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Virenschleuder Ischgl? Schwere Vorwürfe gegen Tirol

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Virenschleuder Ischgl? Schwere Vorwürfe gegen Tirol

Im österreichischen Skiort sollen sich viele Gäste angesteckt und das Coronavirus später in ihren Heimatländern verbreitet haben. Trotz Warnungen liefen Wintersport und Après-Ski-Partys in Ischgl erstmal weiter. Tirol wehrt sich gegen Kritik.

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Von
  • Andrea Beer
  • Jonathan Schulenburg

Die aktuelle Verbreitung des Coronavirus geht auch auf Kontakte in Skigebieten zurück, das betont jedenfalls Jens Spahn: "Das Ausbruchsgeschehen, das wir im Moment haben, hat viel zu tun mit den Rückkehrern aus dem Skiurlaub", sagt der Bundesgesundheitsminister. Er verweist etwa auf Südtirol, Österreich und die Schweiz. Das Risiko, das aus dem regen Austausch in Skigebieten entstanden sei, solle man nicht unterschätzen.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Etwa einhundert Menschen befinden sich in Quarantäne

In Österreich werden besonders gespannt Testergebnisse von Menschen aus dem Medizinbereich erwartet, die mit einem Anästhesisten der Uniklinik Salzburg in Kontakt waren, denn dieser wurde positiv auf Corona getestet und hatte mit vielen im Krankenhaus zu tun. Zuvor hatte der Narkosearzt Skiurlaub in Ischgl in Tirol gemacht. Der Name steht bei österreichischen und ausländischen Touristen zur Zeit nicht für Skivergnügen sondern für mögliche Ansteckungen mit dem Coronavirus.

Dänemark, Schweden Norwegen oder auch Island sind wütend und besorgt. Denn die Menschen aus diesen Ländern, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, könnten sich im Skiurlaub in Österreich angesteckt haben. In Ischgl gilt die geschlossene Bar Kitzloch als regelrechte Virenschleuder. Denn auch nachdem ein Barmitarbeiter positiv getestet wurde, blieb diese zunächst offen.

Die Übersichtskarte zu den aktuellen Coronavirusfällen in Bayern finden Sie hier.

Platter: "Wir waren die Ersten"

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter betonte mehrfach, in Ischgl und ganz Tirol seien alle Maßnahmen rechtzeitig getroffen worden: "Wir waren in Tirol die ersten die schon Hotels geschlossen haben, wir waren die ersten, die Bars geschlossen haben, wir waren die ersten, die Maßnahmen unternommen haben, dass Sankt Anton am Arlberg und Paznaun gesperrt wurde, wir waren die ersten, die die Wintersaison beendet haben und jetzt wieder die ersten, die diese Winterverordnungen verfasst haben, wo diese einschränkenden Maßnahmen für die Tirolerinnen und Tiroler gegeben sind. Und ich bin der Meinung, dass wir immer einen Schritt weiter waren."

Doch Island betrachtete Ischgl in Tirol schon seit dem 5. März als Corona-Krisengebiet und hielt damit nicht hinterm Berg. Vidir Renyisson ist Offizier bei der isländischen Polizei. Er sagte dem ORF: "Wir haben auch acht Fälle aus Ischgl in Österreich. Wir sind besorgt, weil sich diese Gruppe am selben Ort infiziert hat."

Gesundheitsbehörden revidierten Aussage

Die Tiroler Landessanitätsdirektion stufte Ischgl trotz der Kritik aus Island noch am 8. März anders ein: "Eine Übertragung des Coronavirus auf Gäste der Bar ist aus medizinischer Sicht eher unwahrscheinlich." Einen Tag später revidierten die Tiroler Gesundheitsbehörden dann ihr Urteil in einer Presseerklärung so: "In diesem Zusammenhang kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass es eine Verbindung zu einem Teil der in Island positiv getesteten Personen gibt, die sich nach jüngsten Erhebungen kürzlich ebenso in Ischgl in besagter Bar aufgehalten haben."

Tags darauf schlossen die Behörden dann die Kitzloch Bar. Haben die Behörden in Tirol also alles richtig gemacht? Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz reagierte: "Man kann immer alles im Detail natürlich hinterfragen. Aber aus meiner Sicht geben wirklich alle die hier arbeiten ihr Bestes. "

Abreise teils mit Hindernissen

Die türkis-grüne Bundesregeirung hat St. Anton am Arlberg und das Paznauntal und damit auch die Gemeinde Ischgl bekanntlich inzwischen unter Quarantäne gestellt, da sich das Virus dort besonders schnell ausgebreitet hat. Ausländische Touristen sollten danach abreisen, doch wie das vor sich ging sorgte ebenfalls für Unmut. Es gab stundenlange Staus und manche waren sogar zu Fuß unterwegs. Medien in Österreich und Deutschland schreiben, dass hunderte aus dem Corona-Krisengebiet noch in Innsbruck übernachtet hätten. Ein Österreicher findet trotzdem man solle nun nach vorne schauen: "Es bringt jetzt gar nichts mit dem Finger auf andere zeigen, wir sollten jetzt einfach zusammenhalten."

In Österreich sind inzwischen drei Menschen an der Coronavirus Erkrankung gestorben und es gibt mehr als eintausend bestätigte Fälle.

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