe Professor Oliver Keppler im BR extra mit Chefredakteur Christian Nitsche. Dies führe häufig dazu, dass Menschen mit negativen Testergebnissen die Abstands- und Hygieneregeln über Bord werfen würden, weil sie glaubten, nicht ansteckend zu sein.

"Diese Scheinsicherheit kann schädlich sein in der Pandemie." Professor Oliver Keppler, Ludwig-Maximilians-Universität München

Man müsse berücksichtigen, dass die Zuverlässigkeit der Tests oft schlechter sei, als dies von den Herstellern angegeben werde.

Einheitlicher Schwellenwert wichtig

Professor Ulrike Protzer von der TU München begrüßte in der Sendung des Bayerischen Rundfunks das geplante bundesweit einheitliche Vorgehen in der Corona-Pandemie. Es sei "sehr klug, sich auf einen Schwellenwert zu einigen", sagte die Virologin. Denn wenn Menschen die unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen Bundesländern und Regionen nicht mehr verstünden, hielten sie sich nicht mehr an die Einschränkungen.

Liegt die 7-Tage-Inzidenz über dem Grenzwert von 100, sollen laut dem Beschluss des Bundeskabinetts bundesweit strengere Maßnahmen greifen.

"Ob die Regelung jetzt 100 oder 110 oder 90 heißt, ist, glaube ich, irrelevant. Wichtig ist, dass wir einen klaren Grenzwert haben, ab dem gehandelt wird." Professor Ulrike Protzer von der TU München

Zugleich müsse soviel und so schnell wie möglich geimpft werden.

Außerdem drückten beide Experten ihre Sorge über die zulaufenden Intensivstationen aus. Auch wenn die Menschen in der dritten Welle müde seien, sei es jetzt besonders wichtig, die AHA+L-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten, im Alltag Maske tragen, regelmäßig lüften) noch konsequenter einzuhalten.

"Die dritte Welle wird uns herausfordern." Prof. Oliver Keppler

Nicht nur Tests, sondern Hygieneregeln in Schulen und Kitas einhalten

Die Mediziner wiesen zudem darauf hin, dass sich derzeit viele jüngere Menschen mit der besonders ansteckenden Virus-Variante B1.1.7 ansteckten. Deshalb sei es wichtig, dass in Schulen und Kitas nicht nur getestet werde, sondern noch mehr auf Hygieneregeln geachtet werde. "Man kann das Virus ja nicht wegtesten", so Protzer. Das bedeute: Auf Hygiene achten, oft lüften und soviel wie möglich im Freien machen.

Es falle zudem auf, dass Jüngere auch nach einem leichten Corona-Verlauf über Probleme wie Müdigkeit, Atemlosigkeit oder Beeinträchtigungen des Geruchssinns klagten. Die Infektion "komplett durchlaufen lassen bei Jüngeren" sei deshalb keine Option, so die Virologin.

Keppler: Zahlen müssen runter

Keppler hofft deshalb auf einen harten Lockdown. "Wir müssen mit den Zahlen runter, sonst werden wir keinen ruhigen Sommer haben", betonte der Virologe. Es brauche noch einmal Anstrengungen von einigen Wochen. Keppler: "Wir sind noch nicht durch."

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