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Virologe Streeck: "Impfstoffforschung ist sehr komplex“ | BR24

© picture-alliance/dpa

Symbolbild Impfstoff gegen Corona

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    Virologe Streeck: "Impfstoffforschung ist sehr komplex“

    Fieberhaft läuft die weltweite Forschung nach einem Impfstoff gegen das neue Coronavirus. Wie ein solcher entsteht und warum dies dauert, erklärt Virologe Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung der Universität Bonn.

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    Von
    • Maren Hellwege-Beck

    Impfstoffforschung ist ein hochkomplexer Vorgang. Einfach ein paar Viren nehmen, sie abtöten, so dass sie sich nicht mehr vermehren können, Aluminiumhydroxid oder -phosphat dazu als Gefahrensignal für das Immunsystem und fertig ist der Impfstoff? So einfach ist das leider nicht, erklärt Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn. Sonst könnte über Nacht ein Impfstoff gegen das Coronavirus hergestellt werden.

    "Die Frage ist, und das ist das viel Kompliziertere am Ende, ob dieser Impfstoff funktioniert, ob er wirkt. Und dann muss als allererstes getestet werden, ist denn die Impfstoffherstellung überhaupt sicher. Ist dieser neue Impfstoff sicher für den Menschen? Oder kommt es plötzlich zu ungewohnten Reaktionen?“ Hendrik Streeck, Virologe

    Wann schützt ein Impfstoff ausreichend?

    Darüber hinaus stellen sich weitere Fragen, wie zum Beispiel, ob denn überhaupt Immunantworten induziert werden, die potentiell schützen können? "Und bis diese ganzen Phasen durchlaufen sind, steht dann ganz am Ende die Frage, ob der Impfstoff überhaupt wirkt“, sagt Streeck.

    Wenn der Impfstoff so weit ist und Menschen gegeben werden kann, bekommt eine Gruppe den Impfstoff und eine andere Gruppe ein Plazebo. "Und dann wird geschaut, wie viele in den beiden Gruppen haben sich infiziert mit dem neuen Corona-Virus." Ein sehr kompliziertes Verfahren, bis man einen Impfstoff hat, der genügend Schutz zeigt, so Streeck.

    "Es gibt viele andere Viren, wo wir das versucht haben und bisher keinen Erfolg haben. Zum Beispiel HIV, Hepatitis C. Das sind Dekaden an Forschung, also über 40 Jahre. Und wir haben viele der ersten Schritte durchlaufen. Wir haben ganz viele Impfstoffe gegen HIV und Hepatitis C, aber sie wirken leider nicht.“ Hendrick Streeck

    Corona-Impfstofftest in den USA

    Die Tatsache, dass in den USA erste freiwillige Testpersonen einen Impfstoff erhalten haben, sieht Streeck kritisch, denn zu allererst müssten zwingend Tierversuche stattgefunden haben. Ganz am Anfang müsse nachgewiesen werden, dass die Tiere zum Beispiel nicht an dem Impfstoff versterben.

    "Das ist beim Impfstoff natürlich nicht so gefährlich wie bei einem neuen Medikament, aber das sind Vorgaben vom Gesetzgeber weltweit, dass eigentlich vorher ein Tierversuch stattgefunden haben muss, um den Menschen vor potentiellen Gefahren zu schützen.“ Hendrik Streeck, Virologe

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