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Virologe Drosten warnt vor zweiter Corona-Welle | BR24

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In zwei Monaten "werden wir ein Problem haben, wenn wir nicht jetzt wieder alle Alarmsensoren anschalten", sagt Christian Drosten im NDR-Podcast mit Blick auf die Corona-Lage.

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Virologe Drosten warnt vor zweiter Corona-Welle

In zwei Monaten "werden wir ein Problem haben, wenn wir nicht jetzt wieder alle Alarmsensoren anschalten", sagt Christian Drosten mit Blick auf die Corona-Lage. Auch das RKI mahnt zur Vorsicht.

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Der Virologe Christian Drosten befürchtet nach Corona-Ausbrüchen unter anderem in Nordrhein-Westfalen eine unbemerkte Ausbreitung des Coronavirus in die Bevölkerung. Die Verbreitung über die Gegend hinaus zu verhindern, sei jetzt das Entscheidende, sagte der Charité-Wissenschaftler im NDR-Podcast.

Generell gebe es aktuell in mehreren Orten, darunter auch in Berlin, eindeutige Anzeichen, dass Sars-CoV-2 wieder komme, so Drosten. Schon jetzt ist aus Sicht des Virologen große Vorsicht geboten, dass sich keine zweite Welle entwickelt. Drosten verwies dabei auf die Lage in den Südstaaten der USA, wo sich trotz hoher Umgebungstemperaturen eine "furchtbare Situation" entwickle. Dort sei zu früh gelockert worden.

"Ich bin nicht optimistisch, dass wir in einem Monat noch so eine friedliche Situation haben wie jetzt, was die Epidemietätigkeit angeht", sagte Drosten. "In zwei Monaten, denke ich, werden wir ein Problem haben, wenn wir nicht jetzt wieder alle Alarmsensoren anschalten." Die Bevölkerung müsse einsehen, dass die Gesundheitsbehörden Unterstützung und Konsens bräuchten.

RKI mahnt nach Corona-Ausbrüchen zur Vorsicht

Nach den jüngsten Corona-Ausbrüchen unter anderem im Kreis Gütersloh rief auch das Robert Koch-Institut (RKI) die Menschen in Deutschland zur Vorsicht auf. Das gelte für weitere Monate.

"Wir müssen weiterhin achtsam sein! Wenn wir ihm [dem Corona-Virus, Anm. d. Red.] die Chance geben, sich auszubreiten, nimmt es sich diese Chance. Das sieht man an den derzeitigen Ausbruchsgeschehen. (...) Ich denke nicht, dass die Lockerungen völlig folgenlos bleiben werden." RKI-Chef Lothar Wieler

Wieler zeigte sich allerdings optimistisch, dass eine zweite Welle in Deutschland mit den bereits erprobten Werkzeugen verhindert werden kann. Vor allem lokale Ausbrüche treiben nach RKI-Einschätzung die bundesweiten Zahlen in die Höhe. Nachdem in den vergangenen Wochen im Mittel etwa 350 neue Fälle pro Tag ans RKI gemeldet worden seien, stiegen diese Zahlen seit vergangenem Dienstag wieder etwas an, sagte Wieler.

Reproduktionszahl zuletzt deutlich gestiegen

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, die über die Dynamik des Ausbruchsgeschehens Auskunft gibt, habe lange Zeit stabil unter 1 gelegen, seit 21. Juni jedoch zwischen 2 und 3, so Wieler. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Schnitt zwei bis drei weitere Menschen ansteckt. Angestrebt wird ein Wert unter 1, um die Pandemie zu bremsen.

Zuletzt lag der R-Wert bei 2,02. (Datenstand 23.6., 0.00 Uhr, Vortag: 2,76). Das sogenannte Sieben-Tage-R lag bei 1,67 (Vortag: 1,83). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen und unterliegt weniger tagesaktuellen Schwankungen.

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Eine viel beachtete Kennziffer in Corona-Zeiten ist der sogenannte R-Wert: Er gibt Aufschluss über die Ansteckungsrate. Die kritische Marke liegt bei eins und die wird seit Tagen deutlich überschritten.

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