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Vier Tipps gegen Verschwörungstheorien in der Familie | BR24

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Bildrechte: picture alliance / Zoonar | Patrick Daxenbichler

Was tun, wenn die Oma sich nicht impfen lassen möchte? Corona sorgt in vielen Familien für Streit. Die Journalistin Ingrid Brodnig gibt Tipps, wie man sich bei wirren Thesen, Fake-News und Verschwörungstheorien verhalten sollte.

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Vier Tipps gegen Verschwörungstheorien in der Familie

Was tun, wenn die Oma sich nicht impfen lassen möchte? Corona sorgt in vielen Familien für Streit. Die Journalistin Ingrid Brodnig gibt Tipps, wie man sich bei wirren Thesen, Fake-News und Verschwörungstheorien verhalten sollte.

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Von
  • Ferdinand Meyen

Etwa ein Drittel der Deutschen sind offen für Verschwörungstheorien. Das ergab eine Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung im letzten Herbst. Die Corona-Krise hat diese Dynamik verstärkt. Seit ihrem Ausbruch streiten sich viele Familien und Freunde, weil sie unterschiedliche Meinungen zur Faktenlage und zum Virus haben. Während die Tochter die Mutter zum Beispiel für eine Verschwörungstheoretikerin hält, weil sie sich nicht impfen lassen möchte, kritisiert die Mutter die Tochter für ihre Regierungstreue.

Die österreichische Journalistin Ingrid Brodnig hat das Buch "Einspruch" geschrieben. Sie beschreibt darin, wie die konstruktive Auseinandersetzung in solchen Konflikten gelingt – und Familie und Freunde nicht im Streit auseinandergehen.

Tipp 1: Unbequemen Diskussionen nicht aus dem Weg gehen

Ein erster Reflex bei unangenehmen Themen in der Familie oder bei Freunden ist, diesen aus dem Weg zu gehen. Beim Thema Corona sei das jedoch der falsche Weg, erklärt Ingrid Brodnig, die sich eher auf der Seite der Fakten positioniert. "Es steht zu viel auf dem Spiel, denn Menschen, die nicht an die Gefahr des Coronavirus glauben, stellen eine Gefahr für andere dar", meint die Journalistin. Deshalb sei es wichtig, früh auf bestimmte Falschmeldungen zu reagieren und sein Gegenüber dann im persönlichen Gespräch – nicht auf WhatsApp oder am Telefon – zu konfrontieren.

Tipp 2: Die Gesprächspartner wertschätzen

Menschen, die Verschwörungserzählungen glauben, seien oftmals sehr ängstlich, erklärt Ingrid Brodnig. Deshalb sei es wichtig, einfühlsam zu bleiben und auf sein Gegenüber einzugehen. Auch, wenn man dessen Meinung vielleicht nicht nachvollziehen kann. Ihr Tipp: "Die Person beiseite nehmen und freundlich darauf hinweisen, dass es zu dem Thema auch einen anderen Faktencheck gibt, und sie vielleicht einer Falschmeldung aufgesessen ist." Der falsche Weg sei, Freunde oder Familie scharf anzugreifen, zu hart zu kritisieren oder über sie zu lachen.

Tipp 3: Fragen stellen statt widersprechen

Aber was tun, wenn Fakten abprallen, und auch Einfühlsamkeit nicht mehr weiterhilft? Hier empfiehlt es sich, nicht zu sehr auf dem eigenen Standpunkt zu beharren, sagt Ingrid Brodnig. Besonders wichtig sei das in hartnäckigen Fällen, wenn das Gegenüber andere Fakten und Meinungen schon gar nicht mehr akzeptiert. Hier empfiehlt die Journalistin einen Strategiewechsel: "Manchmal ist die Frage das bessere Werkzeug, auch die Unstimmigkeiten aufzuzeigen." Denn wer fragt, wirkt einfühlsam und kann seinen Widerspruch freundlicher und weniger verletzend verpacken.

Tipp 4: Kein Themen-Hopping zulassen

In Gesprächen mit Verschwörungsgläubigen passiert laut Ingrid Brodnig häufig ein sogenanntes Themen-Hopping. "In einer halben Stunde können schon sechs bis sieben Felder angekratzt werden. Oft steigen Menschen ein mit einem Kind, das angeblich unter der Maske gestorben ist und wechseln dann zu einer Aussage von Bill Gates aus den 90ern", so die Expertin. Ihr Tipp: Nicht glauben, dass man alles kontern wird. Lieber vorher in ein Thema genau einlesen und dann im Gespräch versuchen, auch bei diesem Thema zu bleiben. "Wenn Sie versuchen, auf fünf oder sechs Baustellen gleichzeitig zu diskutieren, werden Sie eigentlich nichts richtig diskutieren", erklärt die Autorin.

Das wichtigste: Die Hand ausstrecken und nicht abwenden

Trotz allem seien die Tipps keine Garantie, dass betroffene Personen ihre Meinung ändern. Diese Erwartung dürfe man nicht haben, weiß auch Ingrid Brodnig: "Wenn die Krise kommt, kann das eine Chance für Fakten sein, aber muss es auch nicht." Trotzdem sei es wichtig, als Ansprechpartner vorhanden zu bleiben und weiter für betroffene Personen da zu sein. Sonst besteht die Gefahr, dass sie sich in ihrer extremen Meinung noch weiter radikalisieren.

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